Der Tod und die Lüftung lassen frösteln

Zwischen Mägerkingen und Trochtelfingen kann man ins Paradies sehen, verspricht der Tod. Rund 200 Zuschauer in der Burladinger Stadthalle haben zusammen mit dem Brandner Kaspar den Blick gewagt.

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Der schwarze, bleiche Mann, der Boanlkramer, zieht einen zerknitterten Zettel aus seinem Gehrock und liest sich die Liste durch. Viele, viele Namen stehen da, auch der des Burladinger Bürgermeisters findet sich auf dem Zettel. Doch Harry Ebert ist nicht zur ersten großen Theateraufführung des Melchinger Lindenhofs in der neuen Stadthalle gekommen, braucht sich also vorerst vor dem Sensenmann nicht zu fürchten.

Die Zuschauer im gut gefüllten Saal fröstelten. Das lag weniger an dem durch die Halle geisternden Tod, als vielmehr daran, dass die Lüftungs- und Heizungsanlage im schmucken Burladinger Kulturtempel noch an den Sommer glaubte.

Herzerwärmendes indes gab es auf der Bühne zu sehen: Dem Brandner Kaspar (Stefan Hallmayer) sind nur seine Enkelin Marie (Constance Klemenz) geblieben - und ein Haufen Schulden beim Bürgermeister (Berthold Biesinger). Durch Wilderei möchte er noch zu so viel Geld kommen, dass er seiner Enkelin eine schuldenfreie Mitgift hinterlassen kann. Da kommt ihm der Gevatter Tod (absolut hin- und mitreißend gespielt von Oliver Moumouris), der ihn holen möchte, doch arg unpassend. Der Knochenmann hat einen schweren Job, friert viel bei seinen Botengängen zwischen der Erde und den Ewigkeiten und freut sich daher ungemein, als ihm der Kaspar ein Kirschwasser anbietet. Es kommt, was seit Sisyphos und Thanatos kommen muss: Der alte Spitzbube macht den Tod betrunken. Dann bescheißt er ihm beim Kartenspiel noch weitere 18 Jahre auf Erden ab.

Doch man ahnt es: So was geht nicht gut aus. Weil die Gesamtsumme der irdischen Lebensjahre global gesehen immer ausgeglichen sein muss, trifft es die Enkelin Maria. Als sie ihren wildernden Herzbuben Flori (Alexis Schvartzmann) vor dem Jäger Simme (Gerd Plankenhorn) warnen möchte, wird sie von einer Gerölllawine erschlagen. Doch der alte Sturkopf Kaspar möchte trotzdem nicht mit dem armen Tod gehen, der wegen seiner Schlamperei ziemlich Druck von oben bekommt.

Aber der "Boanlkramer" weiß Rat: Zwischen Mägerkingen und Trochtelfingen gibt es ein Loch, da könne der Brandner doch mal eine Stunde ins Paradies schauen. Und wie der Alte da die Seinen (als Urgroßmutter Afra, Linda Schlepps) wieder trifft, muss nur noch geklärt werden, ob er denn überhaupt am Pförtner Petrus (Plankenhorn) vorbei ins Paradies darf oder nicht viel eher ins Fegefeuer gehört.

Der Burladinger Kulturverein hatte die Idee gehabt, das Lindenhof-Theater von den Höhen in die Kernstadf zu holen und mit dem Volksstück "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" auszuprobieren, ob in der schönen neuen Halle auch Theater machbar ist. Nachdem der Vorverkauf nur sehr schleppend verlaufen war, kamen zur Aufführung dann doch etwa 200 Zuschauer. Eckhard Kranz vom Kulturverein zeigte sich am Ende des Abends sehr zufrieden mit der Resonanz. Und weil es den Zuschauern auch sehr gefallen hatte, versprach Kranz, diese Kooperation beizubehalten und die Stadthalle wieder zu nutzen. Für den Juli nächsten Jahres ist erneut eine Veranstaltung des Kulturvereins geplant. Was es sein wird, möchte er allerdings noch nicht verraten. Man darf gespannt sein.

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