Kölns Europacup-Comeback: Ein Hauch von Karneval in London

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Freuen sich auf die Rückkehr des 1. FC Köln auf die europäische Fußball-Bühne: Trainer Peter Stöger (r) und Sportdirektor Jörg Schmadtke. Foto: Stefan Puchner  Foto: 

Rund 10 000 Fans reisen ohne Ticket an, manche sind schon seit Tagen mit dem Fahrrad unterwegs, und der German Pub wird außer Kölsch vom Fass auch Mettbrötchen anbieten:

Die Anhänger des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln nutzen das erste Europacup-Spiel ihres Vereins seit einem Vierteljahrhundert zu einer großen Party und verbreiten einen Hauch von Karneval in der Weltmetropole London.

Doch zum Comeback-Spiel auf Europas Fußball-Bühne am Donnerstag (21.05 Uhr) reist der FC als größtmöglicher Außenseiter. Das vermeintliche B-Team des FC Arsenal mit den Weltmeistern Per Mertesacker und Shkodran Mustafi - Mesut Özil wird wie ein halbes Dutzend weiterer Stars geschont - ist laut Koeffizient der stärkste Verein der Europa League. In diesem Jahrtausend hatten die Gunners immer in der Champions League gespielt. Der FC legte derweil mit drei Niederlagen und 1:7 Toren als Tabellenletzter den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin.

Die Stimmung in den letzten Wochen war entsprechend gedrückt, doch vor dem ersten Europacup-Spiel nach 9115 Tagen kehren Euphorie und Entschlossenheit langsam zurück. Am Mittwochmorgen stiegen die Mitglieder des FC-Trosses überwiegend mit entschlossenem Blick und sichtlicher Vorfreude in die Chartermaschine nach London. „Es wird schwer, aber ich habe ein ganz gutes Gefühl“, sagte Trainer Peter Stöger: „Das ist eine richtig lässige Aufgabe. Jeder hat sich das Los gewünscht, es ist eine große Chance, uns zu präsentieren.“

Vize-Präsident Toni Schumacher, bei vielen legendären Europacup- Duellen als Torhüter dabei, betonte in der „Bild“: „Angst ist ein schlechter Ratgeber.“ Stattdessen kriege er „Gänsehaut, wenn ich an den Anpfiff denke“. Und Torhüter Timo Horn ergänzte: „Der Verein hat 25 Jahre auf diesen Moment gewartet. Den sollen alle genießen und den werden wir uns nicht von den ersten drei Wochen kaputtmachen lassen.“

Der Verein feuert die Vorfreude der Fans durch humorige Videos unter dem Motto „Return of the Goat“ („Die Rückkehr des Geißbocks“) an. 20 465 Kartenwünsche gingen beim FC ein, obwohl der Verein nur 2900 Tickets erhielt, reisen mehr als 10 000 Köln-Fans nach London. Arsenal warnte bereits, alle FC-Anhänger im gegnerischen Block des Stadions zu verweisen. „Der Ansturm ist unglaublich“, erklärte der Fanbeauftragte Rainer Mendel: „Beim UEFA-Cup-Finale 1986 bei Real Madrid waren gerade mal 400 Fans dabei.“ Auch Stöger beeindruckt die Unterstützung. „Die Glücklichen sind im Stadion, die anderen werden abseits des Stadions in der Stadt und den Pubs ihren Spaß haben“, sagte er: „Und wenn es dann noch den Hauch einer Überraschung gäbe, wäre das schön.“

Der Rapper Mo Torres, der dem FC zum Europa-League-Einzug ein Lied widmete, ist schon länger in London und fährt dort mit einem mit Wimpel, Schals und Fahnen geschmückten Ford Taunus umher. 13 Stunden brauchte er in dem 54 Jahre alten Auto bis nach London. Deutlich länger benötigten zwei Mitglieder des Fanclubs „Fründe Bollerböcke“. Sie hatten sich laut „Express“ vor 14 Jahren geschworen, mit dem Fahrrad anzureisen, falls der FC je wieder ein Europacup-Spiel bestreiten sollte - und hielten nun Wort.

Auch den Spielern und dem Trainerteam ist bewusst, dass dieses Spiel ein ganz besonderes ist. Und so ist auch diese Woche keine wie jede andere. Seit Montag trainiert der FC mit dem offiziellen Europa-League-Spielball, um sich an ihn zu gewöhnen. Am Dienstag fand das Training ausnahmsweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und am Donnerstag wird auch der überzeugte Kapuzenpulli-Träger Stöger - vom Verein dieser Tage scherzhaft als „The Austrian One“ präsentiert - wohl im feinen Anzug an der Seitenlinie stehen.

Informationen zum Spiel bei uefa.com

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