Vom Leben und Sterben

Bisingen.  Ein Schicksalsschlag brachte sie zum Schreiben. Die Themen Sterben und Tod lassen Angela Staberoh auch in ihrem neuen Buch nicht los.

Ganz hat sie Bisingen nie den Rücken gekehrt. Es sind vor allem die Erinnerungen an eine schöne Kindheit, die sie mit dem Kirchspiel verbindet. Ihr Vater führte die "Drogerie Hock" direkt an der Hauptstraße.

Dass sie einmal Schriftstellerin werden würde, daran hatte Angela Staberoh (mit Mädchennamen Hock) früher nie gedacht. Dann geschah das Unfassbare: Ihr Töchterchen Anja, gerade einmal zwei Jahre alt, bekam einen Schlaganfall, den ersten von vielen. 15 Jahre hat Anja noch gelebt. Angela Staberoh wich nicht von ihrer Seite. Ihre Erfahrung schrieb sie auf. "Anja - Vom Recht eines Kindes in Würde zu sterben", wurde ihr erstes Buch.

Es folgten andere, darunter "Ich möchte einmal zu Hause sterben", oder "Wer ists? 66 deutschsprachige Literaten aus drei Jahrhunderten zum Erraten". Angela Staberoh ist heute in der Erwachsenenbildung tätig und hält unter anderem Vorträge über Medizinethik, Kelten in Südwestdeutschland und Zeppeline. Sie lebt mit ihrem Mann in Friedrichshafen am Bodensee.

Jetzt hat sie ein neues Buch herausgebracht. Wieder eines, das sich mit Sterben und Tod, in diesem Fall dem Freitod, beschäftigt: "Freitod. Frauen, die Hand an sich legten. Von Eleanore Marx bis Hannelore Kohl". Es ist die Auseinandersetzung mit einem Tabu, das auch heute noch Bestand hat.

Hat der Mensch das Recht, seinen Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen? Die porträtierten Frauen beanspruchten diese Entscheidungsfreiheit für sich. Unterschiedliche Gründe veranlassten sie, das Leben abzuwählen. Unheilbare fortschreitende Krankheiten und Lebensüberdruss gehörten ebenso dazu, wie das kaum fassbare Bedürfnis, dem Lebensgefährten freiwillig in den Tod zu folgen, da ein Weiterexistieren ohne ihn sinnlos erschien.

Mit leiser Eindringlichkeit und großem Einfühlungsvermögen lässt sich die Autorin auf die Lebenswege sowohl zielorientierter willensstarker als auch hilflos durch die raue Wirklichkeit taumelnder Frauen ein.

"Wir sind gezwungen", so der bekannte Kirchenkritiker Eugen Drewermann in seiner Einführung, "den Tod als einen Teil des organischen Lebens zu akzeptieren und ins Leben zu integrieren."

Info

Freitod. Frauen, die Hand an sich

legten. Von Eleanor Marx bis

Hannelore Kohl

Autorin: Angela Staberoh

Einführung: Eugen Drewermann

Verlag "der blaue reiter", 256 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-933722-29-4


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Autor: STEPHANIE APELT | 11.03.2010

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