Beton kann länger leben

Bisingen ist ein gutes Beispiel. Die Gemeinde kommt mit der Sanierung ihrer Brücken schier nicht nach. Roland Karle, Geschäftsführer der Firma Solidian, der in Bisingen lebt, hätte für dieses Problem eine Lösung.

ANDREA SPATZAL |

Ein HZ-Bericht über eine Vielzahl anstehener Brückensanierungen in Bisingen war der Auslöser. Roland Karle, der seit 22 Jahren in Bisingen lebt und sich "in diesem schönen Ort sehr wohl fühlt", sagt: "Das muss nicht sein." Jedenfalls nicht in dieser Häufigkeit, nicht im üblichen 30-jährigen Turnus. Schon seit 120 Jahren wird Stahlbeton verbaut. Die Probleme sind altbekannt: Durch aggressive Umwelteinflüsse fängt die in den Beton eingebettete Stahlbewehrung an zu rosten, der Überdeckungsbeton reißt auf und platzt ab. Die Sanierung wird unumgänglich. "Es ist Zeit, umzudenken", sagt Karle. Textilbeton sei widerstandsfähiger, wartungsfreundlicher - und lebt länger.

Große Schritte in der Entwicklung des neuen Verbundwerkstoffes hat das Albstädter Unternehmen Groz-Beckert getan: Als 2006 in Lautlingen die Stahlbetonbrücke zwischen dem Stauffenberg-Schloss und dem Schulgelände abgerissen wurde, gab Groz-Beckert an der Technischen Hochschule Aachen eine Machbarkeitsstudie für eine Textilbetonbrücke in Auftrag. Die Studie bescheinigte durchweg positive Prognosen hinsichtlich der zu erwartenden Materialeigenschaften und der Nutzungsdauer. In Abstimmung mit der Stadtverwaltung übernahm Groz-Beckert weitgehend eigenverantwortlich den Bau der neuen Textilbetonbrücke. Diese, die B 463 überspannende, 100 Meter lange und 2010 nach einem Jahr Bauzeit fertiggestellte Fußgängerbrücke ist die längste ihrer Art weltweit.

Der innovative Verbundwerkstoff wurde bei Groz-Beckert industrialisiert und 2013 in die 100-prozentige Tochterfirma Solidian überführt. Solidian beschäftigt inzwischen 160 Mitarbeiter, wobei die Abteilung für Entwicklung und Engineering mit zwei Dutzend Experten in Albstadt sitzt und die Produktion mit etwa 140 Mitarbeitern in Kroatien. Solidian-Geschäftsführer Roland Karle ist davon überzeugt, dass Textilbeton durch seine Langlebigkeit und Wartungsfreundlichkeit Bauherren, insbesondere den Kommunen bares Geld sparen können. Zum Beispiel seien "Schwimmbäder geradezu prädestiniert" für korrosionsfreie Glas- und Carbonbewehrungen. Preislich sei Textilbeton inzwischen auch "durchaus konkurrenzfähig". Bei der Betondecke seien Materialeinsparungen bis 80 Prozent möglich: bisher zwölf Zentimeter dicken Betonplatten können auf zwei Zentimeter schrumpfen.

Die Firma Solidian geht noch einen Schritt weiter: "Glas- und Carbonbewehrungen schaffen der Architektur neue Formen, eröffnen nahezu unendliche Möglichkeiten." Das "Soligrid"-Produktprogramm habe seine Effizienz und Wirtschaftlichkeit bereits in einigen Anwendungen unter Beweis stellen können: als Bewehrung für Fassaden, für Elemente mit anspruchsvollen Aufgaben oder im Möbel-, Flugzeug- und Automobilbau. Ein aktuelles Projekt sei der fünfstöckige Büropark "Eastside" in Mannheim. "Die textile Intelligenz", sagt Roland Karle, "spielt sich im Inneren ab". Nach Außen zeigt sich Textilbeton von seiner robusten Seite. In seinem Kern stecken die innovativen Gitter oder "Gelege". Diese netzartigen Strukturen entstehen aus sogenannten Endlosrovings, bestehend aus hauchdünnen, zu Zehntausenden gebündelten, alkalirestistenten Glas- oder Carbonfasern. Ein Tauchbad in einer Epoxitharzlösung macht sie vollends leistungsfähig, robust und dauerhaft.

Die gerade frisch in München mit dem "Innovationspreis Architektur und Bauwesen" ausgezeichnete Firma Solidian liefert übrigens das ganze Paket - auch die statischen Berechnungen und die werkstoffgerechte Bemessung der Bewehrungen.

"Deutschland ist führend in dieser Technologie", sagt Roland Karle. Das sei auch der enormen Forschungsarbeit und den Investitionen der Groz-Beckert-Gruppe mit ihrem Geschäftsführer Dr. Thomas Lindner zu verdanken. Insbesondere Kommunen könnten aus diesem Vorsprung viele Vorteile ziehen.

Architekten merken auf

Ausgezeichnet Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat jetzt im Wettbewerb "Beispielhaftes Bauen 2009 - 2015" im Zollernalbkreis das Gesundheits- und Bildungszentrum der Groz-Beckert KG in Ebingen ausgezeichnet. In der Begründung der Jury wird unter anderem "die Kombination traditioneller und moderner Baustoffe, die mit dem Textilbeton auch einen innovativen Entwicklungszweig der Firma vorführen" hervorgehoben.

Zwölf aus 58 Vier Fach- und drei Sachrichter haben in der Jurysitzung am 16. und 17. Juli im Landratsamt in Balingen unter insgesamt 58 eingereichten Objekten 14 ausgewählt und nach zwei Besichtigungsrundfahrten zwölf Auszeichnungen vergeben.

Leuchtturmprojekt Auch die von Groz-Beckert als "Leuchtturmprojekt" im Jahr 2010 erstellte, weltweit einmalige Textilbetonbrücke in Lautlingen erregte bei den

Architekten der Jury, die aus Stuttgart, Ravensburg, Freiburg und Gutach angereist waren, bei der Besichtigungsfahrt größte Aufmerksamkeit.

SPA

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