Silke Spiegelburg auf dem Weg zurück zu alter Stärke

In Geislingen war Silke Spiegelburg nur ein kurzer Auftritt beschieden. Doch auch er war ein kleiner Schritt auf dem Weg zurück zu alter Stärke.

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Im dritten Anlauf will Silke Spiegelburg die 4,20 Meter bezwingen, scheitert aber.  Foto: 

Silke Spiegelburg: Bei diesem Namen hören alle Sportfans auf. Die 31-Jährige ist eine der ganz Großen nicht nur des deutschen Stabhochsprungs, zählt schon über Jahre beständig zur Weltspitze, auch wenn der Olympia- und mehrfachen WM-Vierten eine Medaille bei den großen Titelkämpfen bislang noch verwehrt blieb. Nun, am vergangenen Wochenende, war die Athletin des TSV Bayer 04 Leverkusen erstmals zu Gast beim Stabhochsprung-Meeting, brachte internationalen Glanz in die mit schweren Regenwolken verhangene Fußgängerzone.

Aus sportlicher Sicht wurde es aber für Spiegelburg im wahrsten Wortsinne ein Tag zum Vergessen: Eigentlich hätte sie sich beim erstmals ausgetragenen Frauenwettkampf ein Höhenduell mit Ex-LG-Filstal-Springerin Martina Schultze (Sindelfingen) und Regine Kramer (Leverkusen) liefern sollen. Ihre beiden Kontrahentinnen sagten jedoch kurz vor dem Wettbewerb krankheitsbedingt ab, so dass sie letztlich eine One-Woman-Show abliefern musste und zusammen mit den Nachwuchsspringern startete. „Da fehlt einem einfach der Druck der Konkurrentinnen, um Leistung zu bringen“, sagt Silke Spiegelburg.

Zum anderen spielten ihr – wie auch den Männern beim späteren Hauptwettkampf – die Wetterbedingungen nicht gerade in die Karten. Bei 4,20 Meter stieg sie ein, bei 4,20 Meter war nach drei ungültigen Versuchen auch schon wieder Schluss. Nach dem zweiten Anlauf hatte sie es ihrem Bruder und Trainer Richard Spiegelburg angezeigt: Hände feucht, keine Griffigkeit am Stab.

Selbst Tape hilft nichts

„Beim Einspringen war alles noch ganz o.k. – vielleicht ein bisschen frisch, aber man hat ja warme Klamotten an“, erzählt die Athletin, „aber Regen ist schon ein Problem, weil der Griff dann problematisch wird. Ich habe es nochmal mit Tape und Kleber versucht. Nur: Es bleibt halt schwierig“. Vor allem „weil mir nach dieser Verletztenmisere in den vergangenen Jahren ganz viel Routine und ganz viele Sprünge fehlen“, wie die dreifache Diamond-League-Siegerin freimütig eingesteht. So gesehen war auch der Geislinger Auftritt ein kleiner Schritt hin zu alter Stärke.

Begonnen hatte Silke Spiegelburgs Leidensgeschichte 2014 mit einem Haarriss am Kahnbein, es folgten Verletzungen an Fuß und Wade, diverse Infekte – die gesundheitlichen Probleme kosteten sie letztlich Rio 2016 – dazu noch im Herbst des Vorjahres eine Handverletzung und im Frühjahr ein Muskelbündelriss. Erst Mitte Juni war die gebürtige Georgsmarienhütterin in die Saison eingestiegen.

