Firat Arslans letzte Chance

Es ist Firat Arslans letzte Chance im Ring. Nur wenn der Süßener Boxprofi morgen Nacht in Stuttgarts Porsche-Arena den Franzosen Steve Herelius bezwingt, kann er noch einmal Weltmeister werden.

Wer in dieser Woche Firat Arslan begegnet, trifft auf einen in sich gekehrten, konzentriert wirkenden, ehemaligen Box-Weltmeister, der weiß, um was es in der Nacht von Samstag auf Sonntag geht. Voraussichtlich kurz vor Mitternacht wird der 39-jährige Süßener nach 21-monatiger Abstinenz wegen eines Ermüdungsbruchs und eines Radunfalls wieder in den Ring zurückkehren - zu seiner eigenen Freude in der Stuttgarter Porsche-Arena, die aufgrund der zu erwartenden Zustimmung der heimischen Fans zu seinem Wohnzimmer werden dürfte. Arslan muss mit seinem Anhang im Rücken dieses Duell um die Interims-WM gewinnen, will er sich seinen Traum, ein zweites Mal den Weltmeistergürtel der World Boxing Association (WBA) zu gewinnen, verwirklichen. Schließlich wäre es nach seiner fürchterlichen Niederlage gegen Guillermo Jones (Panama), der ihm im September 2008 per technischem K.o. in der zehnten Runde den Titel entriss, die zweite Niederlage in Folge und damit das Aus seiner "schweren Karriere", in der der Deutschtürke, der 2007 mit einem Sieg über Virgil Hill zum Weltmeister im Cruisergewicht (bis 90,7 Kilogramm) wurde, lange Jahre um Anerkennung rang.

Verwehren will ihm diesen erneuten Weg zu einem WM-Kampf der 33-jährige Franzose Steve Herelius, der im Vorfeld des Duells eher locker mit der Herausforderung umgeht. "Ich habe mir in der Vorbereitung nur einen Arslan-Kampf angeschaut, das interessiert mich auch nicht besonders", gibt sich der dunkelhäutige Kahlkopf etwas großspurig, "ich konzentriere mich auf meine Stärken." Diese untermauert seine Kampfstatistik: Der Rechtsausleger aus der Nähe von Paris hat von 21 Profikämpfen 19 gewonnen, elf davon durch K.o. Seine einzige Niederlage hat er sich bei einem Abstecher ins Schwergewicht eingefangen. Der weit erfahrenere Firat Arslan hat von seinen 34 Profifights 29 gewonnen (18 durch K.o.) und musste vier Niederlagen einstecken, hält aber fest, "dass ich noch nie zu Boden ging". Bei seinem letzten Stuttgarter Auftritt im Mai 2008 besiegte er den US-Boy Darnell Wilson nach Punkten.

Des Respekts seines Gegners darf sich Arslan vor dem ersten Gong gewiss sein. "Ich kenne Firat schon aus Amateurzeiten, er ist stark und besitzt eine gute Mentalität", so Herelius, der sich seit Sonntag in der Landeshauptstadt befindet, wo sich auch Arslan seit Wochenbeginn in einem Hotel auf den Kampf einstimmt.

Dabei hat er mit seinem Trainer Michael Timm vom Hamburger Boxstall Universum noch einige Einheiten zur Vorbereitung absolviert. "Mit Michael Timm in der Ringecke bis ich gegen Hill Weltmeister geworden, das ist doch ein gutes Omen", weiß Arslan über die erneute Zusammenarbeit zu berichten. Dabei verlässt sich der Süßener auf seinen bewährten Box-Stil. "Ich habe mich mit meiner Art zu boxen immer gut geschlagen. Ich werde auch am Samstag auf Angriff boxen, denn wer sich wie ich immer im Nahkampfbereich aufhält, pflegt keinen defensiven Stil", hält der 39-Jährige jenen Kritikern entgegen, die ihm einen zu passiven Part im Ring vorwerfen.

Eine äußerst defensive Rolle nimmt Arslan allerdings ein, wenn er zu seiner Zukunft befragt wird. "Ich denke nur an den Kampf am Samstag", geht der Profi praktisch in Doppeldeckung. Er weiß um seine letzte Chance.

Info In der Halle des TSV Süßen gibt es am Samstag nicht nur um 16 Uhr ein Public Viewing vom WM-Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien, auch der Kampf Firat Arslans wird gezeigt. Einlass in die Halle ist ab 23 Uhr.


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Autor: HARALD BETZ | 02.07.2010

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