Ist ein Wolf im Schwarzwald unterwegs?

Bei Bad Wildbad sind am Sonntag drei Schafe getötet worden. Hat ein Wolf die Tiere gerissen?

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Hat ein Wolf Schafe im Schwarzwald gerissen?  Foto: 

Im Nordschwarzwald sind in der Nacht von Samstag auf Sonntag drei Schafe gerissen worden. Verantwortlich für die Attacke war ein „großer Beutegreifer“, erklärte der Wildtierbeauftragte des Kreises Calw, Jochen Bock, auf Anfrage. Unklar sei, ob es sich um einen wildernden Hund gehandelt hat oder um eine Wolf oder Luchs. Das prüft derzeit die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem hessischen Senkenberg-Institut, dass Speichelspuren an den Kadavern genetisch auswertet. Laut einem Sprecher des Umweltministeriums in Stuttgart kann die Überprüfung „bis zu zwei Wochen dauern“.

Die Attacke erfolgte im Schutze der Dunkelheit auf die kleine komplett eingezäunte Koppel eines Hobbyschäfers. Eines seiner Tiere fand der Halter am frühen Morgen tot in der Koppel, ein weiteres 200 Meter entfernt am Waldrand. Ein drittes Tier musste notgeschlachtet werden. Somit überlebte nur ein Schaf, das ausbrechen und fliehen konnte. Der Halter sei „sehr gefasst“ gewesen, erklärte Bock – allerdings habe ein Nebenerwerbs-Schäfer nebenan durchaus besorgt reagiert.

Das Umweltministerium hatte noch am Sonntag die Nutztierhalter im Umkreis und den Landesschaftzuchtverband  informiert. In einer Mitteilung, die mittlerweile auch im sozialen Netzwerk Facebook zu finden ist, raten die Behörden zu verstärkter Aufmerksamkeit und einem akkurat gestellten Elektrozäunen mit hoher angelegter Spannung. 

Johannes Erretkamps vom Wildtier-Monitoring der FVA erklärte, vor Abschluss der genetischen Untersuchung ließe sich nicht sagen, welches Tier genau die Schafe gerissen hat. Aktuell vermutet man drei Luchsen, die im Südwesten unterwegs sind – einer im Südschwarzwald, einer auf der Münsinger Alb und einer auf der Ostalb. Seit dem Fund eines erschossenen Wolfes im Schluchsee gab es nur aus dem Landkreis Heilbronn die gesicherte Meldung: In Unterkessach bei Widdern hatte am 7. Oktober ein Wolf drei Lämmer getötet. Es war der erste nachgewiesene Attacke auf Nutztiere durch eine Wolf seit über 100 Jahren im Südwesten.

In diesem Fall ist weiterhin offen, um welches Tier es sich genau gehandelt hat: „Die bislang getesteten DNA-Spuren waren nicht gut genug, um auf ein einzelnes Individuum schließen zu können.“ Allerdings würden nun weitere Proben getestet. In diesem Monat hatte es zudem drei Wolfsattacken im hessischen Teil des Odenwalds nahe der Grenze zu Baden-Württemberg gegeben. Die DNA-Proben dort waren auch nicht optimal, erklärte eine Sprecherin des hessischen Umweltministeriums. Ob es sich im Odenwald und in Widdern um dasselbe Tier handelt, ist also weiter unklar.

Allerdings hätten die Test in Hessen ergeben, dass es sich um Wölfe der „mitteleuropäischen Flachlandpopulkation“ handelt: Damit gemeint sind Tiere, die aus Osteuropa und Nordostdeutschland zuwandern. Mehrere der bislang in Baden-Württemberg gefundenen Einzeltiere stammen aus dem Alpenraum.  Fabian Ziehe

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Kommentare

29.11.2017 15:04 Uhr

Wer war es?

Einem Experten müsste eigentlich bereits das Rißbild Aufschluß geben.

Kehlbiss:

Man sieht fast nichts. Erst wenn die Haare weg sind, zwei kleine Löcher. Der Luchs

Inclusiv Haare Blut und mehr gequetscht statt durchlöchert: Hund

Blut trotz Haare Blut und Löcher wie gestanzt: Wolf

Letzten Aufschluß gibt die DNA Analyse

Die Zeiten werden wilder.

Wer mit dem Hund geht, gut überlegen wo.

In Schweden sind Hunde manchen Wolf sein Leckerli

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