Auch das ist Unterricht

Eine Studentengruppe der PH Ludwigsburg hat im Rahmen einer Exkursion Gedenkstätten und Lehrpfade des "Unternehmens Wüste" besucht.

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Die Studentengruppe machte sich auf die Suche nach Spuren des "Unternehmens Wüste" in Bisingen, Schömberg und im Eckerwald. Privatfoto

Die Studentinnen und Studenten, die zum größten Teil Teilnehmer eines mehrtägigen Gedenkstättenseminars waren, trafen morgens um 9.30 Uhr mit dem Bus in Bisingen ein. Am Bahnhof wurden sie von Franziska Blum, der Leiterin der Gedenkstätte empfangen. Zunächst ging es dann mit Hilfe einiger Informationstafeln auf den Geschichtslehrpfad in Richtung des ehemaligen KZ-Bisingen. Dort erfuhren die Studenten, dass die Häftlinge ihre Lagerzeit bei schlechter Ernährung in großer Kälte und knöcheltiefem Morast verbringen mussten. Das schlimmste aber war die Arbeit, die die Gefangenen, die alle schon mehrere Lager und viele hundert Kilometer in Viehwaggons hinter sich hatten, verrichten mussten.

Diese Arbeit konnten die Studenten dann im Kuhloch, am heutigen Sportplatz, in Augenschein nehmen. Mit bloßen Händen und unter katastrophalen Bedingungen wurde hier im Frühjahr 1945 gearbeitet, um aus dem Schiefer der Alb Öl und damit Treibstoff für die Rüstung zu gewinnen. Am Ende blieb das Unternehmen "Wüste", wie die Arbeiten in den zehn Wüste-Werken genannt wurden, jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Die geförderte Ölmenge entsprach, trotz immensem Aufwand und über 11 000 Häftlingen in sieben Konzentrationslagern, nicht den Erwartungen. Am Ende des Weges gelangten die Geschichtsstudenten mit ihrem Dozenten, Holger Viereck, ins Heimatmuseum Bisingen. Am Nachmittag war die Gruppe mit Gerhard Lempp von der Initiative Eckerwald verabredet. Man traf sich an der Gedenkstätte auf dem Friedhof Schömberg. Die vielen Namen der Opfer und vor allem deren Alter, erschreckten nicht wenige der angehenden Lehrer, die vor diesem Seminar meist noch nie etwas vom Unternehmen Wüste gehört hatten. Abschließend fuhren die Studenten noch in den Eckerwald. Schon allein die Tatsache, dass ein Wald über die Produktionsanlagen gepflanzt wurde zeigt, dass sich nach dem Krieg offensichtlich kaum jemand mit den Themen KZ und Ölproduktion auf der Alb auseinandersetzen wollte.

Seminarleiter Viereck betonte: "Es ist wichtig, dass junge Menschen an Orte der KZ Verbrechen kommen und verstehen, welches Leid hier erlebt wurde." Nur so könnten die angehenden Lehrer darauf vorbereitet werden, später mit ihren Schülern wieder zu kommen und zu vermitteln, welche Katastrophen sich hier ereignet hätten. "So etwas darf sich nie mehr wiederholen! Die Würde des Menschen ist unantastbar - dafür müssen wir uns alle einsetzen."

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