Ein Prinz verzaubert

Bisingen.  Hoher Besuch kündigte sich in Bisingen an: Der "Prinz der Panflöte", Roman Kazak gastierte im Rahmen seiner aktuellen Europatournee in der St.-Nikolaus-Kirche - und verzauberte seine Zuhörer.

Der 24-jährige Panflötist aus Moldawien und sein Begleiter Wladimir Steba, Pianist und Kirchenmusiker, brachten bei ihrem Weihnachtskonzert sowohl klassische Melodien von Mozart und Schubert, als auch Lieder aus dem fernen verschneiten Rumänien und Moldawien zu Gehör.

Der junge Künstler Roman Kazak gilt international als Ausnahmemusiker. Zunächst studierte er an der Musikhochschule Artur Rubinstein in Tiraspol, bevor er an der Musikakademie in Chisinau seine Abschlussprüfung mit Prädikat ablegte.

Kazak und Steba begrüßten ihr Publikum von der Empore aus mit der wohl bekanntesten "Air" Johann Sebastian Bachs. Darauf folgte das ebenso berühmte "Ave Maria" von Franz Schubert. Sehr fein, in einem fast gezupft klingenden Staccato, begleitete Wladimir Steba an der Orgel.

Darüber erklangen die weiten eingängigen Phrasen der Schubertschen Huldigung an die Jungfrau Maria. Schon bald spürte der Zuhörer die spannende Kombination von Orgel, die ja nun auch aus Flöten beziehugsweise Pfeifen besteht, und der über 6000 Jahre alten Panflöte.

Im dritten Lied "Die Augen meiner Liebsten" erklangen die Töne der Flöte wie vom Wind getragen. Wehmut und Sehnsucht wurden spürbar. So erzählte schon die griechische Mythologie von der unerfüllten Liebe des Hirtengottes Pan. Nachdem die Nymphe, in die Pan sich verliebt hatte, seine Liebe nicht erwiderte, wurde sie in ein Schilfrohr verzaubert.

Da Pan ihr noch immer nahe sein wollte, schnitze er aus eben diesem Schilfrohr die Panflöte, Syrinx, wie sie im Altertum genannt wurde. Durch das Instrument brachte er seinen Kummer und seine Liebe zum Ausdruck.

Dass die Facetten der Panflöte unendlich breit gefächert sind, zeigten die nächsten Stücke aus dem Barock. Die Spielmusik von Johann Sebastian Bachs "Menuett" und "Scherzo" erfüllte mit Trillern und kleinen zierlichen Motiven die weihnachtlich geschmückte Kirche. Die Spinettbegleitung am Keyboard machte den Vortrag noch authentischer.

Eine Epoche später war es Wolfgang Amadeus Mozart der die Menschen für sich begeisterte. Leichtigkeit und Grazie der Wiener Klassik machte Kazak mit einer ungemeinen Reinheit im Klang sichtbar. Die klaren Muster der Mozartschen Kompositionen, das Bausteindenken seiner Kindheit waren in der "Sonate in drei Teilen" nicht zu überhören.

Vor der Pause brillierten die beiden Künstler mit Franz Liszts "Rhapsodie" aus dessen "Ungarischen Rhapsodien". Franz Liszt war der erste Komponist, der vermeintliche Volksmelodien in die Rhapsodie einführte, in diesem Fall waren es ungarische. Als freies Fantasiestück gibt die Rhapsodie dem Komponisten die Möglichkeit, seinen Gedanken freien Lauf zulassen. Dies nutzten Roman Kazak und Wladimir Steba für sich. Das Notenpult Kazaks schien nur Attrappe zu sein, denn der Musiker spielte alles auswendig.

Nach der Pause fesselten die Beiden ihr Publikum mit einer Sammlung von Weihnachtsliedern. Bekannte Weisen wie "Alle Jahre wieder", "Ihr Kinderlein kommet", "Jingle Bells", "Leise rieselt der Schnee", "O du fröhliche", "Kling Glöckchen" und viele weitere stimmten auf das bevorstehende Fest ein. Dabei blieb durchaus Platz für eine eigene Interpretation der Lieder. So wurde das wohl berühmteste deutsche Weihnachtslied "Stille Nacht" von Franz Xaver Gruber recht eigenwillig mysteriös intoniert.

Temperamentvoll und feurig ging es bei der "Melodie aus Bukowina" und dem "Tanz der Alten" zur Sache. Präzision und Tempo beeindruckten die Zuhörer gleichermaßen.

Kazak imponierte mit seiner ganzen Virtuosität. Über vier Oktaven reichen seine weiten Melodiebögen und die Spielgeschwindigkeit seiner Läufe ist atemberaubend.

Mit einer Weise aus Rumänien, einem Heimatland der Panflöte, ging das Konzert zu Ende. Ein letztes Mal entführte Roman Kazak das Bisinger Publikum in sein magisch anmutendes Winterwunderland.


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Autor: RAMONA KÖNIG | 19.12.2009

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