Freude an der Musik
Bisingen. Originale symphonische Blasmusik, einen Konzertwalzer, aber auch erwartungsgemäß Militärmusik gab das Luftwaffenmusikkorps 2 in der Hohenzollernhalle zum Besten. Der Erlös hilft Kindern in Bulgarien.
Jürgen Müller vom Verein Bulgarienhilfe Albstadt freute sich über ein volles Haus und bekräftigte, dass das Geld direkt vor Ort für Kinder in Not verwendet werde. Seit noch gar nicht so langer Zeit ist Bulgarien Mitglied der EU. Es gibt zwar keinen Zoll mehr, aber die Preise, so Müller, seien gestiegen und so werde in den Familien am Essen gespart. Viele Kinder könnten nicht von ihren Eltern versorgt werden und seien auf fremde Hilfe angewiesen.
Die Schirmherrschaft der Veranstaltung hatte Bisingens Bürgermeister Joachim Krüger übernommen. Nach seinem Grußwort eröffnete das Luftwaffenmusikkorps 2 aus Karlsruhe, die Musiker setzten sich gerne für einen guten Zweck ein, den Abend mit dem Konzertmarsch "Große Zeit, neue Zeit" von Fritz Brase. Auch für die Musiker der Luftwaffe war dieses Konzert etwas Besonderes: Sie feierten die Premiere ihres neuen Dirigenten, Hauptmann Martin Wehn.
Beim zweiten Programmpunkt handelte es sich um original symphonische Blasmusik. Die "Symphonische Ouvertüre" von James Barnes begann fanfarenartig und pompös mit der sonoren Klangfarbe des Trompeten- und Posaunenregisters. Nach einem schnellen Allgro-Teil mit bewegenden solistischen Oboepassagen gelangte das Thema in einen lyrisch-ruhigen Satz, der vom Tenor- und Altsaxophon dominiert wurde. Ein fulminanter Schluss beeindruckte die Bisinger Zuhörer. Schon hier zeichnete sich die Feinheit des Orchesters ab. Ein großes Spektrum an Instrumenten, sowie die klangliche Reinheit der Töne und die Geläufigkeit der Holzregister zogen das Publikum in den Bann. Und trotz des sichtbaren Probeaufwands und des enormen Anspruchs der Werke, schien alles leicht und einfach zu sein. Der neue Dirigent lächelte oft, ermutigte sein neues Orchester; die Freude an der Musik schien ihm ins Gesicht geschrieben.
Die "2. Suite für Blasorchester", oder auch "Latino-Mexicana", von der Blasmusikkoryphäe Alfred Reed ist inspiriert von der lateinamerikanischen Kultur. Der erste Satz behandelt eine alte kubanische Volksweise. Das flinke Eingangsmotiv wandert vom Holzsatz ins tiefe Blech, bis es schließlich vom gesamten Orchester ausgeführt wird. Chromatik und Enharmonik betonen die fremdländischen Eindrücke Reeds, gekoppelt mit den Big Band-Erfahrungen aus seiner Jugend.
Beim zweiten Satz handelte es sich um einen verträumten brasilianischen Tango, der sich mit ruhigen und lyrischen Phrasen deutlich vom argentinisch-temperamentvollen abhob. Feurig endete die Suite mit einem Paso Doble "A la Corrida!", dem Aufruf zum Stierkampf.
Hans Felix Husadel hat die Militärmusik insbesondere der Luftwaffe insofern geprägt, als dass er eine neue Instrumentengruppe in die Marschmusik einführte, nämlich die Saxophone.
Insbesondere zum Luftwaffenmusikkorps aus Karlsruhe hat Husadel auch heute noch ein enges Verhältnis. Ihm zu Ehren erklang sein Marsch "Péronne".
Schlusslicht des ersten Teils bildete das bekannte programmatische Werk "Orient Express" von Philip Sparke. In der Victoria Station in London setzt sich der Zug, damals ein Wunderwerk der Technik, ätzend und schnaubend in Bewegung. Der Pfiff des Schaffners lädt zu einer musikalischen Reise über die Berge bis nach Venedig ein. Dort kommt die Dampflok schwerfällig und quietschend in einer großen Dampfwolke wieder zum stehen. Anschaulich setzte das Orchester die Geräusche des Zuges um.
Der zweite Konzertteil erhielt seinen Höhepunkt mit der wiederum programmatischen Darstellung "Cartoon" von Paul Hart. Aus der Trickkiste des Zeichentricks zauberten die Musiker ein Gesamtkunstwerk der fiktiven Welt. Musik und Geräusch waren sich näher denn je. Vor allem die Percussionsgruppe kam zum Zug. Bewegungen und Mimik, Liebesszenen und Verfolgungsjagden wurden in kurzen Elementen aneinander gereiht.
Nach dem Konzertwalzer "Lebensfreude" von Hans Joachim Marx erklang ein Best of von "Earth, Wind and Fire", arrangiert von Peter Kleine Schaars. Mit vereinten Kräften "Viribus unitis" von Josef Bach klang der Konzertabend in der Hohenzollernhalle aus. Aber damit nicht genug: Zwei Zugaben waren gewünscht, so folgten der Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater und der Fliegermarsch von Hermann Dostal. In Standing Ovations der Bisinger Zuhörer stimmte der Luftwaffenmusikkorps 2 aus Karlsruhe die Deutsche Nationalhymne an.
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Autor: RAMONA KÖNIG | 11.03.2010
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Der Klangkörper des Luftwaffenmusikkorps besticht durch Professionalität - und die Bereitschaft zu helfen. Foto: König
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