Zauberhafte Früchtchen

Der Winter war hart, vor einigen Wochen noch gab es Bodenfrost - doch jetzt locken sie wieder: süße Erdbeeren direkt vom Feld, gerne auch zum Selbstpflücken. Frischer geht es nicht.

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Dem Legionär Gaius Octopus werden im Asterix-Band Nummer eins Freikarten für den Zirkus versprochen, weil es ihm gelungen war, zur kalten Jahreszeit ein Schälchen Erdbeeren aufzutreiben, das der Druide Miraculis angeblich für das Brauen seines Zaubertrankes benötigte.

Das ist natürlich geflunkert. Nein, nicht das mit dem Zaubetrank, den könnte es vielleicht im alten Gallien gegeben haben. Aber Erdbeeren in der Form, wie man sie heute kennt, existierten damals noch nicht. Die Gartenerdbeere, die aus früheren, kleineren Sorten veredelt wurde, wächst erst seit dem 18. Jahrhundert auf den Feldern dieser Welt (vorzugsweise auf der Nordhalbkugel). Sagt zumindest das Lexikon.

Weiter sagt das Lexikon, dass es sich um ein Rosengewächs handelt und die Erdbeere im Grunde keine Beere ist, sondern botanisch gesprochen zu den "Sammelnussfrüchten" zählt. Wer-wird-Millionär-Kandidaten sollten sich das merken. Wenn je die Frage an sie herantritt: Handelt es sich bei der Erdbeere a) um eine Beere, b) um eine Apfelsorte, c) um eine Birnensorte d) um eine Nuss? - dann sind sie mit der Sammelnussfrucht auf der sicheren Seite.

Botanik dürfte derzeit auf den Erdbeerfeldern im Lande ein eher nachrangiges Thema darstellen. Zu allererst geht es sicher darum, wie himmlisch die Früchte schmecken: Frisch und nach Sommer! Und gerade dann schmecken sie noch einmal so gut, wenn man sie selber pflückt, wie das etwa in Grosselfingen bei Sibylle und Christian Karsch möglich ist. Oder in Dusslingen auf der Erdbeerplantage Schilling.

In zweiter Linie geht es dann vielleicht darum, was man aus den Beeren - pardon, Sammelnussfrüchten - machen kann. Mann kann sie zu Marmelade verkochen oder einlegen, sie auf einen Kuchen tun oder zu Eis verarbeiten. Das allerbeste aber ist, sie sich sofort in den Mund zu schieben, wenn sie vollreif und saftig sind.

Sibylle Karsch in Grosselfingen ist mit dem diesjährigen Ertrag hoch zu frieden: Kälte im Frühjahr konnte ihren Erzeugnissen nichts anhaben und die Feuchtigkeit hat ihnen eher gut getan. Anders als in der vergangenen Saison. Zu Nass wars und dann hatte man auch noch mit Insektenbefall zu kämpfen. Die Krabbler wissen nämlich auch was gut ist. Dieses Mal, wie gesagt, hat alles gepasst. Die Sträucher hängen voll, übervoll sogar. Möglicherweise wird man sie gar nicht komplett abernten können.

Täglich kommen jetzt Besucher aufs Feld von Sibylle Karsch. Rund fünf Wochen, schätzt die Landwirtin, werde die Saison anhalten. Dann ist es mit der Köstlichkeit vorbei.

Wer selbst pflückt, muss zuweilen noch eine Sondersteuer entrichten, die geht jedoch nicht an die Landwirte, sondern an eine Elster, die in der Nähe der Felder lebt. Das Tier ist zahm, äußerst zutraulich und liebt Erdbeeren seinerseits. Manchmal wartet es jedoch nicht ab, bis es von Pflückern eine geschenkt bekommt, sondern stibitzt sie aus den Körben, wenn die unbeaufsichtigt sind.

Manche Besucher fürchten sich, Sibylle Karsch zufolge, vor dem frechen Vogel. Doch die Landwirtin versichert, das Tier habe bisher niemandem etwas zu Leide getan. Manche Pflücker sind hingegen regelrecht begeistert, wenn die Elster auftaucht.

Vor allem für Kinder ist das eine große Sache. Aber auch ohne den Flattermann leuchten die Augen der kleinen Besucher regelmäßig, wenn sie die Beete sehen, all die vielen knallroten, leckeren Früchte - paradiesisch.

Und was wurde aus den Erdbeeren des Gaius Octopus? Asterix und Miraculix, die beiden Helden der Geschichte, konnten nicht widerstehen und haben sie auf einen Rutsch aufgegessen. Ihren römischen Gegenspielern, die am Rande der Verzweiflung entlang schwankten, erklärten sie anschließend, im Grunde brauche man die Früchte gar nicht, um Zaubertrank zu brauen, sie würden lediglich zur geschmacklichen Verfeinerung benötigt. Muss ja ein tolles Gebräu gewesen sein!

Wer Erdbeeren mag, der sollte sich jetzt sputen. Ruckzuck ist die Erntezeit vorbei. Denen, die zu spät dran sind, geht es dann möglicherweise doch noch, wie dem Gaius Octopus. Er oder sie muss lange laufen und am Schluss einen überteuerten Preis bezahlen, wenn er noch welche bekommen will.

Daher, jetzt zuschlagen. Mmmmh, lecker.

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