John Adler

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Nördlich der Brauermetropole Milwaukee im US-Staat Wisconsin liegt Waukesha, der Regierungssitz des Bezirks Waukesha County. Schon immer war die mittelgroße Stadt mit ihrer fast ausschließlich weißen Bevölkerung eine republikanische Hochburg. So auch vor neun Jahren, als der Präsidentschaftskandidat John McCain dort den Senkrechtstarter Barack Obama klar besiegte. Im November 2016 hatte Donald Trump in dem Bezirk, der nach einem indianischen Stammesführer benannt ist, fast doppelt so viele Stimmen auf dem Konto wie seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton.

 Stolz berichtet der Jura-Student John Adler, der Ambitionen hat, eines Tages als Republikaner die Staatsanwaltschaft von Wisconsin zu leiten, über seine Heimatstadt. Fotografieren lassen will er sich nicht. Er betont, dass Waukesha in seinen Augen stellvertretend sei für das, was man in den Vereinigten Staaten ­„White America“ nennt: Fast 90 Prozent der etwa 70 000 Einwohner sind weiß. In der Tat sind in der Stadt keine Afro-Amerikaner zu sehen, auch keine Asiaten, nur vereinzelt ein paar Latinos. Für den angehenden Juristen ist das ein Grund zu sichtlicher Genugtuung.

Genau deswegen habe er Trump gewählt, sagt John und streicht über seine kurz geschorenen, blonden Haare. „Er will, dass wir uns als Nation auf unsere europäischen Wurzeln besinnen. Da gehört es einfach dazu, weiß zu sein“, konstatiert der junge Mann ungeniert und unumwunden. Deshalb sei es Unsinn, den Präsidenten als Rassisten zu bezeichnen.

Auch die Aufregung um Trumps Aussagen nach den Ausschreitungen Rechtsradikaler in Charlottesville Mitte August kann der 22-Jährige nicht nachvollziehen. Trump hatte mehrere Tage gebraucht, bevor er die Gewalttätigkeiten der Neonazis verurteilte, die ein Todesopfer und mehr als 30 Verletzte forderten.  „Es stimmt doch, dass auf der Seite der Gegendemonstranten ein paar Gewalttätige waren, oder?“, fragt John Adler kopfschüttelnd. Die Kritik an der schleppenden Reaktion des Präsidenten kommentiert er mit ratlosem Schulterzucken.

Vor dem Elternhaus parkt John seinen neun Jahre alten Ford, den ihm sein Vater zum 17. Geburtstag geschenkt hat. Das einstöckige Haus wirkt heruntergekommen, das Garagentor steht halb offen. Die Regenrinne, die an ein paar rostigen Nägeln hängt, baumelt im Wind. John stellt seinen Vater vor. Ein ruhiger Mann, der kurz grüßt, ohne dem Besucher in die Augen zu schauen, zu seinem Werkzeugkasten greift und sagt, dass er zu ein paar Jobs in Milwaukee aufbrechen müsse. Sein Vater sei Klempner,  erzählt John. Oft lege er zwölfstündige Schichten ein, um seinem Sohn das Studium an der University of Wisconsin zu finanzieren. „Leute wie mein Vater, das sind eben die Menschen von Waukesha“, sagt John Adler, „ärmere Versionen von Donald Trump, die es mit Fleiß und ehrlicher Arbeit zu etwas bringen und für ihre Familien das Beste wollen.“

 Unterer bis mittlerer weißer Mittelstand, so beschreibt Adler die Bevölkerung seiner Heimatstadt. Größter Arbeitgeber im Ort ist das Waukesha County Hospital, rund 2000 Menschen haben hier einen Job. Arbeit gibt es auch an den mehr als sechs Dutzend Seen im Bezirk. Manch einer betreibt dort eine Gaststätte oder vermietet Boote.  Handwerker wie John Adlers Vater werden ebenfalls ständig gebraucht.

„Unsere Vorfahren waren Kolonisten aus den Neuenglandstaaten, weiße Europäer also“, stellt John Adler fest. Sie waren Mitte des 19. Jahrhunderts in Richtung Westen aufgebrochen. Als sie sich in der Region niederließen, fanden sie undurchdringliche Wälder vor und ein paar Indianerstämme. Die Ankömmlinge rodeten die Wälder, bauten Farmen, Straßen und Schulen, berichtet der schlanke, sportlich wirkende Student stolz über die Geschichte seiner Heimatstadt. Geduldig, gewissenhaft und unter großem Einsatz hätten die Siedler über Jahrzehnte hinweg eine solide Infrastruktur aufgebaut – und eine gut funktionierende Selbstversorgungswirtschaft, die erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, lange nach der industriellen Revolution, an den Wirtschaftsraum der Großstadt Milwaukee angebunden wurde.

„Das sind Qualitäten, die unsere Bürger prägen und der Grund dafür sind, dass wir ein gutes, solides und rechtschaffenes Leben führen können“, sagt John. Zögerlich gibt er zu, dass er den meisten Schwarzen und Latinos diese Eigenschaften abspricht. Auch, dass er in jedem Muslim, dem er begegnet, wenn er am Samstagabend mit Freunden auf Kneipentour in Milwaukee ist, einen Terroristen vermutet.

Den vom Präsidenten geplanten Bau einer Mauer entlang der mexikanischen Grenze hält John Adler für eine gute Idee: „Auch jene, die keine Verbrecher sind, sind Trittbrettfahrer.“ Migranten aus Süd- und Mittelamerika brächten, im Gegensatz zu europäisch geprägten Einwanderern, keinen Mehrwert. „Deswegen brauchen wir eine knallharte Einwanderungspolitik.“

„Hart zurückschlagen“

John Adler hält vor dem Hintergrund der andauernden Terrorgefahr auch das Einreiseverbot für Menschen aus vorwiegend muslimischen Ländern für richtig, das Trump durchzusetzen versucht. Das Verbot betrifft Bürger aus sechs Staaten, die Beschränkungen gelten seit Ende Juni und wurden Ende September erneuert. Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat die Verordnung vorläufig gebilligt.

Die Debatte um den Antiterrorkampf, da ist John Adler ganz sicher, sei während der vergangenen Jahre zu kurz gekommen. Dabei sei unausweichlich, dass die USA irgendwann wieder ein großer Terroranschlag treffen werde. Die Nation brauche daher jemanden, der „vorbeugende Maßnahmen ergreift und, wenn es dann geschieht, umso härter zurückschlägt.“

Der junge Mann lehnt sich zurück und blinzelt in die Sonne. „Ich habe nicht den geringsten Zweifel“, sagt John Adler, „dass Trump dafür der Richtige ist.“

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