Ein Dorf mit sechs Brunnen

Sechs Brunnen zieren das beinahe 1250 Jahre alte Melchingen. Was war der Grund dafür, die Brunnen aufzustellen? Wann geschah das und wer hat sie angeschafft?

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Dieser und fünf weitere Brunnen zieren die Gemeinde Melchingen.  Foto: 

Fragen zu den Melchinger Brunnen ist Helmut Viesel zusammen mit dem Arbeitskreis "Zukunft Melchingen" im Zuge der Erweiterung des Themenwanderwegs Lauchertwasser nachgegangen. Die Versorgungssicherheit, die Einführung der Stallfütterung und der langsam, aber stetige Tagesverbrauch der einzelnen Haushalte hatte zum Bau der fünf Brunnen geführt. Der sechste, auch Gänsebrunnen genannt, wurde erst 1981 in Zuge der Flurbereinigung aufgestellt.

Dr. Egon Viesel schrieb bereits 1972 ausführlich über die Melchinger Brunnen. ". . . Die ersten Hinweise auf Brunnen in Melchingen sind zum einen der immer noch gut erhaltene Schöpfbrunnen im ,Melchinger Schloss; zum anderen Hinweise aus Aufschrieben aus dem 15. Jahrhundert, die gleich auf mehrere Brunnen im Ort hinweisen."

Im April 1847 erhielt der Steinhauer Gottlieb Bernhard aus Altenried bei Nürtingen den Auftrag, zwei Brunnentröge aus Sandstein zu liefern. Samt rund 2,40 Meter hohem runden Brunnenstock unter quadratischem Dach. Der zweite, heute beim ehemaligen Gasthaus "Lamm" stehende Brunnen hat eine quadratischen Brunnenstock.

Auch einen dritten Sandsteinbrunnen lieferte später Meister Gottlieb Bernhard. Ein Brunnentrog, der auf einer Seite rund, auf der anderen eckig war. Letzterer wurde zunächst auf den damaligen Marktplatz beim Gasthof "Lamm" aufgestellt. Laut Egon Viesels Ausführungen später jedoch zur Kirche hin versetzt. Beim "Lamm" wurde ein Brunnentrog mit zwei eckigen Enden gestellt. Vermutlich ein Tausch der beiden Brunnen. Einer der beiden Erstbestellungen bei Bernhard in Altenried war der Rathausbrunnen. Dieser stand vor der rechten Rathausecke. Ihn zierte ein markant verzierter runder Brunnenstock. Sein Trog war auf der Nordseite eckig und im Süden rund geformt. 1967 wurde der Sandsteinbrunnen gegen den heutigen Rathausbrunnen durch Steinmetz Egon Leeuw aus Bad Saulgau ersetzt. 1871 beschloss der Gemeinderat, dass im Oberdorf, an der Stelle des "Löchle", zu den bestehenden drei Brunnen ein weiterer aus Eisen aufgestellt werden soll. Drei Jahre später, 1874, beschloss man, einen gehörigen Brunnentrog beim "Kreben" aufzustellen. Beide Aufträge für die Brunnen aus Stahl führte Flaschner Sachs aus Trochtelfingen aus. Ganz im kaiserlichen Design, mit Nieten und Rosetten am Brunnenstock und einer verzierten Vase obendrauf. Zusätzlich erkundete die Gruppe um Helmut Viesel die Brunnenleitung, die die schönen Brunnendenkmale aus Sandstein und Stahl seit Jahrhunderten speiste. Zur Speisung der Brunnen im Dorf und der beiden Waschhäuser im Oberdorf und Mitteldorf wurden Deuchtelleitungen unter Frosttiefe in die harte Schale des Erdreichs geschlagen. Dazu wurden Baumstämme mit langen Bohrern längs gebohrt. Metallene Muffen gaben den Stämmen gegenseitige Dichtigkeit und festen Halt.

Ein Einzelstück, inklusive zugehörigen Bohrer, kann im Dorfmuseum besichtig werden. Die Deuchtelleitung wurde bereits 1871 innerhalb des Dorfes, ab dem ehemaligen gemeindeeigenen Armenhaus bis zum untersten Brunnen gegen Gussrohre getauscht. Um den vermehrten Wasserverbrauch decken zu können, wurden 1883 die Quellen im Frenzental gefasst und ebenfalls in die Leitung ins Dorf eingespeist.

Und heute sind einige der Brunnen trocken, da die Leitungen an verschiedenen Stellen undicht sind. Im Zuge der Erweiterung des Themenwanderwegs Lauchertwasser bis nach Melchingen sollte die Leitung repariert werden, damit in Melchingen wieder alle Brünnlein fließen.

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