Die Burladinger wehrten sich gegen eine Leitung

Die Geschichte der Wasserversorgung verlief in einzelnen Gemeinden unterschiedlich. Teilweise mussten Ingenieure und Behörden gegen heftige Widerstände ankämpfen. So auch in Burladingen.

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Die Burladinger Fehlaquelle wurde erst nach vielen Widerständen gefasst.

Was die Wasserknappheit betrifft, waren die Dörfer im Killertal weitaus besser dran als etwa Salmendingen und Ringingen. Und in Stetten unter Holstein war "Durst ein Fremdwort". So steht es zumindest auf den Informationstafeln bei der teilweise noch erhaltenen, mechanischen Widder-Pumpanlage.

Erstaunliches liest man über die Vorgänge um den allerersten Wasser-Zweckverband der Alb. Die Bevölkerung des Dorfes Justingen musste demzufolge 1869 nachgerade zu ihrem Glück gezwungen werden. In einem regelrechten "Dorfkrieg" wollte zahlreiche Zweifler das geniale Bauvorhaben des königlich-württembergischen Baurates Karl Ehmann verhindern. Es blieb keineswegs bei Argumenten und "Gegengutachten", die lokalen Unterstützer Ehmanns wurden bedroht und verleumdet - bis der Erfolg ihnen umgehend recht gab.

Zurück auf die Burladinger Alb: Der Chronist August Speidel geht davon aus, es seien bis 1856 neben einer Leitung zum "Schlössle" keine weiteren Wasserleitungen oder fließende Brunnen in Burladingen vorhanden gewesen. Man entnahm das Nass aus Schöpfbrunnen und aus der Fehla: "Um keinen Preis könnten wir die Wasserleitung vermissen, und doch haben unsere Vorfahren sich äußerst hartnäckig gegen den Bau einer Brunnenleitung gewehrt. Dabei werden die finanziellen Gründe nicht allein ausschlaggebend gewesen sein, sondern auch die grundsätzliche Abneigung gegen alles Neue, vermutet er im Heimatbuch.

Laut Chronik widersetzten sich die Altvorderen im Jahr 1856 der Anweisung des Hechinger Oberamtes, welches den Bau einer Leitung zu einer der vorhandenen Quellen angeordnet hatte. Vogt Pfister, der Bürgerausschuss und der Gemeinderat baten in einer Eingabe, das Projekt zu verschieben, es sei kein Geld vorhanden. Daraufhin setzte es eine Ordnungsstrafe. Von der "wohltätigen Brunnenanlage" könne nicht abgesehen werden, hieß es von Seiten des Oberamtes, die Kosten seien zumutbar.

Nach weiterem Hin und Her wandte sich die Gemeinde an die Regierung. Und erlebte eine nächste Abfuhr: Laut einem Gutachten des Königlichen Physikats in Hechingen würden die vorhandenen Schöpf- und Ziehbrunnen "nur ganz schlechtes und ungesundes" Wasser liefern: "Das Wasser aus dem auf mancherlei Weise verunreinigten Fehlabach sei ebenfalls zum Genuss für Menschen nicht geeignet."

Das Oberamt legte ebenfalls noch einmal nach. Man bezichtigte die Burladinger Gemeindeväter, sie hätten durch ihr "schwaches und zweifelhaftes Benehmen" den Widerstand in der Bevölkerung geschürt. Man wolle dafür sorgen, dass die Verantwortlichen "an Ehre und Vermögen so bestraft werden, wie sie es verdienen." Nun kamen die Dinge in Gang. Der Vorschlag lautete, die Fehlaquelle, die Quelle Richtung Gauselfingen und die Quelle auf dem "Gaisacker" zu fassen.

Wie andernorts folgten bald Ausbau und Verbesserungen. So besitzt Burladingen seit 1903 etwa eine Hauswasserleitung, im Jahr 1930 wurden die Quellen Kreuzbrunnen, Gassenbrunnen, Weiher- und Mesnerbrunnen gefasst und das Kreiswasserwerk erstellt.

Das Vorhaben einer gemeinsamen Wasserversorgung - unter anderem mit Jungingen, Bisingen, Hechingen und Bodelshausen - war schon 1928 in die Wege geleitet worden. Die Gründung des Zweckverbandes Wasserversorgung Hohenzollern erfolgte 1973, das neue Wasserwerk in Burladingen wurde 1980 in Betrieb genommen. Seither ist Burladingen so etwas wie die Wasser-Hauptstadt Hohenzollerns. Eine fast wundersame Wandlung nach all den Widerständen und Vorbehalten im 19. Jahrhundert.

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