Alboffensive nimmt Ebert aufs Korn

Die antifaschistische Alboffensive übt harte Kritik an Harry Eberts Reaktion auf die rechtsradikalen Umtriebe in Burladingen. Der Bürgermeister lasse Betroffene rechter Gewalt schmählich im Stich.

SWP |

Die antifaschistische Kampagne "Alboffensive - kein brauner Alb(t)raum" hatte den Regisseur Peter Ohlendorf und seine neonazikritische Dokumentation "Blut muss fließen" in die Burladinger Alblichtspiele geholt. Wenig später war das Kino zur Zielscheibe rechtsradikaler Schmierer geworden. Ein bundesweites Medienecho war die Folge.

Moritz Elser, Sprecher der Alboffensive, nimmt jetzt das Verhalten von Bürgermeister Harry Ebert aufs Korn, der "durch dröhnendes Schweigen" auf sich aufmerksam gemacht habe. "Anstatt sich öffentlich mit dem Kinobesitzer-Ehepaar zu solidarisieren, schwieg er", schreibt Elser und verweist darauf, dass "diese Ignoranz Eberts leider kein Einzelfall ist". Vielmehr werde im Rückblick "deutlich ein roter Faden erkennbar". Der Sprecher der Alboffensive erinnert daran, dass Ebert der IG Metall 2007 einen städtischen Raum für eine Anti-Rechts-Veranstaltung verweigerte und dass er 2012 eine Feierstunde an der Grabstätte der Burladinger Sinti-Familie Reinhardt schwänzte, obwohl der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, nach Burladingen kam.

Elser kommentiert Eberts Verhalten: "Nichtstun hat noch nie gegen Neonazis geholfen! Probleme können schlecht weg ignoriert werden. Damit lässt Ebert Betroffene rechter Gewalt schmählich im Stich und geht mit schlechtem Beispiel voran."

"Ignoranz und Wegsehen", so betont Elser weiter, "helfen nicht gegen braune Umtriebe." Elser bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den renommierten Wissenschaftler Dr. Seddik Bibouche, der 2009 für die Alboffensive und den Kreisjugendring die Ergebnisse der Regionalstudie "Rechtsextremismus und sein Umfeld" vorstellte. Bibouche war zu diesem Zeitpunkt Mitglied der Tübinger Forschungsgruppe für Migration, Integration, Jugend und Verbände. Diese hatte den Rechtsextremismus im Rems-Murr-Kreis erforscht und war zu dem Ergebnis gekommen: "Die Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass nicht die Existenz rechtsextremer Gruppen das eigentliche Problem darstellt, sondern eine politische Kultur, die eine Akzeptanz gegenüber dem Rechtsextremismus entwickelt."

Moritz Elser dazu: "Ob Harry Ebert mit seiner ignoranten und erschreckend unsensiblen Haltung die Bevölkerung der ganzen Stadt Burladingen vertritt, ist fraglich. Wir begrüßen als Alboffensive ausdrücklich die Solidarität der verschiedenen Burladinger Vereine mit dem Kinobesitzer-Ehepaar und würden uns wünschen, wenn daraus etwas Längerfristigeres erwachsen würde. Demokratie sollte sich nicht nur in der Wahl von Repräsentant/inn/en und dem blinden Vertrauen in Kommunalpolitik und Behörden erschöpfen."

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