Dank Schempp steigt Stimmung

"Absolut positiv" überschreibt Staffel-Weltmeister Simon Schempp die lange und intensive Biathlon-Saison, die hinter ihm liegt. Vor dem Flug in den Urlaub hat der 26-Jährige das Weltcup-Jahr analysiert. Mit einem Kommentar von Harald Betz.

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    Gefragt: Simon Schempp war ein häufiger Interviewpartner im Weltcup-Winter. Foto: 
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    Freude pur in Finnland: Simon Schempp im Ziel als Staffel-Weltmeister. Foto: 
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"Alle, Athleten und Trainer von Frauen- und Männerteam, ziehen an einem Strang, das macht den neuen Teamspirit aus", hat Simon Schempp nach den gemeinsamen Monaten während der langen und intensiven Biathlon-Weltcupsaison seine Erklärung für den vielfach gelobten Zusammenhalt bei den deutschen Skijägern ausgemacht, "und zudem sorgen Erfolge für gute Stimmung." Somit hat auch das 26-jährige Aushängeschild der Skizunft Uhingen einen großen Anteil, dass Deutschlands Biathleten in den vergangenen Wochen viel Anerkennung ernteten.

"Meine Saison ist absolut positiv verlaufen", kann dann auch der Wahl-Ruhpoldinger behaupten, der nach zehn Weltcup-Wochenenden mit allein 25 Einzelrennen und zudem der in den Weltcup-Kalender integrierten Weltmeisterschaft im finnischen Kontiolathi im Konzert der Weltspitze mit 792 Punkten auf dem vierten Platz abschloss. Zudem sicherte Schempp als Schlussläufer der deutschen Männerstaffel das WM-Gold. "Wenn mir das vor der Saison einer vorausgesagt hätte, hätte ich sofort unterschrieben", signalisiert der Zollwachtmeister kurz nach dem Winterfinale große Zufriedenheit.

Mit Saisonendspurt nicht komplett zufrieden

Doch als Leistungssportler ist Schempp im ständigen Vergleich mit Weltcup-Gewinner Martin Fourcade und der übrigen Konkurrenz auch selbstkritisch genug, um die schwächeren Momente nicht zu übersehen. "Mit der Schlussphase der Saison bin ich nicht mehr ganz zufrieden", räumt der Uhinger ein, "die WM-Staffel war ein herausragend schöner Moment, aber an einer Einzelmedaille bin ich vorbeigeschrammt." Als einer der Favoriten war Schempp nach Finnland gereist, gleich im ersten Rennen gab es aber einen Tiefschlag zu verarbeiten, Platz 77 im Sprint. "Mich hatte es mit dem böigen Wind beim Schießen am ärgsten gebeutelt. Dieser Einstieg in die WM war nicht einfach zu verkraften", deutet der Modellathlet seine anschließende Verfassung an, Trainer Andreas Stitzl half bei der Aufarbeitung. Dass zugleich die Führung in der Weltcup-Sprintwertung weg war, "machte es noch bitterer, diese kleine Kristallkugel hätte mir viel bedeutet". Zwar gelangen anschließend im Einzel und im Massenstart zwei achte Plätze, doch die Einzelmedaille blieb ein Wunsch.

Dass auch das anschließende Weltcup-Finale in Russland nicht wie gewünscht lief, lag am Reisepass, den Schempp in eine Tasche nach Deutschland gepackt hatte, während er direkt nach Khanty-Mansjisk wollte. Der Umweg über Berlin, der zwei Tage kostete, war unvermeidbar, um den Ausweis wieder in den eigenen Händen zu halten. Dafür hatte sich Schempp eine Erkältung eingefangen, die ihn nach Platz 16 im Sprint zum Zuschauen zwang. "Somit lief es am Schluss nicht mehr rund", was für Schempp aber die Erinnerungen an die Saisonmitte nicht verwässern kann. "Die drei Wochenenden von Ruhpolding, Antholz und Nove Mesto mit den Platzierungen ganz vorne ergaben eine geniale Serie", kann sich Schempp nach wie vor über seine acht Podestplätze hintereinander freuen. All diese Erfahrungen werden in die Planung der neuen Saison einfließen, die mit dem Training Anfang Mai beginnt. "Ich will mich ja weiterentwickeln", sagt Schempp. Davor geht es aber erst noch in die Dominikanische Republik, Wärme, Sonne und Strand warten auf den Wintersportler.

Info Am Sonntag um 19 Uhr findet im Vereinsheim der SZ Uhingen in Sparwiesen ein Empfang für Simon Schempp statt.

Ein Kommentar von Harald Betz: Beharrlichkeit wird belohnt

Simon Schempp ist endgültig in der Weltspitze des Biathlons angekommen. Wer sich nach einer langen, wettkampf-intensiven Saison auf Platz vier des Gesamtweltcups wiederfindet, hat ein beeindruckendes Zeugnis seiner Leistungsfähigkeit abgelegt. Vor allem die Phase im Januar und Februar, als der 26-Jährige in Ruhpolding, Antholz und Nove Mesto gleich acht Mal in Folge aufs Podest stürmte, forderte Konkurrenz wie Öffentlichkeit großen Respekt ab. Mit vorzüglichen Laufzeiten in der Loipe und bestechender Treffsicherheit am Schießstand begeisterte der Mann von der Skizunft Uhingen seine Trainer und seine Fans und belohnte vor allem sich selbst für ein jahrelanges beharrliches Arbeiten für den Erfolg.

Dabei musste der Schwabe mit Wahlheimat Ruhpolding in den Vorjahren manchen gesundheitlichen Rückschlag wegstecken, zahlte Lehrgeld für nicht immer optimal dosiertes Training. Schempp hat nie aufgesteckt, sondern auch den ernüchternden 77. Platz im Sprintwettbewerb zum Auftakt der Weltmeisterschaft so verarbeitet, dass er sieben Tage später als gefeierter Schlussläufer der deutschen Gold-Staffel die deutsche Fahne ins Ziel trug.

Dass der akribische Schempp die Erfahrungen des vergangenen Weltcup-Winters dazu nutzen wird, um kommende Saison noch besser abzuschneiden, ist anzunehmen. Dass er dennoch bodenständig und bescheiden bleibt, macht ihn zum sympathischen Vorbild.

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