"Wir leben die Ökumene"

Sporthalle oder Kirche am Sonntagmorgen - diese Frage führte vor 25 Jahren zur Gründung des Arbeitskreises Kirche und Sport. Jetzt blickt das Gremium des Sportkreises auf viele spannende Diskussionen zurück.

Was war im März 1985 ausschlaggebend für die Gründung des Arbeitskreises Kirche und Sport im Sportkreis Göppingen?

HANNELORE LAUG: Es ging vor allem um den Einsatz von Jugendlichen in ihren Vereinen bei Spielen am Sonntagvormittag, die zugleich als Ministranten oder Konfirmanden in der Kirche erwartet wurden.

Haben Sie eine Lösung gefunden?

LAUG: Wir haben in einigen Sitzungen darum gerungen, Spielzeiten auf andere Termine zu verlegen. Zudem haben wir Gottesdienste vor Ort initiiert, etwa bei Turnfesten oder auch beim Staufer-Marathon.

Im Anschluss haben sich viele weitere Themen gefunden. Wie fällt Ihre Bilanz nach 25 Jahren aus?

FELIX MÜLLER: Die beiden Kirchen und der Sport im Kreis Göppingen blieben im Gespräch und was wir hinbekommen haben, kann sich sehen lassen. Wir haben das Bewusstsein vieler Menschen gefördert, haben zum Beispiel beim Thema Scientology praktische Lebenshilfe gegeben oder auch die Empfehlung an die Kirchengemeinden ausgesprochen, ihre Räume für Sportler zu öffnen.

Gab es Rückmeldungen?

LAUG: In den Gemeindezentren finden mittlerweile Gymnastikstunden oder auch Weihnachtsfeiern und Tagungen der Vereine statt, wenn der Saal frei ist.

Nochmals zur inhaltlichen Arbeit. Welche Themen fanden besondere Resonanz?

MÜLLER: Etwa bei unserer Podiumsdiskussion zum Thema "Wird Mord alltäglich" haben wir gesellschaftliche Strömungen aufgegriffen, ein Forum geboten und die Menschen miteinander ins Gespräch gebracht.

LAUG: Auch der Gesprächsabend "Gewalt durch und im Sport" mit Fan-Forscher Professor Pilz fand 2007 große Resonanz. Spannend war auch der Besuch des Olympiapfarrers Heinz Summerer vor einigen Jahren. Mittlerweile haben wir auch zu mehreren Kirchenführungen im Landkreis eingeladen.

Wie darf man sich den die Arbeitsweise des Arbeitskreises vorstellen?

MÜLLER: Hannelore Laug oder künftig ihr Nachfolger Roland Bischoff, der evangelische Pfarrer Tobias Schart und ich treffen uns regelmäßig. Einmal pro Jahr, meist im Herbst, organisieren wir eine Hauptveranstaltung für die Öffentlichkeit. Künftig wird dabei Roland Bischoff das Ohr für die Seite des Sports offenhalten.

LAUG: Dabei leben wir die Ökumene. Bei uns fragt keiner, ob die Idee von katholischer oder evangelischer Seite stammt.

Herr Bischoff, was reizt Sie an dieser künftigen Aufgabe?

BISCHOFF: Ich finde diese Schnittstelle, die Überschneidung der Themenfelder Sport und Kirche richtig spannend und will dazu Ideen einbringen.

Welches Publikum erreichen Sie mit Ihren Themen, Ihren Veranstaltungen im Landkreis?

MÜLLER: Bei unseren großen Veranstaltungen freuen wir uns zum einen über ein Stammpublikum, aber darüber hinaus auch über speziell am jeweiligen Thema interessierte Gäste, die die Gelegenheit auch nutzen, um miteinander zu reden. Es gibt auch viele Menschen, die sowohl zur Kirche als auch zum Sport einen engen Kontakt haben, etwa viele Übungsleiter aus den Vereinen. Und schließlich besitzen ja beide Kirchen auch einen eigenen Sportverband.

Gibt es denn noch Themenfelder, die Sie nach dem Jubiläum aufarbeiten wollen?

MÜLLER: Grundsätzlich geht es uns immer um den Dialog in dieser Gesellschaft. Dabei stellt uns die Zukunft viele Fragen, etwa wie geht es weiter mit unserer Jugend, wie geht es weiter mit unserem Geld.

Bleibt auch noch eine Aufgabe, die in den vergangenen 25 Jahren nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte?

MÜLLER (lacht): Wir haben es nicht geschafft, dass unsere Pfarrer und pastoralen Mitarbeiter das Sportabzeichen abgelegt haben. Obwohl mehr körperliche Bewegung gut wäre, sind wir über ein paar Trainingseinheiten nicht hinausgekommen.


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Autor: HARALD BETZ | 30.06.2010

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