Am Ende sind alle Zombies

Einen Mikrokosmos ihrer Wünsche und Sehnsüchte öffneten Theaterschüler des Hechinger Gymnasiums am Lindenhof: "The Zombie Project".

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Die Bühne sieht aus wie ein Spielzimmer für Kinder. Auf dem Boden verstreut liegen Puppen, Straßenmalkreide, Babyschuhe, Bücher und Kissen, an der Wand hängt eine Kinderzeichnung. Und inmitten dieser Szenerie ein kleines, springendes Mädchen, das "Himmel und Hölle" spielt.

Gleichermaßen spielfreudig wie geheimnisvoll begann die Werkschau "The Zombie Project", die der Literatur- und Theaterkurs des Gymnasiums Hechingen am Wochenende zweimal im Saal des Lindenhof-Theaters in Melchingen spielte. In rascher Folge traten die weiteren sieben Figuren des Stücks auf und ließen die fiktive amerikanische Kleinstadt Westport lebendig werden.

Da ist Joana, die zwar zum Sheriff gewählt wurde, sich jedoch mit Rassismus und Sexismus herumschlagen muss und überdies den Verlust ihrer verschwundenen Tochter Luce nicht verwunden hat. Auch ihre Freundinnen Chloe und Alaska, die eine Soldatin, die andere Hure, kämpfen mit ihren Dämonen und haben es nicht geschafft, der Enge der Kleinstadt zu entfliehen.

Ebenso wie Heather, die Sekretärin und einstige Highschool-Schönheit, und Mary, die nach einer Marienerscheinung zur spirituellen Meinungsmacherin der Gemeinde aufgestiegen ist. Durch Sam, eine Herumtreiberin, die der Ladenbesitzerin Fiona die Scheibe einschlagen will, erhält die Situation vollends chaotische Züge. Nach und nach schleichen sich bedrohliche Untertöne in das anfangs so unbekümmerte Spiel ein, und ein Zombie-Virus greift um sich.

Dieser aus der Popkultur entlehnte Plot erwies sich jedoch bald als Oberfläche des Stücks. Vielmehr haben sich die Spielerinnen mit Westport einen Mikrokosmos ihrer eigenen Wünsche und Sehnsüchte erschaffen und auf der Bühne erprobt.

Dabei brachen sie im Laufe des Stücks die Handlung immer mehr auf, um zu Bildern und Szenen zu gelangen, die die Themen des Stücks auf poetisch eindringliche Weise ausloteten. Etwa wenn sie in absoluter Dunkelheit, nur versehen mit Stirnlampe und Kreide, ihre Ängste wie in einem Bergwerk auf den Boden schrieben.

Am Ende sind alle Figuren zu Zombies verwandelt, die, wankend wie Schilfgras im Wind, schnippen, säuseln und ihre unerfüllten Wünsche aussprechen.

Eine Werkschau hätte es werden sollen; am Ende jedoch gelang den acht Spielerinnen ein eindrucksvolles Stück, das zahlreiche emotionale und assoziative Räume im Zuschauer öffnete. Dies zeigte sich auch im angeregten Publikumsgespräch.

Die Leistung der jungen Schauspielerinnen war ergreifend und umso bewundernswerter, da sie sich das Stück parallel zu Schule und Abitur innerhalb eines Monats erarbeitet haben. Der Dank der Akteure galt auch dem Theater Lindenhof, das den Spielerinnen nicht nur einen Aufführungsort, sondern auch eine Heimat bot.

Es spielten: Valentina Beltrame, Naomi Binder, Elena Bock, Tatjana Hieber, Lisa Kern, Alicia Krink, Sarah Wild und Laura Winter. Die Leitung hatte Wolf Berger.

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