Dodo Oprea wird ein Zebra

Die Zebra-Hemden des THW Kiel sind ein Markenzeichen, künftig trägt auch Dragos Oprea das schwarz-weiß gestreifte Trikot des Rekordmeisters. Der Linksaußen unterschrieb bis Jahresende. Mit einem Kommentar von Harald Betz.

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Hat allen Grund zur Freude: Dragos Oprea, langjähriger Linksaußen von Frisch Auf Göppingen, hat beim THW Kiel einen Vertrag unterschrieben.  Foto: 

Vergangenes Wochenende noch lief Dragos Oprea für den TV Steinheim in der Württembergliga auf. Als versierte Kraft mit langjähriger Bundesliga-Erfahrung im rechten Rückraum eingesetzt, steuerte der 33-Jährige bei der 23:25-Heimniederlage gegen Langenau einen Treffer bei. Vorerst bleibt es bei diesem einen Einsatz in der fünften Liga – der Routinier, dessen Vertrag bei Frisch Auf Göppingen im Sommer nicht verlängert worden war, kehrt auf die große Profihandball-Bühne zurück.

Der gebürtige Rumäne hat beim THW Kiel einen Vertrag bis zum Jahresende unterschrieben, Trainer Alfred Gislason plagten beim deutschen Rekordmeister zuletzt Personalsorgen auf der Linksaußen-Position: Dominik Klein fehlt nach einer Kreuzbandoperation noch Monate, den für ihn aus Hamburg geholten Torsten Jansen zwingen Bandscheibenprobleme zum Zuschauen, es blieb nur der 22-jährige Rune Dahmke. „Die Belastung wäre für den jungen Dahmke bei knapp 30 Spielen bis Ende Dezember wohl zu hoch, deshalb hat mich Alfred Gislason angerufen“, so „Dodo“ Oprea am Donnerstag, „und ich habe alles in 30 Minuten entschieden.“ Rechtzeitig, um auch international auflaufen zu dürfen, wurde der Vertrag gegengezeichnet, Oprea, der diese Woche noch eine leichte Adduktorenzerrung in Göppingen behandeln lässt, fliegt am Samstag in den Norden und wird am Montag in Kiel ins Training einsteigen, um am Mittwoch (20.15 Uhr, EWS-Arena) wohl sein erstes Spiel für den neuen Arbeitgeber an alter Wirkungsstätte gegen Frisch Auf zu absolvieren. Dabei durfte der Familienvater, der Frau und Sohn in Göppingen zurücklässt und in Kiel eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommt, bis zuletzt bei den Grün-Weißen regelmäßig mittrainieren, wofür er Coach Magnus Andersson sehr dankbar ist.

„Das werden aufregende Wochen werden, ich bin gespannt und glücklich zugleich“, kommentierte Oprea die Fügung, dass der Top-Klub einen Außen suchte und der in den vergangenen Wochen von Dinamo Bukarest hingehaltene Ex-Nationalspieler im richtigen Moment dank einer Ausstiegsvereinbarung in Steinheim reagieren konnte. „Diese sieben Monate seit der Frisch-Auf-Entscheidung gegen eine Vertragsverlängerung mit mir und mit den Bukarest-Erlebnissen waren echt hart für mich, aber mein positives Denken habe ich nie verloren und jetzt ist prompt die Tür aufgegangen“, freut sich der Mann mit über 500 Pflichtspielen für die Göppinger, „das ist jetzt natürlich eine Riesenchance für mich, mich national und international zu zeigen.“ Oprea wird in Kiel, weil seine Lieblingsnummer fünf bereits vergeben ist, die 55 auf dem Rücken tragen.

Da kann es der in Bukarest geborene Profi auch verschmerzen, dass sein erstes Länderspiel für Rumänien weiterhin auf Eis liegt. „Ich habe alles dafür getan, habe aber noch immer keinen rumänischen Pass“, erklärt Oprea, „ich wünsche mir auch noch immer, dass das klappt.“ Jetzt gilt aber die ganze Aufmerksamkeit der neuen Aufgabe in Kiel. „Dass ich mal noch das THW-Trikot trage, hätte ich nicht mal zu träumen gewagt“, versichert „Dodo“ und strahlt vor Glück.

Ein Kommentar von Harald Betz: Vom Glück geküsst

Mehr Emotion geht nicht. Bei aller Distanz zu Gefühlsduselei und Tränendrüse, Dragos Oprea wurde vom Glück geküsst. Schließlich suchte der Handball-Profi, der Frisch Auf Göppingen 15 Jahre die Treue gehalten, aber im vergangenen Sommer keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte, nach rund 500 Pflichtspielen für den Traditionsverein zunächst vergeblich einen neuen Arbeitgeber. Dass jetzt der deutsche Rekordmeister und Champions-League-Gewinner THW Kiel bei ihm anklopft, hatte der Familienvater nicht mal zu träumen gewagt. Gerade noch auf dem Abstellgleis mit Spielpraxis beim Württembergligisten TV Steinheim, eröffnet sich dem 33-Jährigen eine Option zur Karriere-Verlängerung, die dem Gros der Berufshandballer versagt bleibt. Dabei musste Oprea in den vergangenen Monaten erst einmal heftige Nackenschläge wegstecken. Die vom Verein getroffene, nachvollziehbare Entscheidung, sich vom langjährigen Akteur zu trennen, schmerzte den Linksaußen enorm, die mühsame Suche eines neuen Klubs, verbunden mit den Vertragsquerelen mit Dinamo Bukarest, machte dem gebürtigen Rumänen anschließend zu schaffen. Auch in Sachen rumänischer Nationalmannschaft herrscht Stillstand. Seinen Pass hat Oprea immer noch nicht. Jetzt kann der Göppinger Publikumsliebling wieder nach vorn schauen - und tritt gleich im ersten Spiel für Kiel am Mittwoch in Göppingen an.

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