Keine Panik: Kinder werden geimpft
Bei Impfstoffen kommt es immer mal wieder zu Lieferengpässen
Ulm. Auch wenn der Lieferengpass bei Vierfachimpfstoffen für Kinder anhält: Für Eltern besteht kein Grund zur Panik. Darin sind sich Kinderärzte in Deutschland und das zuständige Paul-Ehrlich-Institut einig.
Die Meldung zu Wochenbeginn klang dramatisch: Mehrfachimpfstoffe für Kinder können nicht geliefert werden, weil die Kapazitäten des Herstellers Glaxo-Smith-Kline (GSK) durch die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs ausgelastet seien.
Gestern abend freilich kam Entwarnung: Bereits vom kommenden Montag an soll zumindest eine größere Menge des Sechsfachimpfstoffes gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B sowie gegen das Bakterium Hib, das zum Beispiel Hirnhautentzündung hervorrufen kann, wieder lieferbar sein. GSK teilte auch mit, dass beim Sechsfachimpfstoff keinesfalls der Schweinegrippe-Impfstoff für die Lieferschwierigkeiten gesorgt habe. Vielmehr sei es zu Lieferverzögerungen bei der Hib-Komponente gekommen.
Anders liegt der Fall beim Vierfachimpfstoff gegen die Viruserkrankungen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Bei diesem Impfstoff, räumt GSK ein, "hält die Lieferverzögerung an". Und dies habe tatsächlich mit Pandemrix, also dem Schweinegrippe-Impfstoff zu tun. "Verringerte Abfüllkapazitäten auf Grund der Pandemrix-Produktion", führt GSK-Sprecherin Anke Helten an. Grund zur Panik besteht freilich nicht, auch wenn sich der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) "verärgert" zeigt. Es gebe mehrere zugelassene Impfstoffe anderer Hersteller, auf die ausgewichen werden könne. Darauf macht sogar GSK selbst aufmerksam.
In jedem Fall müssten "bevorzugt Säuglinge mit zwei oder drei Monaten gegen die wichtigsten Krankheitserreger geimpft werden", rät die Expertin des BVKJ, Ursel Lindlbauer-Eisenach in Köln. Die weiteren Schutzimpfungen könnten zur Not verschoben werden. Es gebe keinen Grund für Eltern, beunruhigt zu sein, sagt die Ärztin.
Auch der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen, Klaus Cichutek, warnt vor Panik: "Es besteht kein Grund zur Besorgnis. Es gibt Alternativen, so dass kein Kind in Deutschland ungeimpft bleiben muss."
In der Praxis des Kinderarztes Wolf Gröner im oberschwäbischen Ravensburg sind noch keine verängstigten Eltern aufgetaucht. Dr. Gröner würde sie aber auch sofort beruhigen: "Es gibt öfter mal einen Engpass bei Impfstoffen. Und der Sechsfachimpfstoff ist ein Luxusprodukt. Ich kann gut auf den Fünffachimpfstoff ausweichen und gegen Hepatitis B einzeln impfen." Ähnliches gelte für den Vierfachimpfstoff. "Auch er ist eigentlich Luxus."
Info
Informationen zur Verfügbarkeit von Alternativprodukten werden auf der Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts fortlaufend aktualisiert: www.pei.de
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Autor: IRIS HUMPENÖDER | 10.02.2010
Vor allen anderen Patienten sollten Säuglinge gegen die wichtigsten Krankheitserreger geimpft werden. Archivfoto
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