Tafeln und diskutieren wie einst im Hause Luther

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  • Akteure und emsige Helfer hatten sich monatelang auf das große Tafeln im Hause Luther (in dem Fall der Festhalle Thanheim) vorbereitet. 1/2
    Akteure und emsige Helfer hatten sich monatelang auf das große Tafeln im Hause Luther (in dem Fall der Festhalle Thanheim) vorbereitet. Foto: 
  • Serviert wurde bei der geselligen Tafelrunde Deftiges, und dafür wurden Rezepte aus der Zeit Luthers nachgekocht. Ebenso deftig fiel manch historisch verbriefter Wortwechsel aus. 2/2
    Serviert wurde bei der geselligen Tafelrunde Deftiges, und dafür wurden Rezepte aus der Zeit Luthers nachgekocht. Ebenso deftig fiel manch historisch verbriefter Wortwechsel aus. Foto: 
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Lauschen, plauschen, schmausen und trinken – ganz nach mittelalterlicher Art. Anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation hatte die Evangelische Kirchengemeinde Bisingen zu einer musikalischen Schlemmerreise ins späte Mittelalter und die Zeit der Reformation geladen.

An langen, festliche geschmückten Tafeln in der Thanheimer Festhalle saßen rund 120 Gäste von Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora. Mit von der Partie waren Luthers Zeit- und Weggenossen Johannes Brenz aus Weil der Stadt sowie Philipp Melanchthon aus Bretten. Auch ein Magister und ein Scholar waren zur Tafel gebeten worden.

Heitere Stimmung

Doch was kam vor 500 Jahren bei dem berühmten Reformator eigentlich auf den Tisch? Damals kannte man beispielsweise noch keine Paprika oder Tomaten, und auch die Kartoffel war noch nicht bekannt. Als Beilage gab es deshalb meist Kohl und Hülsenfrüchte und vor allem Brot. Aufs Sorgfältigste hatten etwa 20 emsige Helfer in alten Kochbüchern nachgeforscht um den Gästen „allerley Speis nach Rezepten Katharinas“ von Bora zu servieren: Begleitet von einer breit gefächerten Getränkeauswahl umfasste die reichhaltige Menüfolge Gemüsesuppe, gebratene Heringe, Schweine- und Rinderbraten und verschiedene Kohlgerichte, Brote und eine leckere Apfelspeise als Nachtisch.

Die Stimmung am Tische Luthers war gelöst. Angeregt durch ein zeitlich eingepasstes musikalisches Intermezzo mit Harfe (Atsuko Kleinmann) und Gesang (Reinhild Holder), disputierten die gelehrten Herren und Damen über die Themen ihrer Zeit. Melanchthon (Hans-Paul Fischer), der eigentlich Schwarzerdt hieß und dafür von Luther geneckt wurde, galt schon zu Lebzeiten als Praeceptor Germaniae, als Lehrer Deutschlands. Er betonte immer wieder die große Bedeutung der Bildung.

In die Rolle des Reformators Johannes Brenz, der im Auftrag des Herzogs Christoph die württembergische Kirche neu struk-turierte und sich dafür einsetzte, dass Jungen und Mädchen Schulbildung erhalten sollten, war Heinz Marquart geschlüpft. Brenz, Anhänger Luthers, sah sich als schwäbischer, volksnaher Botschafter einer lebensfrohen Speisementalität. Ramona Poppe mimte hingegen einen Scholaren aus dem Killertal, der sich später als Scholarin entpuppte. Pfarrer Ulrich Günter gab den Magister Heinrich, der den Scholaren mitgebracht hatte und die Bildung für Frauen verteidigte.

Ein kleines Tänzchen

Martin Luther selbst fand schließlich in der Person von Andreas Fiedler eine Verkörperung, die durchaus auch dessen kantige Positionen vertrat. Denn während sich Luther mit Frauen in der Öffentlichkeit und in der Bildung schwertat, bekam er heftig Contra von Katharina, alias Gudrun Ehmann, die die Frauen am Tisch verteidigte. „Ich staune über meine Käthe“, sagte der Reformator augenzwinkernd. Und sie entgegnete ihm forsch: „Meinst du, mit dir ist es immer leicht zu leben?“ Worauf Luther seufzend antwortete: „Die Erfahrung macht den Theologen.“

Luthers Tischreden sind legendär. Sie sind eine reichhaltige Quelle für theologische Dispute, für Volkswitz und Volksweisheit,  deftige Sprüche. Doch das Zitat „warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmecket?“ soll ihm – wenngleich wohl passend zu den Tischmanieren jener Zeit – erst im 18. Jahrhundert in den Mund gelegt worden sein.

Ein kleines Tänzchen von Frau und Herrn Luther, musikalisch wiederum begleitet von Atsuko Kleinmann, perfektionierte und beendete die treffliche Tafelrunde. Die mit viel Beifall bedachten Tischgespräche zwischen den historisch gewandeten Gelehrten des 16. Jahrhunderts stammen (von Andreas Fiedler leicht modifiziert) aus der Feder des Schuldekans Andreas Hinz.

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