"Wilhelma" darf bleiben

Die Hühner und Ziegen "Im Eibach", in der "Bisinger Wilhelma", dürfen bleiben. Solange sich kein Nachbar beschwert, will das Landratsamt das Verfahren nicht weiter verfolgen.

|

Viel Gegacker um nichts? Ein Bisinger Tierhalter fühlte seine "Wilhelma" durch einen "Baulöwen" bedrängt. Und machte seinem Ärger auf einem großen Schild auf dem Grundstück Luft.

Seit Jahren schon tummeln sich auf dem Grundstück "Im Eibach", fast mitten im Ort gelegen, Dutzende von Hühnern und - gerade in den Wintermonaten - Ziegen. Nicht jedem Nachbar mag das gefallen, doch man hat sich wohl daran gewöhnt. Zumal in der Vergangenheit Tierhaltung im Ort schließlich durchaus üblich war.

Dann aber drohte Ärger im "Tierparadies". Im Briefkasten fand sich ein Schreiben des Landratsamtes. Die Behörde wolle prüfen, ob die Tierhaltung möglicherweise einer Genehmigung bedürfe. Grundstückseigentümer und Tierhalter zeigten sich völlig überrascht. Und glaubten nicht an einen Zufall. Schließlich sollte auf dem Nachbargrundstück ein Mehrfamilienhaus gebaut werden. Die Gemeinde Bisingen hatte schon im vergangenen Jahr dem Baugesuch stattgegeben, das Landratsamt in Balingen hatte am 13. Januar dieses Jahres die Genehmigung erteilt. Für Grundstückseigentümer und Tierhalter war klar: "Da kann einer halt die ,Stinkerei' so gar nicht brauchen." Also machten sie ihrerseits mobil. Der Tierhalter legte Widerspruch gegen die Baugenehmigung für das Mehrfamilienhaus ein. Die Begründung wurde auch gleich mitgeliefert. Eine Tiefgarage dort, wie geplant, sei doch "Irrsinn". Der Bereich "Im Eibach" sei bekanntermaßen stark hochwassergefährdet. Da laufe die Tiefgarage doch sofort voll, keine Versicherung würde die Haftung übernehmen. Ohne die geplante Tiefgarage aber wären sicherlich keine neun Wohneinheiten, sondern nur deutlich weniger zu realisieren.

Jetzt stellte das Landratsamt in Balingen fest: "Der Widerspruch des Beschwerdeführers beziehungsweise des Grundstückseigentümers, auf dessen Grundstück sich die Tierhaltung befindet, gegen die am 13. Januar 2015 erteilte Baugenehmigung für den Neubau eines Mehrfamilienwohnhauses ist unzulässig. Im Rahmen der Angrenzerbenachrichtigung zur Baugenehmigung wurden vom Beschwerdeführer keine Einwände vorgebracht."

Kurz gesagt: Der Widerspruch kam einfach zu spät. Das alte Haus, das bisher auf dem Baugrundstück stand, ist übrigens bereits abgerissen, die Baugrube ausgehoben.

Und das Landratsamt beruhigt: Keinesfalls seien Tierhalter und Grundstückseigentümer angedroht worden, dass die Viecherl bis Ende des Monats dort weg müssten. Im Schreiben des Landratsamtes vom 2. Februar sei der Beschwerdeführer lediglich gebeten worden, "sich bis zum 26. Februar 2015 schriftlich zum Sachverhalt zu äußern, damit das Landratsamt prüfen kann, ob rechtliche Maßnahmen erforderlich sind".

Aber was ist jetzt mit den Hühnern und Ziegen, müssen die umziehen? Ob die Tierhaltung auf dem Grundstück "bauplanungsrechtlich zulässig" ist, sei "noch nicht abschließend geprüft", heißt es von Seiten des Landratsamtes. Doch "solange keine Nachbarbeschwerden vorliegen", will das Landratsamt das Verfahren auch "nicht weiter" verfolgen.

"Im Eibach" könnte also wieder Ruhe einkehren. Nur die Ziegen meckern vielleicht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Der Standort für ein Zentralklinikum heißt Dürrwangen

Ein Zentralklinikum soll, wenn es denn kommt, nach Dürrwangen. Dafür stimmten die Kreisräte am Montagabend mehrheitlich – und namentlich. weiter lesen