In Runde sechs macht Firat Arslan den EM-Sieg perfekt

Vor 4500 begeisterten Zuschauern in der Göppinger EWS-Arena ist der 46-jährige Donzdorfer für Goran Delic viel zu stark und fordert weiter eine WM-Chance.

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Vor 4500 Boxfans in der Göppinger EWS-Arena gewann der Donzdorfer Cruisergewichtler Firat Arslan den Europameistertitel der World Boxing Organization (WBO) und ließ sich von seinen vielen Fans feiern.  Foto: 

Der Wucht des Firat Arslan hielt der am Ende völlig überforderte Goran Delic nur bis zur sechsten Runde stand. Nach einem Niederschlag durch eine krachende Gerade zum Kinn aus dem breiten Schlagrepertoire des glänzend aufgelegten Boxprofis aus Donzdorf und der schnellen anschließenden Aufgabe durch einen Handtuchwurf der bosnischen Ecke wurde dem 46-jährigen Arslan der Europameisterschaftsgürtel des Verbandes WBO im Cruisergewicht um die Hüften gelegt – die 4500 begeisterten Zuschauer feierten in der Göppinger EWS-Arena ihren Lokalmatadoren mit ohrenbetäubendem Jubel und waren sich mit dem Arslan-Lager einig: Ihr Liebling hat einmal mehr seinen Wunsch, noch einmal einen WM-Kampf bestreiten zu dürfen, mit einer perfekten Leistung untermauert.

Nach einer von beiden Seiten eher vorsichtigen, von gegenseitigem Abtasten geprägten ersten Runde erhöhte ein glänzend vorbereiteter Firat Arslan die Schlagzahl. Ungeheuer präsent und zielstrebig setzte der Lokalmatador seine Treffer, stets aus seiner bewährten Doppeldeckung heraus fand die rechte Führhand immer wieder ins Ziel. Kopf- und Körpertreffer wechselten sich nun ab, Rechts-Links-Kombinationen machten dem Kontrahenten, der im Laufe des Kampfes viel ein­stecken musste, das Leben schwer. Während der 43-jährige Bosnier meist mit zu tiefer Stirn die Auseinandersetzung suchte, setzte Arslan zunehmend öfter seine Hakenvarianten ein und dominierte alle Runden. Mit einer linken Geraden zum Kinn beförderte der Donzdorfer schließlich seinen Gegner in den Ringstaub, der sich, kaum auf den Beinen, einem erneuten Schlaghagel gegenübersah, dem die Trainer mit der Aufgabe ein Ende setzten.

„Ich war heute in der Form für einen WM-Kampf, aber das bin ich eigentlich jedes Mal. Ich wäre auch über zwölf Runden gegangen, aber diesmal ging es ohne Überstunden“, zeigte sich der alte und neue Europameister der ­World Boxing Organization (WBO) nach dem Kampf ohne Blessuren und blendend aufgelegt, „ich freue mich über einen gelungenen Abend in der Hölle Süd.“ Schließlich waren die Fans entgegen aller Befürchtungen zahlreich erschienen und hatten ihr Idol mächtig unterstützt. Auch Arslan-Freund und Ex-Schwergewichts-Europameister Luan Krasniqi war begeistert: „Das hat Firat heute sehr gut gemacht. Dass die bosnische Ecke so reagiert hat, war richtig, der Mann war fertig.“

Somit strahlten alle im Arslan-Lager mit ihrem Cham­pion um die Wette und hoffen weiter auf die angestrebte WM-Chance, die auch Veranstalter Erol Ceylan für realistisch hält. Zum einen sieht der Hamburger Promoter Arslans Chance als Nachrücker in der World Boxing Super Series mit acht Top-Cruisergewichtlern, die im September mit den Viertelfinals beginnt und im Mai 2018 endet, möglich wäre aber auch ein WBO-Titelkampf nach Abschluss der Super-Serie, so Ceylans Plan. Arslan-Manager Okan Yavuz hielt parallel die Überlegung aufrecht, gegen den WBA-Superchampion Denis Lebedev (Russland) anzutreten, der der Super-Serie fernbleibt – eine erste Kontaktaufnahme scheint erfolgt zu sein. Yavuz hält fest: „Wir treten gegen jeden an, der sich traut, und gehen dafür überall hin.“

Firat Arslan lauschte den berechtigten Lobeshymnen und ­Plänen mit einem Schmunzeln und dem Wissen, schon vor seinem definitiv letzten Profijahr mit sich und seiner Karriere im Reinen zu sein. „Ich mache 2018 meine 30 Jahre im Boxen voll und glaube an mich, egal, wie es letztendlich läuft.“

Kampfabend Im Laufe der Göppinger Box-Nacht sicherten sich die Deutschen Anatoli Muratov (gegen den Georgier Shavlego Tsamalaidze), Hüseyin Cinkara (gegen den Bosnier Petar Mrvalj), Agron Smakici (gegen den Bosnier Abdulnaser Delalic) und Ali Eren Demirezen (gegen den Bosnier Jasmin Hasic) jeweils K.o.-Siege. Der EM-Kampf von Fatih Keles im Superleichtgewicht gegen den Franzosen Renald Garrido endete Remis, Keles behält damit den WBO-EM-Gürtel.

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