Essen Italiener Gänsedreck? Waren die Großväter faul?

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Dass italienische Wanderarbeiter Gänsedreck gegessen hätten, wurde im Killertal kolportiert. Doch vermutlich haben die Augenzeugen den Trick nicht begriffen.

Die Wasserleitung, die 1911 von Erpfingen über Salmendingen nach Ringingen gelangte, wurde von italienischen Arbeitern gegraben und verlegt. Das war nicht nur hier, sondern nahezu überall der Fall. Das wirft natürlich die Frage auf: Weshalb von Italienern?

Eine ältere Ringinger Mitbürgerin gibt sich überzeugt, die Urgroßväter, die sie in ihrer Kindheit noch erlebt hat, seien viel zu selbstbewusst gewesen, sich mit so etwas abzugeben. Zu selbstbewusst - und zu faul! Die Alten hätten lieber "Kindle gmachet".

Dass die damaligen Albbauern ein herber und eigensinniger Menschenschlag waren, hört und liest man immer wieder. Was die Tatkraft anbelangt, muss zu ihrer Ehrenrettung aber wohl gesagt werden, dass sie scheinbar durchaus bereit waren, sich mit harter Arbeit ein Zubrot zu verdienen, wenn sie die Chance dazu bekamen. Die Bohnerzgräberei, die eine kurze, sehr heftige Blüte erlebte, gibt Zeugnis davon.

Vermutlich waren die italienischen Arbeitskräfte einfach billiger, möglicherweise setzte man sie aber auch deshalb ein, weil sie die größere Erfahrung besaßen.

Aus Hausen im Killertal, wo nach 1880 ebenfalls italienische Arbeiter mit den Leitungsbauarbeiten beauftragt waren, hat Oberstudienrat Georg Schuler eine Erzählung seiner Großmutter überliefert, nachzulesen in seinem Buch "Damals im Killertal". Den Berichten der "Nahne" zufolge standen die Gastarbeiter aus dem Süden bei der Dorfbevölkerung im Ansehen, weil sie fleißig waren und "so schön singen konnten."

Daneben erzählte die Großmutter aber auch, die Arbeiter hätten ihr Essen, das sie in einem großen Gemeinschaftstopf kochten, mit "Gansdreck" gewürzt - beziehungsweise hätten Straßendreck hinein geworfen, der mit Gänsedreck versetzt war.

Schuler hegt, wie er schreibt, nicht den geringsten Zweifel an der Lauterkeit seiner Großmutter. Doch geht er davon aus, sie und andere Zuschauer seien einem Taschenspielertrick der Arbeiter zum Opfer gefallen.

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