Fällaktion zwischen Killer und Ringingen betrifft vor allem Eschen

Die Baumfällaktion zwischen Ringingen und Killer dient der Verkehrsicherheit. Dahinter steht jedoch ein Drama: das unaufhaltsame Eschensterben, das die Bestände unaufhaltsam zerstört.

|
Vorherige Inhalte
  • Wenn sich das Wetter nicht absolut verschlechtert, werden die Baumfällarbeiten zwischen Killer und Ringingen längs der K 7126 heute abgeschlossen. Am Samstag wäre die Straße dann wieder für den Verkehr geöffnet. Fotos: Matthias Badura 1/3
    Wenn sich das Wetter nicht absolut verschlechtert, werden die Baumfällarbeiten zwischen Killer und Ringingen längs der K 7126 heute abgeschlossen. Am Samstag wäre die Straße dann wieder für den Verkehr geöffnet. Fotos: Matthias Badura Foto: 
  • Im Einsatz waren unter anderem ein Vollernter, eine Raupe - und Muskelkraft. 2/3
    Im Einsatz waren unter anderem ein Vollernter, eine Raupe - und Muskelkraft. Foto: 
  • Die gefällten Eschen, sagt die Forstleitung, zeigten sämtlich Krankheitssymptome. 3/3
    Die gefällten Eschen, sagt die Forstleitung, zeigten sämtlich Krankheitssymptome. Foto: 
Nächste Inhalte

Seit fünf Tagen jaulen zwischen Ringingen und Killer entlang der Kreisstraße K 7126 die Motorsägen, krachen Bäume hernieder. Es sind vor allem Eschen, nur zum Teil Fichten und andere, die da fallen.

Die Eschen waren schon todgeweiht, lange bevor das Forstamt und die Straßenmeisterei sich entschlossen, sie fällen zu lassen. Ihre ganze Gattung ist weltweit todgeweiht, seit sie von einem Pilz heimgesucht wird, gegen den Botaniker kein Heilmittel kennen.

Das "Falsche Weiße Stängelbecherchen", so der niedliche Name des Todbringers, stammt ursprünglich aus Ostasien und hat sich von dort aus über den Erdball ausgebreitet. In Deutschland wurde er erstmals 2006 festgestellt.

Der Wind streut die Sporen des Stängelbecherchens über die Blätter beliebiger Eschen, von dort gelangen sie in deren Triebe, die daraufhin verdorren. Herabkrachende Äste können die Folge sein. Die Sporen greifen im weiteren Verlauf aber auch die Wurzeln des Baumes an und schwächen sie derart, dass es vorkommt, dass so eine Esche einfach, ohne, dass man ihr das vorher angesehen hätte, umfällt.

Heilmittel gibt es, wie gesagt keine, nur Hiobsbotschaften. Das Baumsterben greift unaufhaltsam um sich, auch im Raum Burladingen erkennen die Förster, wohin sie blicken, keine Besserung, nicht einmal Stillstand, vielmehr eine Verschlechterung auf allen Standorten.

Das ist schlimm, denn die Esche galt als Hoffnungsträger in Zeiten des Klimawandels. Im Grunde ist sie robust und genügsam, gedeiht im warmen Rheinland ebenso wie auf der kargen Alb. Nur gegen den Pilz ist sie machtlos.

Die Esche ist - oder war - die dritthäufigste Laubbaumart in Baden-Württemberg, davon abgesehen wegen der Eigenschaften ihres Holzes hervorragend zu vermarkten. Pilzbefallen taugt sie jedoch nur noch als Brennholz. Wenn auch als hochwertiges. Wegen der Gefahr, dass sie astweise oder am Stück ohne Vorwarnung in die Straße krachen, sagte Forstdirektor Hermann Schmidt am Donnerstag gegenüber der HZ, habe man "Vorsorge treffen müssen", heißt, die Bestände längs der K 7126 komplett roden.

Seit Montag dauert die Aktion, bei der unter anderem ein Vollernter, ein Schlepper, eine Raupe und bis zu fünf Mann einer Firma im Einsatz sind. Die Menge der geschlagenen Bäume konnte der Killermer Revierleiter Thomas Stocker auf Nachfrage nicht exakt beziffern, die Festmeterzahl der Eschen schätzt er aber auf rund 160, hinzu kommen um die 100 Festmeter Fichte, in denen man ebenfalls ein Gefahrenpotential erkannte.

Ein Gewinn ist aus dieser traurigen Ernte kaum zu erwarten. Tatsächlich, bestätigte Stocker, seien alle Eschen, die man entfernt habe, krank, von daher schlecht gewachsen und gemessan am üblichen Einschlag um Jahre zu früh dran. Holz für den Ofen also. Mit etwas Glück werde man "Null auf Null rauskommen". Allein der Einsatz des Vollernters koste pro Stunde 160 Euro, der Schlepper 80. Und die Männer wollen ja auch bezahlt sein.

Wenn sich das Wetter nicht absolut verschlechtert und Astwerk und andere Baumreste am Straßenboden festfrieren, können die Aufräumarbeiten am Freitag abgeschlossen werden. Dann wäre die Straße am Samstag wieder für den Verkehr offen.

Göttervater Wotan schnitzt am Wurzelwerk herum

Weltesche Yggdrassil heißt in der nordischen Mythologie die Weltesche, die Göttern, Riesen, Zwergen, anderen Gestalten, aber auch den Menschen eine Heimat bietet. In der Ausdeutung des Opernkomponisten Richard Wagner schnitzt sich Göttervater Wotan im Machtwahn aus den Wurzeln der Esche seinen Runenspeer. Das aber ist Naturfrevel. Die Esche verdorrt daraufhin, mit ihr geht, ähnlich wie in den nordischen Göttersagen, die alte Welt unter.

SWP

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hechinger Mordprozess: Angst vor der Vendetta

Im Prozess um den Hechinger „Mord im Mafia-Stil“ soll am Mittwoch, 18. Oktober, das Urteil gesprochen werden. Zwischen lebenslanger Haft und Freispruch ist alles möglich. weiter lesen