Mit Steuerkunst und Muskelkraft

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  • Cheforganisator Albert Bosler blickt vom Quad aus auf den Streckenverlauf des Albtraufmarathons in der Nähe des Fuchsecks oberhalb von Schlat, Vereinsvorsitzender Kai-Uwe Frank schlägt mit dem Hammer eines der vielen Hinweisschilder in die Erde. 1/2
    Cheforganisator Albert Bosler blickt vom Quad aus auf den Streckenverlauf des Albtraufmarathons in der Nähe des Fuchsecks oberhalb von Schlat, Vereinsvorsitzender Kai-Uwe Frank schlägt mit dem Hammer eines der vielen Hinweisschilder in die Erde. Foto: 
  • Spannende Rennen sind am Sonntag auf den drei Strecken des ­Albtraufmarathons zu erwarten. 2/2
    Spannende Rennen sind am Sonntag auf den drei Strecken des ­Albtraufmarathons zu erwarten. Foto: 
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Sechsundneunzig Kilometer, ein Höhenprofil mit satten Anstiegen bei über 2500 Höhenmetern, die Oberschenkel und Waden bis zur Übersäuerung plagen, und Abfahrten, die maximale Steuerkunst erfordern – „wer sich hier durchsetzt, ist ein würdiger Deutscher Meister“, weiß Albert Bosler und lacht. Der Spruch sei nicht von ihm, sondern von einem Funktionär, der im Mai die Strecke abgenommen und für Meisterschafts-würdig befunden hat, erklärt der Cheforganisator des Gruibinger Albtraufmarathons, aber diese Form eines Ritterschlages tut dem 66-Jährigen mit dem kurzgetrimmten grauen Vollbart, der seit gut fünf Jahren so unglaublich viel Zeit in die Ausrichtung dieses Mountainbikerennens rund um Nordalb, Fuchseck, Kornberg und Boßler steckt, sichtlich gut. Morgen früh fällt zum fünften Mal der Startschuss und erstmals werden im Kreis Göppingen auf der Langdistanz die deutschen Meister im Mountainbike-Marathon ermittelt.

Wenig später schwingt sich Albert Bosler auf die Sitzbank seines Quads, drei weitere Helfer folgen mit zwei flachen, ebenfalls geländegängigen Transportfahrzeugen, beladen mit Hinweisschildern, Absperrbändern und einem kleinen Stromaggregat, um die für die Beschilderung nötigen Löcher zu bohren. Immer und immer wieder springen Sebastian Stolz, Jugendleiter beim ausrichtenden Verein Radsport Kirchheim, und Steffen Bazlen, eigentlich wie Stolz am liebsten selbst schnell auf dem Geländerad unterwegs, aber wegen des Studiums mit Trainingsrückstand, von ihrem Mini-Jeep, um Markierungen anzubringen. „Bei dieser Veranstaltung müssen alle helfen“, weiß Stolz und zieht das Trassierband lang, während Kai-Uwe Frank mit der umweltverträglichen, sich mit der Zeit auflösenden Forst-Leuchtfarbe einen roten Geradeaus-Pfeil auf dem Schotter anbringt. Frank, beruflich als Kfz-Sachverständiger im Einsatz, hat erst im April von Bosler den Vorsitz bei dem Kirchheimer 60-Mann-Verein übernommen und soll künftig auch die Marathon-Regie schultern. „Aber ich werde ihn unterstützen“, verspricht der ehemalige Berufsschullehrer Bosler, der den Klub seit der Gründung im Jahr 2010 geleitet hatte. Der 66-Jährige erklärt auch den Termin des Marathons immer am letzten Sonntag vor Schulbeginn mit einem Schmunzeln: „So hatte ich in den Sommerferien immer viel Zeit für den Albtraufmarathon.“

Am Wochenende werden knapp 350 Helfer benötigt, um die Mammutveranstaltung mit einem Etat von 18 000 Euro und je nach Wetter 700 bis 800 Teilnehmern zu stemmen. Natürlich sind Polizei, Feuerwehren, Sanitäter und THW mit im Boot, dazu kommt Unterstützung aus anderen Vereinen, um die Verpflegung der Sportler und Zuschauer zu bewältigen, während die Zeitmessung von einer Hamburger Firma professionell mit Transponder unter Aufsicht der Kampfrichter vom Bund Deutscher Radfahrer abgewickelt wird.

