Ulmer Basketballer hadern mit ihrer Leistung im Derby

Ulm.  Das Bekenntnis war eindeutig: "Wir waren einfach schlecht", meinte Coleman Collins nach der 76:84-Niederlage der Ulmer Bundesliga-Basketballer gegen Ludwigsburg. In der Tat: Die Derby-Pleite war hausgemacht.

Es war die Nacht der langen Gesichter bei den Bundesliga-Basketballern von Ratiopharm Ulm: Tief geknickt machte sich die Mannschaft von Trainer Mike Taylor nach der 76:84 (43:40)-Niederlage gegen ENBW Ludwigsburg auf, um - ganz pflichtbewusst - mit den Fans am Spielfeldrand abzuklatschen, während die Anhängerschar der Gäste im Hintergrund skandierte: "Die Nummer eins im Land sind wir." Das tat denn auch richtig weh, zumal die Taylor-Truppe schon das Hinspiel mit 71:80 verloren hatte. Nun bleibt als letzte Chance, nicht aus allen vier Derbys als Verlierer herauszugehen, die Partie gegen Tübingen am letzten regulären Spieltag, dem 1. Mai. Gegen die Tigers steht bislang die 78:94-Niederlage vom 30. Dezember zu Buche.

Doch daran wollte Samstagnacht bei den Ulmern noch niemand denken, zu sehr nagte an ihnen der Frust über eine am Ende fahrlässig vergebene Partie. "Wir waren einfach schlecht. Schlecht verteidigt, schlecht getroffen - mehr kann man dazu nicht sagen", meint Coleman Collins, der sich gegen seinen ehemaligen Klub - er war dort in der Spielzeit 2007/2008 - wesentlich mehr erhofft hatte. Auch Rocky Trice, der als einziger Normalform gezeigt hatte, musste sichtlich um Fassung ringen: "Jede Niederlage schmerzt. Aber diese tut besonders weh, denn die Derbys sind immer eine Sache, die mit Stolz zu tun hat. Wir sind nicht in Normalform aufgetreten. Zu viele Ballverluste, zu wenig Konzentration", sagt er.

Was also lief schief? Schließlich war der Ausgang der Partie bis zum letzten Viertel - da stand es 57:62 aus Ulmer Sicht - noch völlig offen. Blickt man nur auf die letzten zehn Minuten, schlidderten die Taylor-Schützlinge vor allem durch ihre schwache Trefferquote ins Verhängnis: Unterm Strich kamen 14 vergebene Chancen zusammen, davon vier von der Freiwurflinie, drei aus dem Feld. Bei den Ludwigsburgern lautete die "Negativbilanz" nur neun/zwei/drei. Genau das war es, was ENBW-Coach Tolga Öngören später unter "Erfahrungsvorteil" seiner Mannschaft verbuchte.

Allerdings war der Schlussdurchgang nur das Spiegelbild einer Entwicklung, die Taylor für das gesamte Derby ausgemacht hatte: "Wir waren auf das Spiel nicht so fokussiert, wie wir es hätten sein sollen - nicht nur im letzten Viertel. Die Ludwigsburger dagegen waren es. Sie haben in entscheidenden Situationen gute Spielzüge gemacht, sie haben uns intelligent attackiert", erklärt er, "ich hätte von meiner Mannschaft gerne gesehen, dass sie den Ball etwas intelligenter bewegt, sie hat zu viel in Eins-gegen-Eins-Situationen gespielt. Und es hat bei uns an guten Wurfentscheidungen gefehlt."

Seine Jungs hätten hart gearbeitet, intensiv verteidigt, sich bei den Rebounds reingehängt (da hatten die Ulmer in der Tat mit 43 gegenüber 36 klar die Oberhand behalten), meinte Taylor: "Aber noch einmal: Wir haben in der Offensive nicht intelligent gespielt. Man hat gesehen, dass der Ludwigsburger Spielrhythmus ein wichtiger Faktor war, die Partie zu kontrollieren."

Da hatten die Gäste insbesondere in Richard Chaney einen Trumpf in der Hand, der quasi nach Belieben stach und sein Team regelrecht zum Erfolg antrieb: 26 Punkte in der Endabrechnung, elf im letzten Viertel - das war eine überragende Vorstellung. Und ein Wert, von dem die Ulmer eben mit Ausnahme von Trice (19 Punkte) nur träumen konnten.

Gerade Christian Burns bleib mit mageren sechs Punkten, aber zehn Fehlwürfen, weit unter seinen Möglichkeiten. Der war darum auch so angefressen, dass er nach dem Spiel wutentbrannt durch den Kabinentrakt stürmte und die Türen hinter sich zuschlug. "Ich kann mir nicht erklären, warum das so schief gegangen ist", schnaubte er, während Lee Humphrey - er hatte lediglich drei seiner acht Würfe von außerhalb versenkt - schon wieder etwas lächeln konnte: "Nun müssen wir eben unter der Woche im Training ran und Freiwürfe üben." Ein wahres Wort, denn auch dies war ein Ulmer Manko, sprich: elf verschenkte Punkte bei 26 Versuchen (Quote 57,7 Prozent). Die Ludwigsburger Ausbeute war da bei 13 von 17 (76,5 Prozent) erheblich besser.

Bleibt die Frage: Was tun, um sich nun wieder zu motivieren? Die Ulmer stecken als 13. im Niemandsland der Tabelle. Nach oben geht in den restlichen sieben Spielen nicht mehr viel, von unten droht nur noch theoretisch Gefahr. "So etwas wie gegen Ludwigsburg kann in der aufgeheizten Derby-Atmosphäre schon passieren", sagt Trice, der sich drei Sekunden vor Ende bei einem Zusammenprall einen Pferdekuss am Oberschenkel zuzog, am Sonntag in Braunschweig aber wohl dabei sein wird: "Wir müssen nun ganz einfach schauen, dass wir wieder gut spielen und mental in die Spur zurückfinden."


Kommentare (2)

15.03.2010 10:35 Uhr |   Falco

Schlampig

Die Überschrift der SWP zu der Bildergalerie ist sympthomatisch für die Würfe: "Ludwigsfeld" statt "Ludwigsburg".
15.03.2010 19:33 Uhr |   Falco

Danke !

Danke, dass das nach 1 Tag korrigiert wurde. Ich bin überzeugt, dass ratiopharm das auch bald wieder besser macht, ihr habt`s doch drauf. Nichts für ungut.

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