Er hätte Nein sagen müssen

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Es blieb in der Jugendverhandlung bei einer Geldauflage.  Foto: 

Es sah eingangs nicht gut aus für den Angeklagten aus der Region Burladingen. Schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes warf ihm Staatsanwalt Weyl vor. Bei Erwachsenen wird eine solche Tat mit Gefängnis bestraft. Allerdings fand die Verhandlung am gestrigen Dienstag vor dem Hechinger Jugendschöffengericht statt. Der Angeklagte war zur Tatzeit 20 Jahre alt. Dennoch hätte es ihn auch nach dem Jugendstrafrecht empfindlich treffen können.

Weiter wirkte überhaupt nicht geschickt oder einsichtig, was der Angeklagte gleich zu Beginn gegenüber der Vorsitzenden Richterin Irene Schilling vorbrachte. Er sei – bei einem nachmittäglichen Besuch – von einem 13 Jahre alten Mädchen in ihrem Kinderzimmer bedrängt worden, „hartnäckig“ sei sie gewesen. Sie habe zuerst ihn geküsst, nicht er sie. Und sie habe kurz darauf gegen seinen anfänglichen Willen sexuelle Handlungen an ihm vollzogen. Nicht mehr Herr seiner Sinne, habe er es schließlich geschehen lassen. Das klang nun so, als ob sich da ein Täter zum Opfer stilisieren wollte. Doch entbehrte das, was der junge Mann sagte, offenbar nicht vollkommen der Wahrheit. Das Mädchen selbst hatte später bei den Ermittlungen berichtet, sie sei der aktive Teil dieser Begegnung in ihrem Kinderzimmer gewesen.

Wie Richterin Schilling dem Angeklagten freilich vor Augen führte, enthebt ihn das weder von der Schuld noch von der Verantwortung. Er war der Ältere, er hätte gegenüber dem Kind „Nein“ sagen müssen. „Mitgemacht“, das bemerkte der Staatsanwalt, habe er ja zuletzt doch.

Nicht günstig wirkte in dem Zusammenhang die Sache mit dem Chat im Vorfeld. In die Botschaften, die hin und her flogen, hatte der junge Mann sexualisierte und sexistische Sprüche verpackt. Das sei aber nur „aus Witz“ gewesen, er habe jeweils Jux-Symbole mitverschickt, verteidigte er sich. „Sind Sie so naiv?“, fragte ihn die Richterin daraufhin. Ob die „witzige“ Form nicht vielleicht nur eine Tarnung war, mit der die Idee, miteinander intim zu werden, versuchsweise auf den Weg gebracht werden sollte?

Das sah der Angeklagte bis zuletzt anders. Doch davon abgesehen gab es mehrere Punkte, die das Gericht für ihn einnahmen. So war er von Anfang an geständig und ersparte es seinem Opfer, in der Öffentlichkeit auftreten zu müssen.

Er wiederholte mehrfach, der 21-Jährige hätte es nicht soweit kommen lassen dürfen, das Ganze sei ein Fehler gewesen, sein Fehler. Ebenso hatte sich er schon gleich nach der Tat bei dem Mädchen entschuldigt, ihre Eltern um Verzeihung gebeten. Kontakt hatte er seither nie mehr mit ihr, insgesamt hatte er das Kind, das er über andere Bekannte kennenlernte, nur zwei Mal besucht.

Dass er strebsam ist, hat er in seiner Lehre bewiesen. Eindruck machte auf Staatsanwalt Richterin und Schöffen auch, dass er daheim freiwillig einen Teil seines Lohnes abgibt, weil es im Elternhaus finanziell knapp hergeht. In absehbarer Zeit will er jedoch mit seiner Freundin zusammenziehen. Auch das ein Pluspunkt für ihn.

Trotzdem erweckte der Angeklagte nicht den Eindruck, man habe einen ausgereiften Erwachsenen vor sich. Also kann er das auch zur Tatzeit noch nicht gewesen sein.

Vielmehr erblickte man das Bild eines Jugendlichen aus einem schwierigen Elternhaus, der wenig Kumpels hatte und der bei Mädchen nicht so gut ankam. Reifeverzögerungen. Vielleicht gefiel ihm auch deshalb das Spiel mit dem Feuer – weil das in ihrem Alter leicht manipulierbare Mädchen ihn anhimmelte.

Richterin Schilling erlegte dem 21-Jährigen schließlich eine Zahlung von 800 Euro auf, was ihn angesichts seines momentanen Lohnes schmerzen dürfte. Die Prozesskosten wollte man ihm ersparen.

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