Schulhof-Spott stößt Box-Karriere an

Nach siebenjähriger Wettkampfpause holt der Geislinger Erik Reisenhauer den Baden-Württembergischen Juniorenmeistertitel. Nach dem Abi will er das Hobby zum Beruf machen.

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Erik Reisenhauer im Training, als Sparringspartner fungiert Clubkollege Daniel Weberruss.  Foto: 

Das Moppelchen wollte sich nicht mehr länger hänseln lassen. Wegen seines Übergewichts zog der sechsjährige Erik den Spott seiner Klassenkameraden auf sich. Also ging er ins Box-Training, um sich „etwas Respekt auf dem Schulhof“ zu verschaffen. Richtig vermöbeln musste er die Spötter nicht. Es reichte, dass die von seinem Box-Unterricht wussten, zudem ließ das Training die Fettpölsterchen zügig verschwinden.

Das allein war Grund genug, warum dem kleinen Erik Boxen gefallen hat. Als Elfjähriger wechselte er vom Boxring Geislingen zum DABC Schwäbisch Gmünd, weil er endlich auch zu Wettkämpfen in den Ring steigen wollte. Der erste war gleich für lange Zeit der letzte. Reisenhauer hat sein Debüt verloren und sich bis zu seinem zweiten Kampf sieben Jahre Zeit gelassen. Das habe nichts mit den Folgen der Niederlage zu tun, beteuert der Geislinger. Er habe sich nach dem Wechsel aufs Gymnasium vielmehr auf die Schule fokussiert, erklärt er. Dass man im Boxen Niederlagen einkalkulieren muss, hat Reisenhauer „schon damals gewusst“.

Ein Jahr vor dem Abi hat er die Lust auf das sportliche Kräftemessen wiederentdeckt. Seit April hat der Gymnasiast sein Trainingspensum von zwei auf drei Einheiten pro Woche gesteigert, hinzu kommt viermal Joggen. Der erste Kampf nach sieben Jahre Pause war gleich das Finale um die Baden-Württembergische Junioren-Meisterschaft im Superschwergewicht.  Reisenhauer verprügelte da den Langenargener Christian Reich nach allen Regeln der Kunst und beeindruckte damit den Verbandstrainer. Der versprach dem 18-Jährigen, er würde von ihm hören. Spätestens, wenn es um süddeutsche Meisterehren geht.

Der Geislinger hat längst Blut geleckt. Er will unbedingt Profi werden und damit „die Leidenschaft zum Beruf machen“. Bis dahin muss er noch viel lernen. Kommendes Jahr hat er Führerschein und eigenen Pkw, dann will er sich dem Karlsruher Profi Vincent Feigenbutz als Sparringspartner anbieten. Im Boxen spiele die Erfahrung. wie man Kraft und Ausdauer einsetzt, eine große Rolle. Das Sparring mit Feigenbutz „würde mich da viel weiterbringen“, sagt Reisenhauer.

So weit, dass es schon 2020 für die Olympischen Spiele in Tokio reichen soll. Die sind das Nahziel des Geislingers, der sich seinen Realismus erhalten hat. Er beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Tokio-Qualifikation als „nicht sehr hoch“. Aber um etwas zu erreichen, verrät er sein Credo, „muss man dran glauben“.

Über die Voraussetzungen ist er sich im Klaren. Es braucht Glück, „wie überall im Leben“ und Disziplin. Um Karriere zu machen, „darf man sich nicht gehen lassen“. Die Gefahr besteht bei dem ehrgeizigen Modellathleten nicht. Er ist 1,90 Meter lang und wiegt 95,5 Kilo, einen Kraftraum hat er dennoch nie von innen gesehen. „Die Muskeln kommen alleine vom Box-Training“, beteuert Reisenhauer.

Respekt verschafft sich der 18-Jährige mittlerweile schon durch seine Statur. Wer die ignoriert, kann in Schwierigkeiten geraten. Was ihm auf dem Schulhof erspart blieb, musste Reisenhauer vor zwei Jahren nachholen: Die Boxkünste auf der Straße einzusetzen. In Göppingen haben ihn „mehrere Jugendliche angemacht“. Eine „leichte Prügelei ohne schlimmere Verletzungen“ reichte, um den Jungs klar zu machen, für ihren Frustabbau besser ein anderes Objekt zu suchen. Sie haben sich mit dem Falschen angelegt. Das, hofft Reisenhauer, sollen künftig auch seine Gegner im Ring nach dem Kampf denken.

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