Schmerz vergeht, der Stolz bleibt

Die Geislingerinnen Aydan Çaglar und Melanie Bernardino haben den ultimativen Härtetest bestanden und den Braveheart-Battle in Münnerstadt bei Schweinfurt bis zum Ende absolviert.

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Beschwerlicher Weg ins Ziel: Melanie Bernardino braucht hier einen sicheren Tritt über die Reifen.

Für Aydan Çaglar und Melanie Bernardino war der Braveheart-Battle nicht der erste Lauf dieser besonderen Art, daher war die mentale Vorbereitung schon mal gut. Çaglar ging zum zehnten Mal an den Start eines solchen Extremlaufs, sie war 2012 schon beim legendären Tough Guy in England, der Mutter aller Hindernisläufe.

Für Melanie Bernardino war es der vierte Start dieser Art, sie sucht das Extreme sonst lieber beim Rennradfahren wie beim Ötztaler Radmarathon (250 Kilometer bei 5500 Höhenmetern).

In Münnerstadt wartete auf die 2800 Männer und 200 Frauen eine Strecke von 28 Kilometern mit 1500 Höhenmetern und 50 Naturhindernissen, kreuz und quer durch die fränkischen Wälder. Teile der Strecke kann man sich ungefähr so vorstellen, auf den Bismarckfelsen hoch und runter zu laufen - nicht auf den Waldwegen, sondern mitten durchs Gestrüpp. Und das vier Mal hintereinander.

Schon direkt nach dem Start war nicht nur das Laufgeschick, sondern auch das Überwinden von Hindernissen von Bedeutung. Ungefähr zwölf Mal ging es durch die Lauer, die war sechs Meter breit und stellenweise drei Meter tief.

Da das Geislinger Duo im Vorjahr den Triathlon für sich entdeckt hat, war das Schwimmen zumindest das kleinste Problem. Sie trainieren diese Art von Wettkampf nicht speziell. Selbst wenn sie bei Wintertemperaturen durch die Fils tauchten, empfänden sie das Wasser am Wettkampftag nicht wärmer. Neben den sportlichen Qualitäten kommt der mentalen Motivation entscheidende Bedeutung bei.

Höhepunkt in Münnerstadt war ein 2 Grad kaltes Regenwasserrückhaltebecken namens Loch Ness, das sie 150 Meter lang durchschwimmen und stellenweise tauchen mussten. Bei dem anschließenden Kriechhindernis auf allen Vieren quer über den Acker wurde ihnen danach wieder mehr als warm. Das war nicht das einzige Hindernis, dem sie ihre Schrammen und blauen Flecken zu verdanken haben.

Schlammbefüllte Container durchspringen, Strohballenhaufen überklettern und drei Meter tiefe Schlammlöcher durchqueren setzen Teamarbeit und gegenseitiges Helfen voraus. Interessant zu beobachten war, dass viele Männer sich nicht von Frauen helfen ließen. So ließen die Geislingerinnen manch stolzen Herrn im Schlammloch zurück, am Weltfrauentag ein Vergnügen der besonderen Art.

Nach 3:00:25 Stunden lief Melanie Bernardino als zweitschnellste Frau völlig erschöpft ins Ziel und belegte den 118. Gesamtrang unter 2545 Angekommenen. Aydan Çaglar wurde in 3:29,19 Zwölfte bei den Frauen und 328. insgesamt, obwohl sie wegen eines Muskelfaserrisses im Januar kaum trainiert hatte. Das Erlebte lässt aber alle Schrammen vergessen: Schmerzen vergehen, der Stolz bleibt.

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