Dennoch spricht es für ihre Klasse, ihren Willen, nie aufzugeben, dass sie trotz aller Unbilden den Sprung zu den Welttitelkämpfen in London im August geschafft hatte – mit 4,55 Meter bei der DM in Erfurt Anfang Juli. Auch wenn sie das selbst eher als Zufallsprodukt einstuft. „Es war schon überraschend, dass ich mich für die WM qualifiziert habe. Damit hatte bei den deutschen Meisterschaften niemand gerechnet, nicht mal ich selbst.“

Weshalb es letztlich für Silke Spiegelburg zu verschmerzen war, dass sie – noch weit weg von ihrer Top-Form – in London in der Qualifikation ausschied. „Ich bin froh, dass ich in dieser Saison überhaupt etwas machen konnte. Zwischendurch hatte ich immer wieder kleine Wehwehchen, weil natürlich viel Training fehlt. Man ist viel anfälliger für irgendwelche Verletzungen“, erzählt die deutsche Rekordhalterin (4,82 im Jahr 2012): „Nun bin ich aber wieder gesund. Jetzt mache ich noch drei Wochen Pause, dann geht es wieder ins Aufbautraining. Ich will einfach nur gesund bleiben und wieder ganz, ganz viel Spaß haben. Der Erfolg kommt schon von selbst wieder.“

Auf dem Weg dahin ist dann auch wieder Richard Spiegelburg als ihr Trainer und Motivator gefordert. Er betreut seine Schwester seit 2014, seit ihrem Umzug nach Stuttgart. Auf den neun Jahre älteren Bruder, der selbst einer der besten deutschen Stabhochspringer war, hält sie große Stücke. „Als ich damals gefragt habe, ob er sich das vorstellen könne, hatte er gemeint, wir können es ja mal versuchen, er könne aber für nichts garantieren“, erzählt sie: „aber es funktioniert wunderbar, es war der richtige Schritt, ich habe ihn nie bereut“. Als Coach mache er klare Ansagen, so wie es große Brüder nun einmal tun, „aber er nimmt mich auch in Schutz, wenn es mal nicht so läuft“.

In Geislingen wieder an den Start zu gehen, das könne sie sich schon vorstellen, sagt die Athletin, „der Wettbewerb in der engen Altstadt, die Nähe zu den Zuschauern ist schon toll“. Laut Meeting-Direktor Klaus Täubert soll es trotz der etwas verpatzten Premiere erneut einen Frauenwettkampf geben, das Interesse daran sei groß. Silke Spiegelburg: „Da wünsche ich mir aber dann richtig gutes Wetter.“

Wunsch Warum wird man eigentlich Stabhochspringerin? Im Falle der Familie Spiegelburg scheint das klar zu sein: „Meine drei Brüder haben alle Stabhochsprung gemacht, ich bin als Nesthäkchen hinterher gekommen. Mein Vater hat uns alle trainiert“, erzählt Silke Spiegelburg, „das Thema ist also sehr prägnant in unserer Familie“. Angetrieben, den Stab in die Hand zu nehmen, habe sie aber ein ganz besonderer Wunsch, verrät die 31-Jährige: „Ich wollte immer fliegen. Als Kind habe ich beim Stabhochsprung zugeschaut und war fasziniert von der großen Matte, in die die Springer von ganz oben reingeflogen sind.“ Ihr Wunsch hatte sie dann auch zu immer größeren Höhen und Leistungen angetrieben. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich viel dafür tun und richtig hoch springen muss, damit der Flug länger dauert. Denn der war am Anfang leider immer ganz schnell vorbei.“

Duelle Beim Geislinger Stabhochsprung-Meeting hat sich auch der Nachwuchs präsentiert. Bei der U 16 lieferten sich die Neudeck-Zwillinge Felix und Oskar von der LG-Filstal, zwei der besten deutschen Nachwuchsathleten ihrer Altersklasse, ein Brüderduell. Sieger war Felix Neudeck mit 4 Meter, sein Bruder kam auf 3,80 Meter. Bei der U 20 ging das Duell Severin Zentgraf (Fliedern) gegen Fabian Brummer von der LG Filstal an den Hessen: Beide übersprangen zwar 4,40 Meter im ersten Anlauf, davor hatte aber Brummer bei 4,20 Meter zwei ungültige Versuche, Zentgraf indes schon beim ersten Satz die Latte liegen gelassen. Weil es in der Folge zu stark schüttete, musste der Veranstalter, die TG Geislingen, denn Wettkampf abbrechen.

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