Rechtsradikale Sprühereien in Burladingen

Unbekannte haben Nazi-Parolen auf Burladinger Mauern gesprüht, so auf die Wände des Polizeipostens und des Alb-Lichtspielkinos. Anlass war offenbar ein Film über die Nazi-Szene, der kürzlich im Kino lief.

MATTHIAS BADURA | 1 Meinung

Mehrere Burladinger Gebäude wurden in der Nacht von Montag auf Dienstag mit rechtsradikalen Parolen und Nazisymbolen besprüht, darunter das Rathaus, das Alblichtspielkino und der Polizeiposten. Da der "Verdacht einer politisch motivierten Straftat besteht", haben Kriminalbeamte der Polizeidirektion Rottweil, Abteilung Staatsschutz, die Ermittlungen aufgenommen.

Dass das Alb-Lichtspielkino besonders hart betroffen ist, dürfte im Zusammenhang mit einer Filmvorführung stehen, die dort vor Wochenfrist stattfand. Gezeigt wurde die Dokumentation "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis". Damals ließ sich kein Sympathisant der rechten Szene oder Fan der Rechtsrockszene, um die es in dem Streifen geht, am Kino sehen, obwohl man durchaus damit gerechnet hatte. Wie der anwesende Regisseur des Filmes, Peter Ohlendorf, sagte, komme es vor, dass sich rechte Diskutanten bei einer Aufführung Gehör verschaffen wollen. Warum auch nicht? Man lebe schließlich in einer Demokratie.

Die nächtlichen Schmierereien müssen als nachträgliche Reaktion, als Vergeltung gewertet werden, da der Bezug zu der Vorführung offenkundig ist: Die Eingangstüren des Kinos sind mit Hakenkreuzen verschmiert, und daneben prangt der Gruß: "Hasta la vista, Antifa", was so viel heißt wie: Bis zum Wiedersehen, Antifaschistische Bewegung. Zur Erklärung: Es war die antifaschistische Alboffensive, die den Film nach Burladingen holte. Weiter steht da "Verräter" zu lesen. Das aber bezieht Doris Schülzle, die Frau des Kinobetreibers Ludwig Schülzle, voll und ganz auf sich und ihren Mann. Die Burladingerin zeigt sich entsetzt und schockiert. Das einem so etwas passieren könne, nachdem man ein Leben lang das Kulturleben, die Vereine und die Jugend unterstützt habe, wo man nur konnte - sie ist fassungslos.

Schlimmer aber: Sie hat Angst. Der nächtliche Anschlag, "das war erst der Anfang", fürchtet sie. Sie habe, sagt sie, von Beginn an ein schlechtes Gefühl bei der Sache mit dem Film gehabt, aber ihr Mann habe die Bedenken tiefer gehängt.

Tatsächlich gibt "Blut muss fließen" lediglich Einblicke in eine Szene, die man ebenso leicht aus dem Internet gewinnen kann - oder live bei einem der dargestellten Konzerte. Schwerer, so hatte man gedacht, wiegt da eigentlich die dem Film unterlegte Anklage, dass es die rechte Szene ohne das Wegschauen und das stille Einverständnis einer konservativ-bürgerlichen Mitte gar nicht geben würde.

Der Sachschaden, der durch die Sprühereien angerichtet wurde, beläuft sich laut Polizei auf mehrere tausend Euro. Erkenntnisse auf die Täter lagen gestern nicht vor, die Ermittlungen, hieß es, dauern an. Es war nicht das erste Mal, dass in Burladingen Nazisymbole und rechtsradikale Parolen auf Wänden und Mauern auftauchten. Ob ein Zusammenhang besteht, sei momentan nicht zu sagen. Es könne sich, deutete ein Beamter an, bei dem jüngsten Vorfall prinzipiell auch um die Tat eines an sich unpolitischen Provokateurs oder eines Trittbrettfahrers handeln. Freilich auch nicht ausgeschlossen, dass Burladingen ein echtes "Naziproblem" habe.

Info Zeugenhinweise nimmt die

Polizei unter den Telefonnummern 07475/95001-0 oder 07471/9880-0 entgegen.

1 Kommentar

01.05.2015 15:33 Uhr

Film über den Hitler - Attentäter Elser abgesetzt

Das ist nun wirklich nicht zu glauben. Die Burladinger Öffentlichkeit lässt es tatsächlich zu, dass - ähnlich wie im Osten Deutschlands - auch hier demokratiefreie Zonen entstehen? Ja, schämen sich der Bürgermeister, der Gemeinderat und die Leute vom Polizeiposten eigentlich gar nicht? Keine Wannen vor dem Kino, um die Besucher und den Betreiber vor diesen Kriminellen zu schützen? Wer relativiert auch hier schon wieder und lässt die "na, ja - sind doch irgendwie auch unsere Jungs, da wollen wir mal nicht so ...." gewähren? Bestimmt wird hinterher ermittelt. Der Untersuchungsausschuss lässt grüßen! Das Vertrauen in den Staat und die Demokratie sind leider schon im Orkus.

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