Kein Gegenwind aus Grosselfingen

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  • Die Gemeinde Grosselfingen vor einer monströs anmutenden Galerie an Windrädern. Dieses Szenario malt die Bürgerinitiative GegenWind Hohenzollern in einer Visualisierung eines möglichen Windparks „Hohwacht“. Der Grosselfinger Gemeinderat zeigt sich einstweilen unbeeindruckt. 1/2
    Die Gemeinde Grosselfingen vor einer monströs anmutenden Galerie an Windrädern. Dieses Szenario malt die Bürgerinitiative GegenWind Hohenzollern in einer Visualisierung eines möglichen Windparks „Hohwacht“. Der Grosselfinger Gemeinderat zeigt sich einstweilen unbeeindruckt. Foto: 
  • Gedränge im Grosselfinger Sitzungssaal: Zahlreiche Bürger, auch aus Rangendingen und Haigerloch, wollten hören, wie sich der Grosselfinger Gemeinderat zum Thema Windkraft stellt. Mitreden durften sie zu ihrer Enttäuschung nicht. 2/2
    Gedränge im Grosselfinger Sitzungssaal: Zahlreiche Bürger, auch aus Rangendingen und Haigerloch, wollten hören, wie sich der Grosselfinger Gemeinderat zum Thema Windkraft stellt. Mitreden durften sie zu ihrer Enttäuschung nicht. Foto: 
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Rekordverdächtig war die Zuhörerzahl am Dienstagabend in der Grosselfinger Gemeinderatssitzung. Der Grund: das Thema Windkraft auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung. Nicht nur Grosselfinger Bürger wollten wissen, wie sich ihr Gemeinderat in der Debatte positioniert, sondern auch Einwohner der gleichfalls betroffenen Nachbarkommunen Rangendingen und Haigerloch – und zahlreiche Aktivisten der regionalen Bürgerinitiative GegenWind Hohenzollern.

Mitreden durften sie freilich nicht, schließlich handelte es sich um keine Bürgerversammlung – was nicht wenige enttäuscht von dannen ziehen ließ. Und auch der Beschluss des Gremiums erfüllte nicht eben die Erwartungen der Windkraft-Kritiker. Der Gemeinderat folgte nämlich in seltener Einmütigkeit dem Vorschlag von Bürgermeister Franz Josef Möller, „derzeit keine Anregungen und Bedenken zum Teilregionalplan vorzubringen“.

„Jetzt schon dagegen zu sein, halte ich für falsch“, begründete Rudi Senner das zustimmende Votum der Freien Wähler. Schließlich könne das Verfahren des Regionalverbandes dazu beitragen, „Wildwuchs“ von Windrädern auf der gesamten Gemarkung von Rangendingen, Grosselfingen und Haigerloch zu verhindern. Der Grosselfinger Gemeinderat, so Senner, habe sich über dieses Thema „schon früh Gedanken gemacht“ und „immer offen diskutiert“. Den „Vorwurf der Geheimniskrämerei“ könne man deshalb nicht stehen lassen. Die jetzige Zustimmung bedeute freilich nicht, „dass in dem ganzen Verfahren nicht noch etwas passieren kann“.

Genau so sah es auch Thomas Haug für die „Bürger für Grosselfingen“. Er schließe sich dem Kollegen Senner an, „was nicht oft vorkommt“. Es sei ein langes Verfahren und es sei klar: „Wenn irgendetwas dagegen spricht, werden die Windräder nicht kommen.“ Für die Grosselfinger sei es jedoch wichtig, sich jederzeit „an Recht und Gesetz“ zu halten.

Der Einzige, der aus dem Publikum einen Einwand vorbringen durfte, war der stellvertretenden Haigerlocher Bürgermeister Walter Stocker. Er trug das Anliegen vor, dass sich auch die Gemeinde Grosselfingen an der Artenschutzprüfung beteiligen möge, die die Stadt Haigerloch und die Gemeinde Rangendingen (über die Hechinger Verwaltungsgemeinschaft) in Auftrag gegeben haben. „Um Wildwuchs zu verhindern“, mahnte Stocker, reiche es nicht aus, dass der Regionalverband ein Vorranggebiet für Windkraft ausweise. Dazu sei es auch nötig, dass die Gemeinden einen Flächennutzungsplan aufstellten. Und dafür brauche es „zwingend eine artenschutzrechtliche Prüfung“. Gegenüber der HZ fügte Stocker hinzu, es sei doch Unsinn, Investoren Hoffnungen zu machen, so lange nicht die vielen Brutnester des Rotmilans und anderer bedrohter Arten identifiziert seien, die der Ausweisung eines Windkraftgebietes im Wege stünden.

Bürgermeister Möller und Rudi Senner wollten auf diesen Zug der Nachbargemeinden indes nicht aufspringen. Das Grosselfinger Flächennutzungsplanverfahren, so Möller, ruhe und solle erst wieder aufgenommen werden, wenn der Teilregionalplan stehe.

Das Bild einer Gemeinde, die alternativen Energien seit vielen Jahren offen gegenübersteht, zeichnete Bürgermeister Franz Josef Möller in seinem Eingangsstatement. Er erinnerte daran, dass Grosselfingen eines der ersten Bioenergiedörfer in Baden-Württemberg ist. Im Gewerbegebiet habe man eine 1,6 Hektar große Photovoltaikanlage ermöglicht, die 200 Haushalte mit Strom versorgt. Auch viele Privathaushalte erzeugten Solarstrom, Solarwärme oder nutzten Erdwärme. Außerdem habe die Gemeinde sehr früh eine Biogasanlage ermöglicht, die 150 Häuser und viele öffentliche Einrichtungen mit Wärme versorge.

Auch für Windkraft sei der Gemeinderat zunächst sehr offen gewesen. Grundsätze des Gemeinderates seien, dass „kein Wildwuchs“ entstehen dürfe, sondern dass Windkraftstandorte in einem geordneten Verfahren – wie dem des Regionalverbandes – entwickelt werden müssten. Ein Grundsatz sei auch, Windräder wenn dann möglichst auf öffentlichen Flächen zu ermöglichen, „um Neiddebatten zu vermeiden“. Außerdem sollten Windenergieanlagen möglichst mit lokalen Partnern, wie den Stadtwerken der Kreisstädte oder der EnBW, verwirklicht werden.

Verträge, so betonte Möller, habe Grosselfingen „im Gegensatz zu einer anderen Gemeinde“ noch keine geschlossen. Wenn man Verträge schließe, dann nur mit Bürgerbeteiligung „in nicht unerheblichem Maße“ (gedacht sei an ein Viertel), sodass alle Einwohner im Zollernalbkreis sich beteiligen könnten.

„Wir stehen zur Partnerschaft mit Rangendingen und Haigerloch“, betonte Franz Josef Möller in diesem Zusammenhang. In eine öffentliche Diskussion aller Beteiligter wolle die Gemeinde Grosselfingen jedoch erst einsteigen, wenn das Regionalplanwerk
vorliege. hy

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