Das großes Abwatschen im Gemeinderat

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Im Gemeinderat war am Donnerstagabend - auch - die Rede von einer Rückkehr zur kreativen Zusammenarbeit. Aber tiefer kann der Graben zwischen Bürgermeister Ebert und dem Gremium nicht werden. Auslöser für das neuerliche Aufflammen des Konfliktes, eher müsste man von „Explodieren“ sprechen, war der Amtsblatt-Artikel Eberts zu Beginn diesen Monates. Foto: Archiv  Foto: 

Die Temperaturen im Sitzungssaal des Burladinger Rathauses lagen am Donnerstag wetterbedingt in der Nähe des Siedepunktes, richtig übergekocht ist die Stimmung dann am Schluss. Mehrere Räte sagten Bürgermeister Harry Ebert ihre Meinung zu seinem Amtsblatt-Artikel vom 1. Juni; sie beschwerten sich aber auch über seinen politischen und menschlichen Stil.

Die Frage um das „Redaktionsstatut“ des Amtsblattes hatte das Gewitter ausgelöst. Es ging darum, dass Harry Ebert keine persönlichen Ansichten mehr unter der Rubrik „Aus dem Gemeinderat“ veröffentlichen soll, weil das den irrigen Eindruck vermittelt, es handle sich um einen unabhängigen und objektiven Bericht eines Dritten.

Am 1. Juni hatte Ebert in so einem Bericht die Gemeinderäte Dörte Conradi und Alexander Schülzle angegriffen, sie seien die wahren Schuldigen für die „Gefährdung des Ärztehauses“. Während es so ausgesehen habe, als fordere Investor Kaspar Pfister den Rückzug des Bürgermeisters aus dem Projekt sei das in Wahrheit die Forderung der beiden gewesen.

„Unfair und widerwärtig“

Zunächst gab Rosi Steinberg dazu am Donnerstag eine Erklärung ab: Conradi und Schülzle, betonte sie, hätten nie im Alleingang gehandelt oder gesprochen, sondern sie hätten stets die Meinung einer Mehrheit des Gemeinderates vertreten. CDU-Stadtrat Friedemann Mutschler setzte noch eins drauf, als er dem Bürgermeister nach Steinbergs Erklärung entgegen schleuderte, es sei hochgradig „falsch, unfair und widerwärtig, wie er das Amtsblatt missbrauche, um gegen den Gemeinderat Stimmung zu machen“. Ebert, so hieß es auch von anderer Seite, solle aufhören zu sticheln und seinem Amtseid entsprechend zu einer vernünftigen Zusammenarbeit zurückkehren.

Dem hielt der Bürgermeister entgegen, nicht er habe den Streit immer neu befeuert, sondern es sei wegen seiner AfD-Nähe von Anfang an eine organisierte Kampagne gegen ihn im Gange gewesen. Dem Freien Wähler Karl-Moritz Kraus platzte daraufhin der Kragen: Harry Ebert, so der Freie Wähler, habe einmal über sich selbst gesagt, Diplomatie sei nicht seine Stärke. Scheinbar gehe es dem Bürgermeister darum, eben das ständig neu unter Beweis zu stellen. „Sie wollen immer das letzte Wort haben“, der Auslöser aller Querelen sei aber nicht der Gemeinderat gewesen. „Der Auslöser waren Sie!“

Ebert kontert

Ebert konterte: Wenn das letzte Wort die Wahrheit sei, dann bestehe er auf dem letzten Wort. „Das ist Ihre Ansicht der Wahrheit“, schallte es aus der Runde zurück. Dass die Rückzugsforderung auf dem Dung von Conradi und Schülzle gewachsen sei, daran hielt Ebert auch am Donnerstag fest. Er behauptete außerdem, das Burladinger Ärztehaus-Projekt sei nur deshalb fortgesetzt worden, weil ein Ersatzvorhaben Kaspar Pfisters in Gammertingen „geplatzt“ sei. Dazu erwiderte Dörte Conradi, was auch kürzlich Kaspar Pfister in seiner offiziellen Pressemitteilungen so ausgeführt hatte: Der Baustopp sei die alleinige Entscheidung des Investors gewesen, und der Grund dafür die AfD-Nähe des Bürgermeisters. Auf der Suche nach einem Ausweg, wie man Pfister zur Umkehr bewegen könne, habe der Gemeinderat die Möglichkeit vorgeschlagen, dass Ebert seinen Rückzug aus dem Vorhaben erklärt. Dieser Lösung habe Pfister zugestimmt, daraufhin sei man mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit gegangen.

Das, beharrte Conradi, sei der Gesamtzusammenhang, während einzelne Zitate Pfisters, auf die sich Ebert berufe, vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen seien. Ob das Vorhaben Pfisters in Gammertingen wirklich „geplatzt“ sei, wisse man im Übrigen nicht. Das wäre erst noch zu belegen.

Einen solchen Beleg forderte wiederum Friedemann Mutschler vom Freie-Wähler-Stadtrat Dr. Armin Schweitzer, der in Leserbriefen zugunsten Eberts in die gleiche Richtung argumentiert hatte. Das seien bloße Behauptungen, sagte Mutschler und fragte, warum Schweitzer die Ratskollegen Conradi und Schülzle sowie den Investor Pfister in einer solch ungehörigen  Weise angehe: „Warum diskutieren Sie nicht mit uns? Sagen Sie doch Ihre Meinung hier im Gemeinderat“, forderte er von seinem Gegenüber. Nein, weigerte sich Schweitzer, er habe entsprechende Erfahrungen gesammelt, seine Meinung werde „in der Presse“ immer nur verkürzt wiedergegeben. Um gegenüber Kaspar Pfister misstrauisch zu sein, habe er privat-berufliche Gründe.Und seine Infos oder Quellen über die Vorgänge in Gammertingen werde er nicht preisgeben. „Das ist doch auch alles wieder nebulös“, schimpfte Mutschler. Die nicht öffentliche Sitzung schloss sich an.

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