GLOSSE: Trainer lügen nicht

Die Winterpause ist vorbei, jetzt beginnt die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte. Die erste Runden auf dem Rasenplatz im Eybacher Tal. Wir laufen und laufen und laufen, hat der Trainer denn heute nichts mehr vor? Laufen wir durch bis morgen früh? Egal, es ist Vorbereitung, und da muss es schon mal krachen.

Aber langsam wirds mir zu bunt. Der Mistkerl hat uns gerade zum 48. Mal ums Geläuf geschickt, jetzt muss mal Schluss sein. Hey Coach, mach mal Pause, wagt einer von uns zu rufen. Ein süffisantes Lächeln verzieht die Mundwinkel des Antreibers, der uns um sich versammelt und in gefährlich leisem Ton eine Ansprache hält. Wer sich in den Punktspielen zu wenig bewege, der müsse das eben im Training tun.

Die Ansprache ist viel zu kurz. Als der Coach fertig ist, pfeifen mir immer noch die Lungen von den 48 Runden. Aber jetzt wirds erst richtig lustig. Die nächste Einheit leitet unser Medizinball-Trainer. Was diese schweren Klumpen mit Medizin zu tun haben sollen, muss mir erst mal einer erklären. Mich machen sie eher krank.

Im Sitzen müssen wir uns die Dinger zuwerfen. Meine Nebensitzer kenne ich gar nicht, die spielten vor der Winterpause noch in Vorder-Uralesien oder sonst irgendwo. Hoffentlich können die auch Fußball spielen, oder hat unser Trainer-Manager mal wieder den Schwager des Busfahrers verpflichtet. Das wäre auch nicht so schlimm, im Sommer wird sowieso wieder die halbe Mannschaft ausgetauscht. Elf Freunde müsst Ihr sein? Das kann so nicht funktionieren, ich bin schon froh, wenn ich überhaupt die Namen der Jungs richtig aussprechen kann, bevor sie wieder gehen müssen.

Der Afghane mit dem rumänischen Pass und einer saarländischen Urgroßmutter macht als erster schlapp. Nachdem er 64 Mal den Medizinball gefangen und wieder geworfen hat, versagen ihm die Armmuskeln den Dienst. "Ab sofort trainierst du in der zweiten Mannschaft", herrscht ihn der Trainer an. Hamid - ich glaube so heißt der Junge, er soll Stürmer sein, - versteht zwar kein Wort, aber er hat Tränen in den Augen. Dazu hat er auch allen Grund. Trainer lügen nicht. Und wenn unserer einen Spieler loswerden will, dann tut er das auch.

Ich habe jetzt den 97. Ball gefangen und geworfen. Ich kann nicht mehr, da kommt wieder einer geflogen, trifft mich am Kopf und - jetzt ist mir alles klar. Der Trainer des SC Geislingen heißt zum Glück Andreas Strehle und nicht Felix Magath, ich bin Redakteur und kein Fußballer. Ich muss schlecht geträumt haben.


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Autor: THOMAS FRIEDRICH | 01.02.2012

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