Hängepartie bei Vertragsverlängerung mit Michael Kraus

Mit einem starken Auftritt im Bundesliga-Derby hatte Michael Kraus großen Anteil am Göppinger 34:30-Sieg über HBW Balingen-Weilstetten. Die Zukunft des Frisch-Auf-Spielmachers bleibt aber weiter offen. Mit Kommentar

HARALD BETZ |

Frisch-Auf-Trainer Magnus Andersson war nach dem souveränen 34:30 (17:13)-Heimsieg im emotionslosen Bundesliga-Duell mit dem HBW Balingen-Weilstetten voll des Lobes über seinen Regisseur. „Mimi Kraus hat eine überragende Partie gemacht. Er war torgefährlich und hatte unser Spiel, auch was die Taktik anging, im Griff.“

Dabei hat der Weltmeister von 2007, dessen Kontrakt nach drei Jahren zum Saisonende ausläuft, abseits des Spielfelds momentan einen schweren Stand – der Spielmacher wurde zum Spielball der Frisch-Auf-Funktionäre. Denn die Frage zur noch nicht erfolgten Vertragsverlängerung für den gerade gepriesenen Kraus beantwortete Aleksandar Knezevic, Sportlicher Leiter des Erstligisten, in der via Lautsprecher in die Arena übertragenen Pressekonferenz völlig nebulös: „Die Gründe kann ich leider nicht nennen. Ich darf die nicht nennen.“ Frisch-Auf-Geschäftsführer Gerd Hofele hatte zuletzt erklärt: „Eine Entscheidung ist nicht getroffen, diese hängt von mehreren Faktoren ab.“

Michael Kraus hatte unter der Woche beim Frisch-Auf-Fantalk einem Anhänger auf Nachfrage seine Situation achselzuckend beschrieben: „Mir wurde gesagt, dass die aktuellen Umstände momentan eine Vertragsverlängerung nicht ermöglichen.“ Weshalb der 129-fache Nationalspieler, der anschließend im Auftrag seines „Herzensvereins“ Autogrammwünsche erfüllte, nun gemeinsam mit seinem Berater die eingegangenen Angebote anderer Vereine prüfen will.

Ob sein derzeitiger Arbeitgeber plant, frei werdende Gelder bei einer vermuteten Trennung vom eigentlich bis 2017 an Frisch Auf gebundenen Kévynn Nyokas für eine Kraus-Weiterverpflichtung einsetzen zu können oder ob Trainer Magnus Andersson für die kommende Runde gar einen anderen Spielmacher nach Göppingen lotsen möchte, bleibt damit weiter Spekulation. Fakt ist, dass Frisch Auf für die neue Saison 14 Spieler unter Vertrag hat, mit einem zweiten, noch nicht benannten Rechtsaußen wären es 15. Noch einmal Gerd Hofele zu dieser Hängepartie: „Wir müssen bei Mimi Kraus abwarten, wie unsere Kadersituation aussieht.“

Dabei war vor drei Jahren die Rückkehr des jungen Stars der WM 2007 im eigenen Land zu seinem ersten Bundesligaverein im großen Stil gefeiert worden. Gleich drei Unternehmen hatte Frisch Auf dafür ins Boot geholt, Ziehvater Velimir Petkovic freute sich als damaliger Trainer über die Wiederverpflichtung des verlorenen Sohnes, der nach jeweils drei Jahren in Lemgo und in Hamburg wieder in den Süden kam.

Gerd Hofeles Vision freilich, geäußert exakt heute vor drei Jahren bei der Präsentation von Kraus bei einem Salacher Sponsor, dürfte kaum noch erfüllt werden. „Kraus bleibt drei Jahre, weil er bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio das deutsche Team anführen soll“, hatte der Manager prophezeit. Jetzt ist Europameister Deutschland zwar qualifiziert, aber „Mimi“ würde sich schon freuen, wenn er auch künftig Frisch Auf anführen dürfte.

Ein Kommentar von Harald Betz: Zukunft als Possenspiel

Bei Michael „Mimi“ Kraus und der Frage um eine Vertragsverlängerung unter dem Hohenstaufen zeigt sich die Handballwelt, und erst recht das Lager der Frisch-Auf-Anhänger, gespalten wie selten. Absolut nachvollziehbar. Seine Verehrer lieben den Weltmeister von 2007 für Aufsehen erregende Auftritte als torgefährlicher Spielgestalter wie am Mittwochabend beim 34:30-Derbysieg über Balingen. Seine Gegner sehen in dem auf die Offensive beschränkten 32-Jährigen eine teure Personalie im Göppinger Profikader mit vielen enttäuschenden Auftritten während der vergangenen knapp drei Jahre, die zudem lange von der offenen Frage um eine Sperre nach seinen verpassten Dopingkontrollen überlagert waren.

Aktuell präsentiert sich der Familienvater körperlich wie spielerisch in guter Verfassung und scheint um eine zumindest einjährige Verlängerung bei seinem „Herzensverein“ zu spielen. Doch der Traditionsklub macht aus der Entscheidung, ob Kraus weiter das grün-weiße Trikot trägt, eine Posse. Wir wollen Kraus vielleicht behalten, können ihm aber keinen Vertrag anbieten, lautet die Botschaft aus der Frisch-Auf-Zentrale. Müssen die Fans jetzt Mimi-Bausteine kaufen? Oder drückt sich Manager Gerd Hofele vor dem Bekenntnis, dass Kraus keinen Platz im Team 2016/17 hat? Wo bleibt die klare Ansage vom sportlichen Leuchtturm der Region? Die Geduld der Fans und von Kraus selbst ist über die Maßen strapaziert.

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