Frisch-Auf-Frauen „hätten nichts gegen Europa“

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Aleksandar Knezevic ist mit den Frisch-Auf-Frauen sportlich auf Erfolgskurs und arbeitet an der finanziellen Konsolidierung. Foto: Eibner  Foto: 

Nach acht Spieltagen belegen die Handballerinnen von Frisch Auf Göppingen in der Bundesliga überraschend den fünften Platz. Im Interview mit der NWZ spricht Trainer und Geschäftsführer Aleksandar Knezevic über die Gründe des Erfolgs.

Herr Knezevic, lassen Sie uns ­zunächst einen Blick auf den interna­t­ionalen Handball werfen. 2017 findet in Deutschland die Frauen-WM statt. Auch Göppingen hatte sich als Austragungsort beworben, wurde aber nicht berücksichtigt. Warum?

Aleksandar Knezevic: Das war eine sportpolitische Entscheidung und lag nicht an uns. Natürlich hätte ich mich gefreut, wenn die WM auch in Göppingen Station machen würde, aber es hat leider nicht geklappt.

Vor einer Woche ging die Frauen-EM in Schweden zu Ende. Wie intensiv haben Sie die Titelkämpfe verfolgt?

Knezevic: Sehr intensiv. Immer wenn ich Zeit gehabt habe, habe ich mir die Spiele angeschaut.

Was sagen Sie zu der Leistung Ihrer drei Spielerinnen Michaela Hrbkova, Lina Krhlikar und Petra Adamkova?

Bei allen Drei ist es gut gelaufen. Sie haben gut gespielt, und ich freue mich natürlich für sie.

Haben Sie auch ein paar interessante Spielerinnen für Frisch Auf Göppingen entdeckt?

Es ist immer interessant zu schauen, ob es Kandidaten für uns gibt. Es gab schon Spielerinnen, die für uns in Frage kämen, aber die finanziellen Voraussetzungen müssen natürlich stimmen.

Wenn der Weihnachtsmann Ihnen eine Spielerin schenken würde, wen würden Sie nehmen?

Da waren bei der EM schon einige dabei, zum Beispiel mehrere aus der deutschen Nationalmannschaft.

Acht Spieltage liegen in der Bundesliga mittlerweile hinter uns. Ihre Mannschaft liegt auf Rang fünf. Kommt diese gute Platzierung für Sie überraschend?

Ich habe es gehofft, aber nicht damit gerechnet.

Worin liegen die Gründe?

Da müssen wir zunächst in die vergangene Saison zurückblicken. Seit Februar zeigen wir gute Spiele. In dieser Saison haben wir daran angeknüpft. Mittlerweile sind wir eingespielt, es gibt eine klare Hierarchie in der Mannschaft. Außerdem sind wir sowohl fitnessmäßig als auch mental gut vorbereitet gewesen.

Wie kann man sich das mentale Training vorstellen?

Im mentalen Bereich arbeiten wir bereits seit Februar erfolgreich mit Frank Fuhrmann zusammen. Es finden Gruppensitzungen und individuelle Gespräche statt, je nach Bedarf. Dies geschieht nicht nur in Krisensituationen, sondern auch, wenn es gut läuft. Manchmal vor, manchmal nach dem Training.

Woran lag es, dass es in der vergangenen Spielzeit bei Ihrem Team nicht so gut lief?

Wir hatten vor der letzten Saison einen großen Umbruch. So etwas zu bewerkstelligen, braucht natürlich Zeit. Deshalb haben wir eine schlechte Hinrunde gespielt. In der Rückrunde lief es dann deutlich besser. Wir haben nicht nur die Spiele gewonnen, sondern auch schönen Handball gespielt, mit einer offensiven Abwehr und mit viel Geduld und Disziplin im Angriff.

Das Saisonziel war es, frühzeitig den Klassenerhalt zu schaffen. Werden die Ziele geändert?

Nein. Das Ziel bleibt, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu schaffen. Danach wollen wir Richtung Top Ten schielen. Wo wir am Ende schließlich rauskommen, ist völlig offen.

In der vergangenen Saison gab es fünf deutsche Starter im Europapokal. Sie sind mit den Frisch-Auf-Frauen derzeit Fünfter. Ist Europa ein Thema bei Ihnen?

Das ist zu früh und vielleicht zu euphorisch, aber wir hätten natürlich nichts dagegen.

Wie sieht die finanzielle Situation bei den Frisch-Auf-Frauen aus? Sie wollten die „Schwarze Null“ erreichen. Ist dies gelungen?

Leider noch nicht, aber es wird jedes Jahr besser. Ob es am Ende dieser Saison klappt, ist im Moment schwer zu sagen. Das hängt nicht nur von den Sponsoren ab, sondern unter anderem beispielsweise auch von den Zuschauerzahlen.

Wie ist es Ihnen trotz bescheidener finanzieller Mittel gelungen, Leistungsträgerinnen wie Michaela ­Hrbkova zu halten?

