Baustellen gibt es in Bisingen genügend

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Es gibt viel zu tun: Bisingens Bürgermeister und die Rathausmitarbeiter präsentierten sich beim Rathaussturm am Schmotzigen nicht ohne Grund als Bauarbeiter. Im Rathaus mangelt an Büros, Improvisationstalent ist gefragt.  Foto: 

In Bisingen hat es schöne Tradition, dass zum Haushaltsplan, der ohnehin von allen gemeinsam beraten und im Rahmen einer Klausurtagung aufgestellt wurde, lediglich eine Haushaltsrede im Namen aller gehalten wird. Im siebten Jahr übernahm dies in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend Gisela Birr (SPD). Und wie immer musste auch sie feststellen: Haushaltspläne seien nun mal naturgemäß Kompromisse, angesiedelt zwischen Wünschenswertem und Machbarem.

Erst einmal zu den äußeren Rahmenbedingungen. Denn dort profitiert Bisingen davon, dass die Wirtschaft rund läuft. Doch auch wenn es diese für die Gemeinde erfreuliche Mehreinnahmen gibt, so verschwinden diese wieder, wie Birr beklagte, „in den steigenden Verwaltungsaufgaben oder in der ständig wachsenden Spirale der Bauauflagen“.

Erst einmal keine neuen Kredite

Dass Bisingen Geld brauche, sei ja gar keine Frage, „stehen doch ein immenser Sanierungsstau und große Investitionen an“.

Denn was gibt es noch alles zu erledigen?

Das Schulzentrum ist, trotz Millionen Euro an Investitionen in den vergangenen Jahren, immer noch nicht fertig. Zur Schule, erinnerte Birr, gehöre übrigens auch das Schulsportstadion. Und weiß: „Billig wird das sicher nicht.“

Die Kita in Thanheim wurde gerade saniert, die Humboldt-Kita müsste. Die Gutenberg-Kita bräuchte einen Anbau.

Auch wenn es nicht so ins Auge springt: Ein Teil der Klärtechnik muss erneuert, die Nachnutzung der Wessinger Klärteiche umgesetzt werden. Bauhoffahrzeuge kosten Geld.

Die größte Investition 2017 und in den Jahren darauf ist aber die Sanierung des Bisinger Feuerwehrhauses. Darüber wurde ja schon in der Sitzung zuvor heftig diskutiert. Die Maßnahme an sich ist unstrittig, die Kostensteigerung um 1 Million Euro auf 3,5 Millionen Euro aber macht die Gemeinderäte nicht gerade glücklich. Birr stellt klar: „Mit über 3,5 Millionen Euro ist es schon eher ein Neubau und nicht nur Sanierung. Das ist eine schwere Kröte, die wir hier schlucken müssen und wir können nur hoffen, dass es belastbare Zahlen sind und es nicht zu weiteren Kostenexplosionen kommt.“ Zumal ja jetzt noch das DRK eine neue Bleibe brauche.

Saniert werden muss auch woanders: Viele, gerade der „historischen“ Straßen in Bisingen sind marode, was genauso für die Wasser- und Abwasserleitungen unten drunter gilt. Der Gemeinderat hat die Investitionssumme für dieses Jahr noch einmal auf 450 000 Euro erhöht, „aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Birr: „Es wäre eine Überlegung wert, ob wir nicht die Niedrigzinsphase ausnützen und noch einmal Kredite aufnehmen und mehr in die Gemeindestraßen stecken... Manche Straßen erinnern mich an rumänische Verhältnisse während einer Reise, sie sehen nicht viel besser aus. Hier sinnvoll zu investieren, kann auch sparen bedeuten.“

Das Maute-Areal bleibt ein Dorn im Auge. Erschließungsmaßnahmen sind in Wessingen (Im Höfle) und Thanheim vorgesehen. Im Rathaus mangelt es an Räumen. Das Bisinger Industriegebiet „Nord“ soll erweitert werden; dafür müssen Grundstücke gekauft werden.

Dringend, so Birr, würden zudem bezahlbare Wohnungen für Familien gebraucht. So erfreulich es sei, wenn Bauanfragen für Mehrfamilienhäuser eingehen, der Bau müsse aber ins Ortsbild passen.

Es blieben, so Birr abschließend, durchaus Defizite und Wünsche, die auch in diesem Jahr nicht erfüllt werden können. An einem immerhin halte Bisingen fest: Bücherei, Vereine und Jugendarbeit werden unterstützt.

Der Bisinger Haushaltsplan 2017 wurde verabschiedet.

Stellte Bisingen 2016 schon einen Rekordhaushalt auf, so wird dieser in diesem Jahr noch einmal getoppt. Der Haushalt 2017 wird mit 27,16 Millionen Euro festgesetzt, davon entfallen 22,66 Millionen Euro auf den Verwaltungs-, 4,49 Millionen Euro auf den Vermögenshaushalt. Für den Eigenbetrieb Verkehrs- und Versorgungsbetriebe (Wasserhaushalt) sind 2 558 300 Euro angesetzt. Alles zusammen gerechnet, liegt das Haushaltsvolumen damit bei knapp 30 Millionen Euro.

Immerhin: Der Bisinger Haushalt kommt ohne neue Kredite aus.

Der Schuldenstand aber, auch wenn er kontinuierlich abgebaut wird, ist mit 13,4 Millionen Euro und einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1440 Euro immer noch äußerst hoch und liegt weit über dem Mittelwert im Regierungsbezirk Tübingen (873 Euro). Was leider mit sich bringt: Allein 17 Prozent des Vermögenshaushaltes sind für Tilgung der Kredite vorgesehen. Was man damit alles machen könnte.

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