Einigkeit ist das ganze Geheimnis

Viel Liebe hat Johann Kanz, Gauselfingens "Mister Geflügelzucht", seinem Hobby entgegengebracht. Seine größte Liebe freilich bleibt Johanna. Vor 60 Jahren haben sie geheiratet.

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Glücklich und einig seit 60 Jahren: Johanna und Johann Kanz feiern in Gauselfingen Diamantene Hochzeit. Foto: Matthias Badura

Johann Kanz wurde am 5. April 1924 als Sohn von Regina und Karl Kanz in Gauselfingen geboren. Seine Frau Johanna erblickte am 14. Dezember 1932 als Tochter von Jakobine und Simon Klaiber in Burladingen das Licht der Welt.

Aus der Schule entlassen, erlernte er 14-jährig im Betrieb von Ludwig Zintgraf den Beruf des Strickers; sie ging - zeittypisch - nach der Schulzeit einer Beschäftigung in einer der zahlreichen Burladinger Textilfabriken nach. Johann Kanz brachte es mit Geschick, Fleiß und Können zum Strickermeister und blieb der Firma Zintgraf vom ersten Lehrjahr bis zum Ruhestand insgesamt 49 Jahre treu - eine Zahl, auf die der Jubilar zu Recht stolz ist. Seine Frau verbrachte nach der Hochzeit noch einige Zeit in ihrem Betrieb, mit der Geburt ihrer ersten Tochter Rita verlegte sie sich dann ab 1955 auf die Heimarbeit.

Johann Kanz wiederum engagierte sich in vielen Bereichen, amtete als Gemeinde- und Bank-Aufsichtsrat, war wie sein Großvater und sein Vater Gauselfinger Mesmer und unterstützte als Mitglied sämtliche Vereine seines Dorfes. Daneben filmte und fotografierte er, schrieb auch Berichte für die Hohenzollerische Zeitung - "die alle ungekürzt veröffentlicht wurden", wie er gleichfalls mit Stolz berichtet.

Vor allem widmete er sich jedoch der Geflügelzucht. Keine Auszeichnung, die er als Züchter und Funktionär nicht erhalten hätte. Genannt sei allein der Titel des Ehrenmeisters der Deutschen Rassegeflügelzüchter. Noch heute, nachdem er lediglich noch ein paar einzelne Tiere hält - "damit etwas flattert im Garten" - besitzt sein Name Klang in der Züchterwelt. Die zahlreichen Erfolge und Preise einzuheimsen, sagt der 89-Jährige, wäre indessen unmöglich gewesen, wenn seine Frau nicht mitgezogen hätte. Das sei überhaupt schon das ganze Geheimnis - auch das ihrer Ehe: "Einigkeit macht stark." So funktioniere es und anders nicht, sind die zwei überzeugt!

Zwischen Kindheit, Jugend und Ehe lag noch eine andere Zeit: Der Krieg. Was für Johann Kanz und seine Familie daraus erwuchs, ist durchaus berichtenswert. Schon nach einem Jahr war der Soldat Kanz 1943 vor Monte Casino/Italien in amerikanische Gefangenschaft geraten. Vielleicht hatte er Glück, vielleicht halfen ihm sein freundliches Wesen und seine bescheidene Art. Zwar verfolgen ihn mitunter bis heute schlechte Träume, andererseits hat er die Kriegsgefangenschaft als "sorglose" Zeit empfunden. Es sei ihm gut gegangen, in Afrika ebenso wie später in Amerika und zuvor in Frankreich. Besonders in Frankreich! Die Familie des Bauernhofes, auf dem er arbeitete, besuchte der Heimkehrer nach 1948 immer wieder. Bis heute halten die Familien Kontakt. Das Angebot, nach Amerika auszuwandern, sei für ihn nie in Frage gekommen, Frankreich hingegen sehr wohl: "Frankreich steht bei mir ganz oben", sagt der ehemalige Kriegsgefangene mit glänzenden Augen.

Seine größte Liebe ist indes Johanna. Wann und wo lernten sie sich kennen? Das wissen sie heute nicht mehr genau zu sagen. Der erste Kontakt ist ihnen aber in lebhafter Erinnerung. Der Gauselfinger Bursch machte damals gegenüber dem unbekannten Burladinger Mädel eine recht ungezogene Bemerkung - und das Mädel zahlte, ohne auch nur Luft holen zu müssen, mit gleicher Münze zurück. "Das hat mir sofort gefallen", erinnert sich Johann Kanz. So kams.

Die standesamtliche Trauung fand am 18. November 1952 statt, kirchlich geheiratet wurde heute vor 60 Jahren in Burladingen bei Pfarrer Ferdinand Wunsch. Nach der Zeremonie ging es in den "Lindensaal". Zu der Zeit stand das Haus der Eheleute bereits, die beiden konnten noch am gleichen Tag einziehen. Arg provisorisch sei es anfangs zugegangen, aber allmählich wurde es zu dem gemütlichen Heim, das es bis heute ist. Und mit der Geburt dreier weiterer Töchter, Margit, Simone, Denise, rundete sich das Familienglück. Inzwischen sind acht Enkel sowie ein Urenkele da.

Die 60. Wiederkehr ihres Hochzeitstages feiern die Eheleute an diesem Freitag kirchlich im Rahmen der Vorabendmesse, samstags tafelt man im Kreise der Familie in die "Sonne". Herzlichen Glückwunsch, Johanna und Johann Kanz!

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