Wie man Flachs verarbeitet
Melchingen. Das Melchinger Dorfmuseum ist ein Kleinod. Am Wochenende nutzten viele Töpfermarktbesucher die Gelegenheit, um am Tag des offenen Denkmals das altehrwürdige Gebäude näher zu erkunden.
Das Haus, in dem das Melchinger Dorfmuseum untergebracht ist, wurde als Anwesen erstmals 1750 erwähnt. Erbauer des Hauses Unter den Linden war mutmaßlich Kaspar Maichle, der neben der Landwirtschaft eine Weberei betrieb.
Älteren Besuchern werden viele Gegenstände im Dorfmuseum vertraut vorkommen, etwa eine Metzgerwanne, wie man sie früher zu Hausschlachtung benutzte, eine Singer-Nähmaschine oder ein Waffeleisen für den Holzherd, ein Spätzlesdrucker, eine Wäschemangel, eine Säubermühle, blecherne Bettflaschen und leinene Bettbezüge.
In Bezug auf Leinen ist das Museum um eine Attraktion reicher. Ulrike Schäfer hat in den vergangenen Monaten recherchiert, welche Bedeutung der Flachsanbau im Dorf hatte und wie die Verarbeitung erfolgte. Die Leinenfasern werden aus dem Stengel der Flachspflanze gewonnen, die als Frucht- oder Faserpflanze angebaut wurde. Ulrike Schäfer hat in diesem Jahr erstmals Faserleinen ausgesät und vor kurzem geerntet. "Raufen" nennt man das Herausreißen der Pflanze, damit die Fasern lang bleiben. Nach dem Trocknen kommt das Brechen der Fasern, und in einem weiteren Arbeitsschritt folgt das Auskämmen. Zum Schluss werden die Flachsfasern zu Garn versponnen. Ulrike Schäfer ist zwischenzeitlich im Umgang mit dem Spinnrad gut vertraut. Sämtliche Arbeitsschritte erläuterte sie den interessierten Gästen vor dem Museumsgebäude.
Im Museum selbst führten Johann Ott und Martin Schmidt die Besucher durch die Räume und erläuterten allerlei Gerätschaften und Einrichtungsgegenstände. Auch ein alter Webstuhl, der neu restauriert ist, befindet sich im Museum. Der Melchinger Liederkranz betreut das Dorfmuseum seit einigen Jahren und wird dabei vom Kirchenchor unterstützt, dessen Mitglieder einmal jährlich einen Großputz machen.
Als Museumsimbiss wurden Most und Schmalzbrot angeboten. Ein besonderer Genuss war der "schwäbische Tequila", ein Obstler mit einer feinen Melchinger Schwarzwurst und einem Streifen Senf auf der anderen Hand.
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Autor: JÜRGEN FRÜH | 12.09.2011
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Wie man Flachsfasern zu Garn verspinnt, zeigte Ulrike Schäfer den Besuchern des Melchinger Dorfmuseums am Tag des offenen Denkmals. Foto: Jürgen Früh
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