30 Jahre Naturschutzgebiet Kornbühl

Inzwischen ist es 30 Jahre her, dass der Salmendinger Kornbühl unter Naturschutz gestellt wurde. Nicht jedermann ist mit der Situation zufrieden.

ARNOLD STRAUBINGER |

Die monatliche Wanderung der Seniorengruppe des Schwäbischen Albvereins Salmendingen führte im Mai in das Naturschutzgebiet Kornbühl. Dazu hatte Wanderführer Alois Willburger den Orchideenspezialisten Hans Leyhr aus Kohlstetten gewonnen.

Hans Leyhr wies auf Pflanzen hin, an denen der Laie sonst unbeachtet vorüber geht - nicht weil er sie nicht schätzt, sondern weil ihm der geübte Blick fehlt. Leyhr fand sogar eine "Riemenzunge", die allerdings von den Schafen zertreten war, so dass nur ein Stängel übrig blieb. Auch der gelbe Enzian war bereits von den Schafen in Mitleidenschaft gezogen worden.

Alois Willburger, der das Gebiet wie seine Westentasche kennt, stellte dazu fest, dass hinsichtlich des früheren Bewuchses an Bäumen und Sträuchern sichtbare Veränderungen festzustellen seien. "Beide stehen heute in einem ausgeglichenen Verhältnis zu einander." Die Entwicklung der Bodenflora könne aus Sicht von Fachleuten nicht befriedigen. "Die Pflanzenvielfalt ist eher zurückgegangen."

An ihre Stelle, so Willburger, seien die stark aufgekommenen, giftigen Wolfsmilchgewächse und nährstoffwertlose Gräser getreten. Etwa die Fiederzwenke: "Beide überleben die oft zu früh angesetzte Schafsbeweidung und wurden dadurch regelrecht herausselektiert." Kein Quadratmeter am Kornbühl ist ohne Wolfsmilchgewächs, klagte der Wanderführer. "Mit oft über sechzig Einzelpflanzen pro Quadratmeter bilden sie ganze Teppiche. Durch die dieses Jahr besonders frühe Beweidung sind die sonstigen Blütenpflanzen schon abgefressen, so dass die Wolfsmilch das Feld allein beherrscht."

Bei der jüngsten pflanzenkundlichen Seniorenwanderung im Mai fand die Gruppe also von den spärlich vorkommenden Orchideen und Enziane viele abgerissen vor. Besonders schmerzlich erschien auch Willburger der zertretende Standort der äußerst seltenen "Riemenzunge" - zumal sie am Kornbühl als verschollen galt und heuer erstmals wieder gesichtet wurde.

"Überhaupt muss man sich fragen, aus welchem Grund lässt man der dortigen Fauna aus Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten in ihrer wichtigsten Entwicklungszeit ihre Nahrungsquelle quasi vor der Nase wegfressen? Hier wird doch der Schutzzweck zur Farce gemacht, wenn im eigentlichen Schutzraum die Erhaltung gerade gefährdeter Arten von Flora und Fauna nicht garantiert ist", beschwerte sich Willburger. In dem Zusammenhang erinnerte er an den Naturschutzverein Ignunk, dieser habe schon vor Jahren bemängelt: "Wo vor der Blütezeit gemäht wird, verschwinden nach und nach die Arten auf den heimischen Wiesen - und mit ihnen die Insekten und Vögel".

Im FFH-Gebiet um den Kornbühl und das Woogtal sei bereits einigen Pflanzenarten und Biotoptypen der Garaus gemacht worden.

Es war dies eine eher nachdenklich stimmende Bilanz. Dennoch ging man nicht auseinander, ohne eingekehrt zu sein. Nach der pflanzenkundlichen Exkursion lockte die Köbelehütte zu einem gemütlichen Beisammensein. Mit einem neuen Liederheft ausgestattet wurde noch kräftig gesungen, so dass die Wanderung einen gemütlichen Abschluss fand.

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