Viel früher gilt es die Genehmigungen für ein solches Event in der Natur einzuholen. Albert Bosler, der zuvor mit seinen Plänen im Kreis Esslingen auf viel Gegenwind gestoßen war, ist voll des Lobes über die konstruktive Zusammenarbeit mit den Göppinger Behörden. In Martin Geisel, Leiter des Kreisforstamts, und dem Ebersbacher Revierförster Christoph Reich sei er auf zwei begeisterte Hobby-Mountainbiker gestoßen, die die Idee vom anspruchsvollen Erlebnis entlang des Albtraufs mittragen. „Alle stehen hinter uns. Das ist sehr wichtig, sonst wäre alles noch viel aufwendiger“, sagt Albert Bosler und bezieht die zwölf Bürgermeister der Kommunen mit ein, die an der Strecke des Albtraufmarathons liegen.

Der erfahrene Funktionär setzt auf Kommunikation. „Der Naturschutz wird gehört und seine Anliegen berücksichtigt, im Kontakt mit dem Albverein nehmen wir Rücksicht auf die Zwei-Meter-Regel bei den Wegen, dafür gibt man uns aber auch einzelne Abschnitte frei. Das ist ein gutes Mitei­nander“, freut sich der Organisator über den fruchtbaren und ziel­orientierten Austausch. Dafür werden die Marathon-Teilnehmer in der Renn-Ausschreibung ausdrücklich darauf hingewiesen, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben und unterwegs nichts wegzuwerfen – sonst drohen Disqualifikation und 50 Euro Strafe.

Albert Bosler weiß, dass die Veranstaltung trotzdem ihre Gegner hat, die beispielweise im Vorfeld Altholz als Hindernisse quer über die Wege legen oder auch am Renn-Sonntag ein Auto mitten auf der Strecke parken, sodass in letzter Sekunde noch die Polizei einschreiten muss. Die Kirchheimer Radsportler können da­rüber nur den Kopf schütteln, einmal im Jahr müsse doch ein solches Event möglich sein. Schließlich habe Landrat Edgar Wolff den Albtraufmarathon sogar zum Pendant der Alb-Extrem der Straßen-Radsportler erklärt und der Bund Deutscher Radfahrer den DM-Wunsch formuliert. Albert Bosler muss wieder lachen: „Bei der Vorbesichtigung hieß es auch, das kann nur ein Verrückter aussuchen.“

Zeitplan Am Sonntag starten die DM-Teilnehmer (mit Lizenz) um 9.00 Uhr Männer, 9.02 und 9.04 Uhr Seniorenklassen (alle 96 km/ 2540 HM), 9.20 Uhr Frauen (87 km/2300 HM) – alle Nicht-Lizenzfahrer um 9.06 Uhr. Der Start für die Kurzdistanz (49 km) erfolgt um 9.30 Uhr, für die Familientour (20 km) um 9.35 Uhr und für die Mitteldistanz (69 km) um 9.50 Uhr. Start und Ziel befinden sich an der Sickenbühlhalle in Gruibingen.

Anmeldung Nachmeldungen für alle Nicht- Lizenzfahrer sind bis eine Stunde vor den Starts der Rennen möglich – im Internet unter www.gruibinger-albtraufmarathon.de

Programm Am Samstag findet im Zielbereich an der Sickenbühlhalle  ein Mountainbike-Sprint statt. Samstag und Sonntag ist zudem eine Bike-Expo aufgebaut.

Definition Bei einer Marathon-DM dürfen im Gegensatz zu Cross- Country-Rennen Jedermann-Radler im Feld der Lizenzfahrer starten.

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