Durst litten die Stettener nie

Vom Wasser als dem höchsten Gut hörten mehr als zwei Dutzend Besucher, die sich während der Nachhaltigkeitstage von Wolfgang Heinzelmann zu Mühlen, Brunnen und Pflanzen im Laucherttal führen ließen.

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  • Die jahrhundertealte Geschichte der Walzmühle erzählte Wolfgang Heinzelmann (Mitte) den Besuchern anlässlich der Nachhaltigkeitstage. 1/2
    Die jahrhundertealte Geschichte der Walzmühle erzählte Wolfgang Heinzelmann (Mitte) den Besuchern anlässlich der Nachhaltigkeitstage.
  • Die Steife Segge ist nicht nutzlos. Sie macht den Boden weich. Fotos: Betz 2/2
    Die Steife Segge ist nicht nutzlos. Sie macht den Boden weich. Fotos: Betz
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Die Teilnehmer, die auf Einladung der Burladinger Volkshochschule im Rahmen der ersten Nachhaltigkeitstage in Baden-Württemberg ins Laucherttal kamen, zeigten zum einen großes Interesse an zwei noch gut erhaltenen Mühlen, die vor einigen Jahren noch in Betrieb waren, der Walzmühle zwischen Stetten und Hörschwag und der Guckenmühle in Hausen a. d. L.

Während einer Frühjahrskräuterführung im Naturschutzgebiet entlang der Lauchert erregten nicht nur Labkraut und Rasenschmiele, Baldrian, Butter- und Sumpfdotterblume, Sauerampfer sowie fließender Hahnenfuß Aufmerksamkeit, sondern auch hochgiftige Pflanzen, wie die Herbstzeitlose und das Pfaffenhütchen, und eine augenscheinlich "nutzlose", aber ortstypische Pflanze, die Steife Segge, die den Boden weich und moorig macht, und hier bestens gedeiht. Heilkräuter wie Brunnenkresse und Mädesüß sind um diese Jahreszeit bereits reichlich zu finden und können, beispielsweise direkt an der Quelle "Langer Brunnen" wachsend, auch mit gutem Gewissen eingenommen werden, sofern man sie kennt, und nicht mit ähnlich aussehenden Pflanzen verwechselt.

Auch die sehr aktiven Kormorane und Fischreiher fühlen sich am Fluss wohl. Nicht zuletzt wegen der neuen Ausweisung als Badefluss gehören die Lauchert und ihr Tal auch zum jüngst vom Magazin Geo (Geo Spezial 2/2012) mit dem Emblem "Naturerlebnis Deutschland" ausgezeichneten Orten.

Die vielen Quellen, die in und an der Lauchert entspringen, sind nicht nur ziemlich "frisch" - über zwölf Grad kommt die Wassertemperatur selbst im Hochsommer nicht hinaus - sie sind auch die Vorraussetzung für die vielen Brunnen, die Stetten unter Holstein zu einem seltenen Reichtum an Wasserstellen verhelfen. Es heißt, dass die am Wasserweg auf der Gemarkung des "Langen Brunnens" und des "Schwarzen Brunnen" wohnenenden Stettener auf der sonst sehr kargen und eher wasserarmen Alb mit Wasser immer reich gesegnet waren, so dass das Wort Durst für sie immer ein Fremdwort blieb. Viele andere Gemeinden auf der Albhochfläche hatten dagegen über die Jahrhunderte immer große Schwierigkeiten, ihre Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Sie litten ernstlich an Wassermangel. Außerordentlich gefallen hat allen, teilweise auch aus Balingen und Hechingen angereisten Teilnehmern, was der Historiker und Archäologe Wolfgang Heinzelmann ihnen an Wissenswertem anzubieten hatte. Ein gehöriges Maß an Lokalkolorit machte die Wandervorträge zu einem tollen Erlebnis. Auch die Kinder, die sich für Wasser, Vögel und Kräuter interessierten, waren bei den immer wieder durch die Wolkendecke hindurchbrechenden Sonnenstrahlen äußerst vergnügt.

Bei der Mühlenführung interessierten sich die Besucher selbstverständlich auch für die fernsehbekannte, heute im Burladinger Altenheim lebende Walzmühlenbesitzerin Klara Walz. Wolfgang Heinzelmann, erzählte, Klara Walz habe ihm bei einem Besuch im Altenheim einmal gesagt: "Mei Vadder hot immer gsait: Mr muass wehra, wehra muass mr!" Damit war das Bedienen des Stauwehrs am Fluss bei der Mühle gemeint, das eine überlebenswichtige Funktion hatte.

Eine lebensbedeutende Funktion haben auch die Nachhaltigkeitstage, deren Sinn in der immer stärkeren Verbreitung eines nachhaltigen Denkens und Handelns liegt. Sie sollen einem unverantwortlichen, übermäßigem Raubbau an der Natur, der in der Vergangenheit viel zu lange der Natur zugesetzt, und sie zum Teil unwiederbringlich zerstört hat, wehren - "mr muass wehra".

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