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Lebenshilfe Zollernalb : Der Scherbenhaufen ist da

Beide Seiten setzen auf konstruktiven Dialog. Doch lässt sich der Scherbenhaufen, der mit dem Streit zwischen Lebenshilfe Zollernalb und Bundesvereinigung entstanden ist, überhaupt wieder kitten?

STEPHANIE APELT | 0 Meinungen

Die Lebenshilfe Zollernalb hat ihr Stiftungsmodell "für die Ewigkeit" entwickelt und will daran festhalten, gegen den Widerstand des Landesverbandes und der Bundesvereinigung, die bekanntlich eine Mitgliedschaft verweigern. Die neue Organisationsstruktur sei im großen Einvernehmen mit der Belegschaft und den Mitgliedern beschlossen worden. Vorstand, Stiftungsräte und Betriebsräte samt Rechtsbeistand machten gestern ihre Position deutlich.

Schon Ende 2011 habe der damalige Lebenshilfe-Vorstand die Organisationsentwicklung angeregt. Anlass hierfür sei mit der in den nächsten Jahren anstehende Generationswechsel im Vorstandsgremium gewesen, und die Sorge, dass für diese Art der ehrenamtlichen Vorstandsarbeit - mit den entsprechenden Haftungsrisiken - nur schwer geeignete Nachfolger zu finden sind.

Der Verein wurde mit dem Jahreswechsel in eine gemeinnützige GmbH (LHZA gGmbH) umgewandelt und die Behinderten-Stiftung Lebenshilfe Zollernalb als Dach über alle Einrichtungen gestellt. Professionell geführt, vom Ehrenamt kontrolliert, soll die Stiftung so dafür sorgen, dass die Lebenshilfe Zollernalb sich weiterentwickelt. Die Vorteile einer Stiftung sollen mit den Vorteilen eines Vereins kombiniert werden.

Denn viel habe sich getan, seitdem der Verein Lebenshilfe für Behinderte Zollernalb 1967 auf Initiative betroffener Eltern und mit Unterstützung privater und öffentlicher Förderer ins Leben gerufen wurde. Angewachsen auf (bei der Umstrukturierung) 780 Mitglieder, bietet die Lebenshilfe für über 600 Menschen mit Behinderung Beratung, Freizeit- sowie Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten und ist Arbeitgeber für über 400 Mitarbeiter. Da kann man durchaus schon von einem "gemeinnützigen Unternehmen von mittelständischer Größe" sprechen, so wie es in einem Rechtsgutachten der Lebenshilfe Zollernalb heißt. Doch wie lässt sich eine derartig angewachsene Einrichtung führen? Genau hier liegt der Streitpunkt. "Bei der Bundesvereinigung möchte man den Geist des ideellen kleinen Vereins, in dem die Mitglieder alles beschließen und alles machen, bewahren", meint Roland Haaß, seit gut fünf Jahrzehnten in der Behindertenhilfe im Zollernalbkreis engagiert, heute ist der 71-Jährige Stiftungsratsvorsitzender. Das Vereinsmodell werde "verklärt".

Die Lebenshilfe Zollernalb sieht sich als moderne Einrichtung, dafür brauche sie eine klare Struktur. Das Stiftungsmodell soll den "Ewigkeitscharakter" festhalten, ansonsten blieben die Rechte der Mitglieder weitgehend gleich, so Holger Klein, früher Geschäftsführer, jetzt Vorstandsvorsitzender, das eine wie das andere hauptamtlich. Generell gelte, eine Stiftung werde mehr beaufsichtigt als ein Verein. Der Stiftungsrat als regelmäßig (ein Mal monatlich) tagendes Kontrollorgan erhalte keinerlei Vergütung, sondern lediglich eine Aufwandsentschädigung, zum Beispiel für Fahrtkosten. Gegenteilige Äußerungen hätten für "große Verunglimpfung" gesorgt.

