Josefa Schell war die Dame vom Amt

Kürzlich ist in Bisingen das letzte Telefonhäuschen abgebaut worden. Der Betrieb lohnte sich für die Telekom nicht mehr. Ältere Bisinger erinnern sich noch an die Anfänge des Telefons.

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Die Bisingerin Josefa Schell (r.) war in den 20er Jahren in den Postämtern Hechingen und Bisingen tätig. Repro: Jörg Wahl

In Hechingen gab es 1897 schon 20 Fernsprechteilnehmer und 1906 70 Telefonanschlüsse. Im Jahr 1927 entstand eine Ortsvermittlungsstelle mit Wählbetrieb und 400 Anschlussmöglichkeiten.

Die ersten Teilnehmer in Bisingen wurden um die Jahrhundertwende per Hand vom Postamt Bisingen vermittelt. Josefa Schell war in den 1920er Jahren dort tätig. Sie wusste bis ins hohe Alter die ersten Telefonnummern noch auswendig: Ruf-Nummer 1 Bahnhof, 2 Firma Maute, 3 Gasthaus Gfrörer (Hohenzollern), 4 Firma Keller, 8 Firma Gossard, 13 Dr. Valentin Maier, 18 Gasthaus Waldhorn, 21 Hugo Schwabenthan (Vermieter der Räume für die Vermittlungsstelle), 34 Gasthaus Sonne. Anfang der 1930er-Jahre hatte Bisingen rund 40 Anschlüsse.

1931 beantragte die Firma Maute die Einrichtung einer Vermittlungsstelle mit Selbstanschlussbetrieb. Bis dahin konnten Telefongespräche nur während der Dienstzeiten des Postamts geführt werden. Der Selbstanschlussbetrieb ermöglichte die Telefonnutzung auch zu anderen Zeiten. Die Post war bereit, den Selbstanschlussbetrieb einzurichten, wenn jeder Fernsprechteilnehmer 100 Reichsmark zahlte. Das neue Wählamt ging am 20. Dezember 1938 in Betrieb.

Bis in die 1930er Jahre war die Oberpostdirektion in Konstanz für den Telefonverkehr zuständig, danach Karlsruhe. 1940 wurde Hohenzollern dem Bereich der Reichspostdirektion Stuttgart zugeordnet. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1940 wurden die Vermittlungsstellen Hechingen, Trochtelfingen, Melchingen, Jungingen, Burladingen, Bisingen, Haigerloch, Empfingen, Dettingen sowie Beuron dem Bezirk des Technischen Bauamts Tübingen zugeteilt.

Bei Kriegsende 1945 kappten französische Truppen die Fernmeldekabel. In mühevoller Kleinarbeit mussten sie wieder zusammengelötet werden.

1953 wurde die Vermittlungsstelle Bisingen um 50 Anschlussmöglichkeiten erweitert. In der Geisenbachstraße ging 1956 eine neue Vermittlungsstelle in Betrieb. Der Neubau kostete 103 000 Mark. Bisingen hatte damals 152 Fernsprechteilnehmer. Brigitte Kleinmann betreute die Vermittlungsstelle. Die Firma Maute stellte am 13. Dezember 1960 den ersten Fernschreiber auf.

1974 waren bereits 1000 Teilnehmer angeschlossen und fünf Jahre später 1700. 1975 erwarb die Post ein neues Grundstück und begann drei Jahre später mit dem Neubau. Die Vermittlungsstelle hatte Kapazitäten für maximal 4050 Fernsprechteilnehmer und 1700 Hauptanschlüsse. Die Firma DeTeWe baute 1979 die technischen Einrichtungen im neuen Typenhaus.

Interessant ist, dass im Lebensmittelladen Schweikert in der Hohenlaienstraße in den 1950er Jahren ein Telefonanschluss bestand, der bei Bedarf von der ganzen Siedlung genutzt wurde.

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