Wir vermitteln jeder Spielerin neben dem Handball den passenden Job für ihre Zukunft. Bei uns gibt es keine Profis. Es ist wichtig, dass sie nach dem Handballspielen eine berufliche Perspektive haben. Michaela Hrbkova beispielsweise ist sehr zufrieden bei uns, mit der Atmosphäre, mit der Umgebung. Sie fühlt sich hier wie zu Hause und hat auch den passenden Job.

Die Handball-Bundesliga der Frauen hat erstmalig das Jugendzertifikat an die Vereine der 1. und 2. Liga vergeben. Frisch Auf hat kein Zertifikat bekommen. Warum?

Unsere Jugendarbeit ist sehr gut. Wir haben das Zertifikat nicht erhalten, weil unsere zweite Frauenmannschaft eine Klasse zu niedrig spielt. Wichtig ist für mich die Jugendarbeit, aber wir werden natürlich versuchen, beim nächsten Mal die Kriterien zu erfüllen.

Aleksandar Knezevic (48) spielte von 1999 bis 2007 für Frisch Auf Göppingen. Von 2009 bis heute coacht er das Frauen-Team des Bundes­liga-Klubs – mit einem halben Jahr Unterbrechung, denn in der zweiten Halbserie der Saison 2013/2014 sprang er als Interimstrainer bei den Männern ein. Zudem ist er Geschäftsführer bei den Frauen und Sportlicher Leiter bei den Männern.

Zum Finale des Jahres empfangen die Göppinger Bundesligahandballerinnen den TV Nellingen am morgigen Mittwoch um 19.30 Uhr in der EWS-Arena. „Wir freuen uns tierisch, endlich wieder Handball zu spielen“, bringt Anja Brugger die Vorfreude in der Mannschaft zum Ausdruck. Nach fast sechs Wochen EM-Pause und vielen Fitness-Einheiten brennen die Frisch-Auf-Frauen darauf, endlich wieder auf Punktejagd zu gehen. „Echt cool, dass es dann auch noch gleich ein Derby ist und wir sofort zeigen können, was wir drauf haben“, ergänzt die Spielführerin der Grün-Weißen.

Aleksandar Knezevic ist ebenfalls froh, dass die lange Pause endlich vorbei ist. Im Training wurde viel geschuftet. „Wir haben die Schwerpunkte auf die körperliche Fitness und natürlich den Handball gelegt“, beschreibt der Coach die Arbeit der vergangenen Wochen, wohlwissend, dass es gerade die körperliche und mentale Stärke war, die seinen kleinen Kader im ersten Saisonabschnitt auf den sensationellen fünften Platz katapultiert hat. Aber auch neben dem Feld war Knezevic fleißig, einige Verträge wurden bereits verlängert, weitere Zusagen sollen folgen. So können sich die Frisch-Auf-Frauen morgen auf die sportliche Aufgabe konzentrieren.

Auf dem Papier scheint diese lösbar zu sein, denn der TV Nellingen reist als Tabellenletzter unter den Hohenstaufen. Die Bilanz von Trainer Pascal Morgant und seiner Truppe ist ernüchternd: 0:16 Punkte, dazu das schlechteste Torverhältnis der Liga, der Stachel der Schwaben Hornets blieb bisher stumpf, dennoch sieht man auf den Fildern Licht am Ende des Tunnels. „Nellingen ist inzwischen in der Liga angekommen, die letzten Ergebnisse zeigen einen klaren Aufwärtstrend“, analysiert Knezevic und warnt sein Team sogleich: „Sie können ein gefährlicher Gegner sein, und wir müssen voll konzentriert an die Aufgabe herangehen.“

Dass die Göppingerinnen den letzten Vergleich im DHB-Pokal Anfang Oktober klar mit 31:23 gewinnen konnten, spielt für den Frisch-Auf-Trainer keine Rolle mehr. Vielmehr schaut er auf seine Mannschaft, die mit 10:6 Punkten glänzend positioniert ist. „Für uns ist ein guter Start sehr wichtig, und natürlich möchten wir unsere tollen Auftritte aus dem Herbst fortsetzen“, erklärt der Coach. Ganz nebenbei wollen die Grün-Weißen auch ihre Heimserie ausbauen, denn es winkt der achte Sieg in Folge in der heimischen EWS Arena.

Metzingen-Gastspiel verlegt Eigentlich wollten die Frisch-Auf-Frauen mit einem Derby-Doppelpack über die Jahre gehen, doch der Europapokaleinsatz der TuS Metzingen macht den Grün-Weißen einen Strich durch die Rechnung. Daher wurde das ursprünglich auf den 6. Januar terminierte Spiel gegen die „TusSies“ auf den 18.01.2017 verlegt. Die Spielverlegung kostet die Grün-Weißen nicht nur die ganz große Kulisse mit ihrer Atmosphäre, sondern natürlich auch erwartete Einnahmen. hr

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