Die Ehrenamtlichen der Lebenshilfe Zollernalb sind, wie zu spüren ist, von der Kritik und dem Vorgehen der Bundesvereinigung enttäuscht. "So kann man", so Haaß, "mit einem Mitglied nicht umgehen".

Natürlich könne die Lebenshilfe Zollernalb ohne Mitgliedschaft in einem Dachverband ihre Arbeit qualifiziert ausführen, aber auch Haaß weiß: Wenn jede Einrichtung so denken würde, gäbe es keine Bundesvereinigung - und keine entsprechende Lobby.

Also soll weiterhin der konstruktive Dialog gesucht werden. Doch der Imageschaden, den die Lebenshilfe Zollernalb, aber auch die Lebenshilfe an sich, bereits davongetragen haben, sei enorm, gibt Klein unumwunden zu.

Wenn alles nicht helfe, rät Rechtsanwalt Peter Krause (Voelker und Partner) zur Feststellungsklage. Dann soll das Zivilgericht Stuttgart klären, wie es denn mit der Mitgliedschaft aussieht.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband, dessen Mitglied die Lebenshilfe Zollernalb im übrigen ebenfalls ist, habe, schließt Klein, die neue Organisation einfach zur Kenntnis genommen - "und uns beglückwünscht".



Die Chronologie eines Streits

13. Juni 2012: Die Lebenshilfe Zollernalb informiert den Geschäftsführer des Landesverbandes, Rudi Sack, über die Organisationsentwicklung.

18. Juni 2012: Mitgliederinformation in den Räumen der Lebenshilfe in Bisingen.

27. Juli 2012: Verabschiedung von Rudi Sack als Geschäftsführer des Landesverbandes; Nachfolger ist Thomas Feistauer. Auf Nachfrage heißt es, das Anliegen der Lebenshilfe Zollernalb sei noch nicht bearbeitet und nicht an die Bundesvereinigung weiter geleitet worden.

12. September 2012: Besuch der Landesverbandsspitze in Balingen.

17. Oktober 2012: Mitgliederversammlung der Lebenshilfe Zollernalb beschließt mehrheitlich die neue Struktur.

9. November 2012: Vorstellung der Organisationsentwicklung bei einer Klausurtagung des Landesverbandes, Anregungen werden später in die Satzung mit aufgenommen.

14. November 2012: Landesverband teilt mit, dass aufgrund der komplexen Fragestellung eine zeitliche Perspektive bis zu einer grundsätzlichen Klärung offen bleiben muss.

30. November 2012: Es stellt sich heraus, dass Bundesvereinigung erst spät und bis dahin nur unzureichend über die Entwicklung unterrichtet war. Das wird wenige Tage später nachgeholt. Es wird vereinbart, Gutachten der rechtlichen Berater auszutauschen.

1. Januar 2013: Neue Struktur der Lebenshilfe greift. Drei Tage später werden formale Anträge an den Landesverband und die Bundesvereinigung gestellt auf: ordentliche Mitgliedschaft des Betreuungsvereins, außerordentliche Mitgliedschaft der Stiftung, für die LHZA gemeinnützige GmbH wird um Bestätigung gebeten, dass die bisherige ordentliche Mitgliedschaft fortbesteht.

31. Januar: Gespräch bringt keine Annäherung der Positionen. Am 12. März soll auf Bundesebene über Mitgliedsanträge beraten werden.

25. März: Ulla Schmid, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, erklärt, dass eine Mitgliedschaft der Lebenshilfe Zollernalb bei der Bundesvereinigung ausgeschlossen sei, auch die Nutzung des Namens werde untersagt, soweit die Lebenshilfe auch nach dem 31. Mai an der Organisationsstruktur festhalten will.

26. März: Brief Ulla Schmidts an die "ehemaligen Mitglieder" der Lebenshilfe Zollernalb.

28. März: Landesverband teilt mit, dass alle drei Anträge der Lebenshilfe Zollernalb nicht möglich sind.

 

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