Fundkatzen in Grosselfingen: Ausgesetzt und unterernährt

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    Auf dem Weg zum Tierarzt entstand diese Aufnahme von zwei der fünf Grosselfinger Fundkatzen. Foto: 
  • Nur noch 1,9 Kilogramm brachte diese Katze auf die Waage. 2/3
    Nur noch 1,9 Kilogramm brachte diese Katze auf die Waage. Foto: 
  • Dieser Kater wurde mit einer verletzten Pfote aufgenommen. 3/3
    Dieser Kater wurde mit einer verletzten Pfote aufgenommen. Foto: 
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Bald sind wieder Ferien – schlechte Zeiten für so manches Tier. Die Anrufe bei der Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen wegen angeblicher Allergie auf das Haustier oder angeblicher Unverträglichkeit mit dem Kind nehmen wieder stark zu. In der Regel entlarvt sich der  Anrufer dadurch, wenn es heißt: Ja, aber bis Datum soundso muss das Tier versorgt sein, da fahre ich in den Urlaub!

Manches Tier soll einfach nur weg, da es nicht mehr „passt“, der neue Lebensgefährte keine Tiere mag… Da ist aber auch der Hund, der einst als Geschenk vom ehemaligen Freund nicht mehr in die Lebensplanung passte, innerhalb der Familie weitergereicht wurde und nun dringend ein neues Zuhause oder zumindest einen Pflegeplatz sucht.

Da gibt es außerdem Katzen, die nach zwei Jahren in der Familie wegen Allergie der Mutter plötzlich nicht mehr gehalten werden können und nun noch schnell vor den Ferien dem Tierschutz übergeben werden sollen. Und da finden sich offenbar ausgesetzte Tiere, die völlig abgemagert aufgegriffen werden und deren tierärztliche Behandlung, um sie wieder fit zu bekommen, viel Geld verschlingt – zusätzlich zum normalen Futter oder Spezialfutter für unterernährte oder kranke Tiere.

Ausgesetzte Tiere haben es besonders schwer, da sie nicht nur die Sicherheit eines Zuhauses verlieren, sondern meist gar nicht in der Lage sind, sich selbst ausreichend mit Futter zu versorgen. Schließlich sind sie dann meist voller Parasiten, die den Organismus noch weiter belasten und haben häufig Verletzungen, die aus Kämpfen mit den vierbeinigen „Revierinhabern“ resultieren.

Beispiel Grosselfingen: Dort wurde eine größere Ansammlung erwachsener Katzen gesichtet – zwei Langhaar und drei Kurzhaar, die deutlich unterernährt waren und einen schlechten Allgemeinzustand aufwiesen. Die Tierarztkosten für diese Fundkatzen hat der Freundeskreis Katze-Mensch übernommen.

Die Katzen sind zahm, also keine zugewanderten verwilderten Hauskatzen. Es wurde nachgeforscht, es gab keine neu Zugezogenen, die Katzen mitgebracht haben, aber auch keinen Wegzug, wo die Katzen zurück gelassen worden sind, es gab keinen Todesfall, wo sie eventuell ungeliebtes Erbe waren.

Nach dem Aufgreifen der ersten fünf Katzen stellte sich heraus, dass eine der ausgewachsenen Langhaarkatzen nur noch 1,9 Kilogramm wog, aber auch die Kater mit unter drei Kilogramm unterernährt waren. Man sah es an den Köpfen und Pfoten, die zu groß für die schmalen Körper erschienen; man merkte es daran, dass die Katzen sich am liebsten die Bäuche vollgehauen hätten, sich aber bei zu großen Futtermengen daran erbrechen, weil sie das Fressen gar nicht mehr gewöhnt sind. So müssen sie nun in Abständen mit speziellem Futter wieder aufgepäppelt werden.

