Der Hammer: Kress ist insolvent

Mehr als 150 Mitarbeiter traf die Nachricht wie ein Keulenschlag: Kress-elektrik in Bisingen hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz beantragt.

HARDY KROMER | 1 Meinung

Mit Umsatzrückgängen hat Kress-elektrik schon seit Jahren zu kämpfen. Doch nun hat die Marktkrise im europäischen Wirtschaftraum den Bisinger Elektrowerkzeughersteller mit voller Wucht getroffen. Ende der Fahnenstange: Firmeninhaber und Geschäftsführer Dieter C. Kress hat in dieser Woche Insolvenzantrag gestellt. Am Donnerstagnachmittag wurden die Mitarbeiter in einer Belegschaftsversammlung informiert. „Die Leute waren total geschockt“, sagt Walter Wadehn, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Albstadt, der selbst mit dabei war.

Dieter C. Kress nannte als Grund für den Insolvenzantrag, dass die Umsatzentwicklung im zweiten Quartal wider erwarten stark hinter der Planung blieb. Während das erste Quartal noch gut gelaufen sei, seien die Umsätze ab April dramatisch eingebrochen. Der deutsche Markt brachte Kress nach eigenen Angaben in den ersten acht Monaten noch ein zweistelliges Umsatzwachstum. Dagegen gingen die Umsätze in den wichtigen Exportmärkten wie Russland, Frankreich und den arabischen Ländern stark zurück. Aufgrund der Eurokrise seien in Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland nur noch geringe Umsätze zu erzielen. Hier hatte Kress in früheren Jahren noch gute Umsätze gemacht.

Besonders problematisch: Russland, ein seit vielen Jahren wichtiges Exportland, kam dieses Jahr für Kress nicht in Fahrt. In der Pressemitteilung des Unternehmens heißt es: „Normalerweise beginnt dort ab April die Saison, und die Bautätigkeiten beginnen wieder nach dem langen Winter. In diesem Jahr war dies nicht der Fall. Die Händler hatten ihre Lager noch voll und konnten aufgrund der schlechten Verkäufe auch nur schleppend die Ware bezahlen.“ Somit habe Kress auch nicht in gewohntem Maße Produkte für den russischen Markt produzieren und an die Tochtergesellschaft in Moskau liefern können.

Der französische Markt sei seit dem vergangenen Jahr auch immer schwieriger geworden, da einige größere Kunden nicht mehr bei Kress kauften und zu billiger produzierenden Herstellern wechselten.

Kress verweist darauf, dass sich das Unternehmen seit mehreren Jahren in einer Phase der Umstrukturierung und Neuausrichtung der Marke befinden. Während die Bisinger vor allem in Deutschland noch ein Baumarkt-Image besitzen, genießt Kress in vielen Exportländern einen guten Ruf für qualitativ hochwertige Elektrowerkzeuge „made in Germany“. Dieter C. Kress beschloss daher auch, die Marke Kress neu aufzustellen und sich klar auf den Profianwender zu fokussieren. „Hätten wir diese Entscheidung vor Jahren so nicht getroffen, wäre klar gewesen, dass wir unsere Produkte nicht mehr in Deutschland herstellen können, um dem harten Wettbewerbsumfeld entgegenhalten zu können“, so Kress. „Trotzdem produzieren viele namhafte Wettbewerber ihre Profiwerkzeuge aus Kostengründen mittlerweile in China. Das drückt natürlich zusätzlich auf unsere Gewinnspanne, da unsere Kunden von uns verlangen, dass wir da preislich mithalten.“ Neben der Marke Kress fertigen die Bisinger in großem Umfang Handelsmarken für namhafte internationale Unternehmen. „Diese“, so Kress, schätzen zwar die innovativen Produkte, die gute Qualität und die große Flexibilität der Produktion, sind aber dennoch harte Verhandlungspartner, wenn es um den Preis geht. Für dieses Jahr hatte Kress noch Großes vor. Mit der Weltneuheit 360 BPS Bipower, dem ersten Elektrowerkzeug, das sowohl mit Akku als auch mit Netzstrom zu betreiben ist, wollte Kress durchstarten. Der Bohr- und Meißelhammer fand große Anerkennung in der Branche und wurde mit dem „Plus X Award“ als innovativstes Elektrowerkzeug und Kress als innovativste Marke in der Kategorie Elektrowerkzeuge 2012 ausgezeichnet.

Jetzt ist ein Sanierungskonzept gefragt. Dieter C. Kress beabsichtigt, zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Wolfgang Bilgery aus Stuttgart das Unternehmen zu sanieren und wieder aus der Insolvenz zu entlassen. Kress hält die Aussichten für durchaus erfolgversprechend. „Was wir brauchen, ist mehr Umsatz und neue Kunden“, sagte Kress im Gespräch mit der HZ. Eine Lösung könnte auch ein Investor bringen, der mit frischem Geld in die Firma einsteigt.

Vor Jahren war eine Verlegung der Produktion von Bisingen in die Schweiz diskutiert worden. Bereut Kress heute, hier geblieben zu sein? „Nein“, sagt Kress, „absolut nicht“, wir haben ein Marktproblem, kein Standortproblem.

Bereit, Sanierungsbeiträge zu leisten, sind laut IG-Metall-Sekretär Wadehn auch die Beschäftigten: „Wir werden alle nachvollziehbaren und akzeptablen Maßnahmen mittragen, die geeignet sind, möglichst viele Arbeitsplätze in Bisingen zu retten“, sagt Wadehn und verweist darauf, dass dies auch in der Vergangenheit der Fall war. Erst in diesem Juli haben die Mitarbeiter auf ihr diesjähriges Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet und akzeptiert, dass die 4,3-prozentige Lohnerhöhung von Mai auf September verschoben wird.

Jetzt werden sie bis einschließlich November ihren Lohn in Form von Insolvenzausfallsgeld vom Arbeitsamt erhalten. Zumindest bis dahin soll bei Kress so normal wie möglich weitergearbeitet werden.

1 Kommentar

22.09.2012 00:39 Uhr

Bei der Stange bleiben

Wir haben gerade erst vor 4 Wochen Kress Geräte ins Lagersortiment aufgenommen. Die Meldung hat mich ganz schön geschockt. Wir werden weiter die Kress-Fahne hochhalten. Das sollten möglist viele Händlerkollegen auch machen.
Ich lebe in Deutschland und verdiene mein Geld in Deutschland. Also gebe ich es am liebsten so aus, das es in Deutschland bleibt.

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