Biker warten auf die Strecke

Die Gegner eines Bikeparks am Burladinger Skilift machen Tag für Tag mobil. Die Stimme der Befürworter vermisst der Gauselfinger Jürgen Morgenstern - und wirbt für einen "fast geräuschlosen Sport".

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Jürgen Morgenstern mit Downhill-Ausrüstung und -Bike: In der regionalen Szene hofft man, dass die Abfahrtsstrecke am Burladinger Skilift kommt.  Foto: 

Eine Downhillstrecke für Mountainbiker am Burladinger Skilift: Die Idee der Firma Ski Sport Alm Zollernalb GmbH, die die Anwohner auf die Barrikaden treibt, hat durchaus auch ihre Befürworter. Die Szene der Mountainbiker in der Region freue sich auf ein solches Angebot, weiß der Gauselfinger Jürgen Morgenstern, der seit vier Jahren mit seinem Spezialrad steile Hänge hinabbrettert. Dem 48-jährigen Kfz-Meister ist es ein Anliegen, in der laufenden Diskussion Werbung für seinen jungen, aufstrebenden Sport zu machen.

"Früher", räumt Morgenstern ein, "waren die Downhiller alles Bekloppte". Ohne hinreichende Ausrüstung stürzten sie sich die steilsten Hänge hinab - und drunten im Tal wartete nicht selten schon der Krankenwagen. Inzwischen, so betont der Gauselfinger, sei man auf dem Weg zu einem Breitensport auf moderater gewordenen, sicheren Strecken, auf die sich auch Anfänger gefahrlos wagen können - wenn sie denn mit Verstand zu Werke gehen und die erforderliche Schutzausrüstung tragen. "Ich bin noch nie schwer gestürzt", sagt Jürgen Morgenstern - und wenn es mal passieren sollte, dann kann er mit Schutz durch die Protektoren rechnen, die er über nahezu jedem Teil seines Körpers trägt. Nein, ist er überzeugt, als Hochrisikosportart müsse Downhill nicht zwingend verstanden werden.

Und als Freizeitangebot, das Lärm und Dreck macht und die Natur zerstört - wie die Burladinger Skilift-Anwohner behaupten - seiner Meinung nach schon gar nicht. "Unser Sport", so betont Morgenstern, "wird ausschließlich auf angelegten Strecken ausgeübt. Ich kenne keinen Bikepark, auf dem man etwas betoniert hätte. Schanzen, Rampen, Bodenwellen und andere Hindernisse würden grundsätzlich aus Erde, Holz und allenfalls durch den Einsatz von Schotter gebaut. "Das bringt nicht mehr Naturzerstörung als ein Wanderweg", meint der Gauselfinger Biker. "Da werden überhaupt keine Flächen versiegelt."

Und auch die Furcht der Nachbarn vor Dauerlärm versucht Jürgen Morgenstern zu zerstreuen. "Bei diesem Sport entsteht kein Lärm." Es handle sich schließlich nicht um eine Motocross-Strecke. "Da surrt höchstens der Lift, und es quietscht mal eine Bremse." Nein, ist Morgenstern überzeugt, in den hundert Metern entfernten Häusern höre man nichts mehr. Das zeigten auch die Erfahrungen am Tailfinger Bikepark. Der dortige Betreiber habe ihm bestätigt, überhaupt keine Probleme mit den Anwohnern zu haben, obwohl es dort wesentlich enger zugehe und immer wieder Bike-Touristen direkt am Hang campieren.

Apropos Touristen: Die Gegner eines Burladinger Bikeparks halten den Gedanken, dass eine Downhill-Strecke den Tourismus ankurbeln könnte, für "Irrsinn". Jürgen Morgenstern sieht auch das ganz anders. Er ist überzeugt, dass eine solche Strecke für Burladingen eine Bereicherung wäre: "Unser Sport boomt und könnte eine Attraktion bieten, die Auswärtige nach Burladingen lockt."

Das Argument, dass nicht noch ein Bikepark gebraucht werde, nachdem es im gerade mal fünf Kilometer entfernten Tailfingen schon einen gibt, will der Kenner der Szene nicht gelten lassen. Er verweist auf eine Gegend im Harz, in der es mehrere Downhill-Strecken gebe. Dorthin pilgerten ganz viele Biker, um während eines längeren Aufenthalts auf mehreren Strecken zu fahren. Auf diese Weise könnten sich auch Burladingen und Tailfingen eher ergänzen, als dass sie sich Konkurrenz machen. Und wenn Touristen für mehrere Tage kämen, dann - glaubt Morgenstern - bliebe auch für die Burladinger Geschäftswelt etwas hängen.

Unterm Strich steht für Jürgen Morgenstern fest: "Viele meiner Kollegen und ich würden uns freuen, wenn der Bikepark käme."

Ignuk will von Reithmayer Genehmigungsunterlagen sehen

Diskussion Die Interessengemeinschaft für Naturkunde und Umweltschutz Killertal (Ignuk) hat am Mittwochabend in ihrer Monatsversammlung mit Karl-Heinz Reithmayer von der

Ski Sport Alm Zollernalb GmbH über den geplanten Bikepark diskutiert.

Kritik Sehr kritisch geäußert haben sich die Naturschützer darüber, was schon im vergangenen Jahr am Burladinger Lifthang unternommen wurde: über den Parkplatzbau, über das Abholzen der Schneise für den Lift, über Abgrabungen und Aufschüttungen am Hang und über die Rodung einer Heckenzeile. "Wir würden gerne wissen, wer das alles genehmigt hat", fasste Ignuk-Chef Roland Bosch gestern gegenüber der HZ zusammen. Außerdem wollen die Killertäler Naturschützer ökologische Ausgleichsmaßnahmen einfordern.

Sommerbetrieb Was den geplanten Sommerbetrieb in Gestalt einer Downhill-Strecke für Mountainbikefahrer angeht,

befürchtet die Ignuk weitere nachteilige Auswirkungen auf die Natur. Ein Bikepark wäre auf jeden Fall "ein Störfaktor für die Vogelwelt", meint Bosch. Auch diesen Hinweis will die Ignuk in die gemeinsame Stellungnahme des Naturschutzbüros Zollernalb zu dem Vorhaben einfließen lassen. "Wir werden sehen, was das Landratsamt draus macht", sagt Bosch, der wenig Hoffnung hat, dass die Anlage zu verhindern sei. "Die Stadt Burladingen will sie ja offenbar

unbedingt."

Weitere Vorhaben Reithmayer hat den Naturschützern laut Roland Bosch versichert, dass am Lifthang nicht noch mehr geplant sei - weder weitere Bikestrecken noch eine Sommerbobbahn noch eine Gastronomie. Bosch bleibt

skeptisch, sagt aber: "Wir

müssen uns darauf verlassen, was er sagt. Bisher ist ja nur eine Strecke beantragt

worden."

HY

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