Die Waffenschmiede Killer

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Dorfarchivar Roland Simmendinger vor einem der K 98, die vor fast 80 Jahren in einem Betrieb in Killer serienmäßig von Kriegs- zu Jagdwaffen umgebaut wurden. Ein Zeugnis der Industriegeschichte des Dorfes.  Foto: 

Was da seit neuestem im Archiv im Killermer Kirchturm hängt, war einmal ein Kriegsgerät, ein „K 98“. Waffennarren bekommen beim Anblick eines solchen Gewehres glänzende Augen. Sogleich als solcher zu erkennen ist der Weltkriegskarabiner im Kirchturm allerdings nicht, weil er nämlich schon vor langer Zeit umgebaut wurde. Und zwar zu einer Jagdwaffe. Der Lauf wurde konisch abgedreht, den Abzug hat man um einen „Stecher“ erweitert, den klobigen Schaft durch einen eleganteren ersetzt.

Vorgenommen hat den Umbau die Killemer Firma Josef Kästle in den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Wie Archivar Roland Simmendinger weiß, handelte es sich nicht um eine Spezial- oder Einzelanfertigung, sondern es wurde eine Serie solcher Waffen hergestellt – deren Zahl freilich nicht groß gewesen sein dürfte. Kästle soll die Karabiner zudem auch zu Stutzen umgebaut haben (– das sind Kurzjagdwaffen mit verlängertem Schaft.) Doch ist Simmendinger ein solches Exemplar bisher nie unter die Augen gekommen. „Die geschichtliche Sammlung Killer würde sich natürlich freuen, einen Stutzen entgegennehmen zu können“, grinst der Archivar  schelmisch. Den K 98 hat er jedenfalls für die Sammlung geschenkt bekommen. Allerdings weiß er nicht, welcher Jäger dessen erster Besitzer war. Ein Waidmann aus Salmendingen mit Namen „Fidel“ soll es gewesen sein. Auch auf diesem Gebiet wäre Simmendinger für Hinweise dankbar.

Sonderführungen sind möglich

Ansehen kann man sich das Gewehr am nächsten Tag des offenen Denkmals. Oder wenn man Roland Simmendinger direkt darauf anspricht. Sonderführungen sind möglich. Ausprobieren lässt sich der Schießprügel allerdings nicht mehr, selbst, wenn man die nötige Erlaubnis besäße und eine Schießbahn genau vor der Kirche läge. Simmendinger hat die Waffe von einem Experten untauglich machen lassen.

Satte 160 Euro kostete ihn dieser Dienst, dafür gab’s obendrauf immerhin das amtliche Zertifikat über die somit hergestellte Ungefährlichkeit. Gleichwohl funktioniert die Mechanik noch wie ehedem. Das Schloss gibt beim Repetieren das klassische Klacken von sich, das einen US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg das Leben gekostet haben soll, als der das Geräusch mit der Erkennungsklapper eines Kameraden verwechselte und dem Feind direkt vor die Mündung lief. Es kann aber auch sein, dass das nur eine Legende der Hollywood-Filmindustrie ist.

Als Waffe unbrauchbar

So oder so: Als Kriegs- oder Jagdwerkzeug ist der K 98 Roland Simmendingers nicht mehr zu gebrauchen. Dafür stellt er, was viel besser ist, ein Zeugnis für die einst blühende Killermer Firmenwelt dar. Und insbesondere dafür, dass in der Gemeinde eben nicht ausschließlich Peitschen gefertigt wurden, sondern man sich auch auf mechanische Arbeiten verstand.

Aus der Firma Josef Kästle wurde später IKA, heute leider ebenfalls nicht mehr existent. Elektrowaren, so weiß Simmendinger, habe Kästle jedoch bereits im Krieg hergestellt, einiges davon als Rüstungsgüter.

Kriegswaffe Der K(arabiner) 98 ist eine deutsche Repetierbüchse, die ab 1898 von der Firma Mauser in verschiedenen Ausführungen hergestellt wurde. Im Ersten Weltkrieg war die deutsche Infanterie damit ausgerüstet, doch kam das Gewehr auch im Zweiten Weltkrieg bei der Wehrmacht noch zum Einsatz. Der Verschluss Mauser System 98 wird heute noch in anderen Gewehren verwendet.

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