Diese Katzen sind völlig verschüchtert und einige davon so verletzt, dass sie nicht mehr richtig laufen können. Wurden sie vielleicht sogar aus dem fahrenden Auto „entsorgt“? Das perfide daran: Zwei der Katzen hatten vor noch nicht allzu langer Zeit Jungtiere gesäugt. Hat man die Jungtiere behalten und die Erwachsenen nicht mehr haben wollen?

Oft wünscht sich Kristina Stalder von der Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen, dass die Tiere erzählen könnten, wer ihnen dieses Leid angetan hat. Alleine dafür wäre eine Kennzeichnungspflicht, wie sie in den Entwürfen für Katzenschutzverordnungen angedacht ist, eine  gute Sache. Denn, sagt Kristina Stalder:  Ein Tier, das eine registrierte Tätowierung hat, setzt man nicht mehr einfach nur aus, wenn einem die Abgabe im Tierheim zu teuer erscheint – ohne zu bedenken, dass das, was man da bezahlt, in der Regel für die Tierheime immer noch nicht kostendeckend ist.

Die Tierschutzvereine vor Ort bieten gerne vor dem Kauf eine Beratung, welches Tier für wen und welche Lebensumstände geeignet ist, können über Kosten aufklären und helfen vielleicht auch bei der Vermittlung eines neuen Familienmitglieds.

Umgekehrt kann man als Einzelperson oder Familie neben Geld-, Futter- und Materialspenden dem Tierschutz auch helfen, wenn man  eine Pflegestelle anbietet, als Gassigeher fungieren möchte, Transportfahrten macht oder auch mal beim Säubern der Ställe oder Tierzimmer mitmacht. Selbst die Spende von roten Müllsäcken vom Abfallwirtschaftsamt oder die Mithilfe bei der Abfuhr von Papier/Karton kann eine große Hilfe sein. Und noch was hilft: Wenn verantwortungsvolle Tierbesitzer ihre Tiere rechtzeitig kastrieren, markieren (Chip und/oder Tätowierung) und registrieren (kostenlos beim Deutschen Haustierregister des Tierschutzbundes oder bei Tasso, ebenfalls kostenlos). Und natürlich, dass man schaut, woher das Tier stammt – wurde es unter verantwortungsvollen Umständen gezüchtet oder stammt es womöglich aus einer illegalen Lieferung aus dem Ausland? Dann müsste das Tier mindestens vier Monate alt sein, um die geforderten Impfungen (im EU-Pass vermerkt) zu haben. Ist es vom Alter her überhaupt schon so weit, dass es von der Mutter getrennt werden kann?

Neues Zuhause Aktuell wird dringend ein Platz bei hundeerfahrenen Menschen für einen Jack Russel gesucht. Er ist  zirka fünf Jahre alt, verträgt sich nicht mit Katzen und hat nach einem Biss Angst vor großen Hunden. Unter Umständen könnten größere Kinder mit im Hause sein und/oder Artgenossen gleicher Rasse oder zumindest Größe.
Zudem wird ein  Platz für zwei zahme, aber verschüchterte Katzen, die von der ursprünglichen Besitzerin nach deren Wegzug zurückgelassen wurden, gesucht.
Sie sind fünf und sechs Jahre alt, kastriert und mindestens eine davon ein Rasse-Katzen-Mix: Unter Umständen waren sie, bevor sie „rausgeworfen“ wurden, als reine Wohnungskatzen gehalten. Beide werden nur gemeinsam vermittelt, da sie sehr aneinander hängen. Derzeit werden sie noch von einer Nachbarin vor einem Gartenhaus versorgt, sollten aber dringend wieder ein richtiges Zuhause bekommen. Den Tierarzt-Check vor dem Umzug und die Parasiten-Behandlung übernimmt der Verein.

Mit Auslauf Eine größere Gruppe älterer Zwergkaninchen würde sich ebenfalls über ein neues Zuhause mit einem naturnahen kombinierten Innen- und gesichertem Außenauslauf freuen.
Auch sie sollen gemeinsam direkt vom derzeitigen Übergangs-Zuhause ­vermittelt werden.

Kontakt: Kristina Stalder, Telefonnummer  07476/944452.

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