Paketpostamt als favorisierte Lösung

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Ins alte Paketpostamt in der Ehmannstraße im Stuttgarter Norden sollten eigentlich Flüchtlinge ziehen, jetzt könnte dort übergangsweise die Oper unterkommen.  Foto: 

November soll der Verwaltungsrat der Stuttgarter Staatstheater den entscheidenden Fingerzeig geben, an welchem Standort eine Übergangsspielstätte für die sanierungsbedürftige Stuttgarter Oper entstehen könnte. Drei mögliche Areale sind theoretisch noch im Rennen, es zeichnet sich jedoch eine Tendenz in Richtung des ehemaligen Paketpostamts in der Ehmannstraße im Norden der Stadt ab. Dass sie diesen Standort mittlerweile für den besten halten, ließen am Dienstag sowohl Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) als auch der geschäftsführende Intendant der Württembergischen Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, erkennen.

Das Postamt sei ein „starker Standort“, sagte Kuhn im Ausschuss für Umwelt und Technik. Von außen sei der Bau wenig ansehnlich, „da denken viele, oh Gott!“, doch sei man erst mal drin, sei das Interesse geweckt. Das Areal biete ausreichend Platz und logistische Vorteile: Genügend Lager- und Anlieferungsmöglichkeiten seien vorhanden.

Er teile die Einschätzung Kuhns, sagte Hendriks. Er hält das alte Unternehmensgebäude für charmant. „Ich hatte dort ein positives Déjà-vu-Erlebnis.“ Der Standort erinnere ihn an den Spielort in der Türlenstraße, zeitweise Ausweichquartier, als das Stuttgarter Staatstheater saniert wurde. Dieser habe sich fast zu einem sentimentalen Sehnsuchtsort entwickelt, das Paketpostamt habe dieses Potenzial auch, so Hendriks. Auch die Intendanten von Ballett und Oper, die ebenfalls anwesend waren, ließen eine Präferenz in Richtung Ehmannstraße anklingen.

Die Oper Stuttgart, zwischen 1909 und 1912 von Max Littmann erbaut, muss dringend saniert werden. Mindestens fünf Jahre soll die Erneuerung dauern, geschätzt liegen die Kosten, die sich Stadt und Land teilen werden, bei 400 Millionen Euro. Mehrere Standorte wurden als Interimsspielstätte geprüft, diskutiert und teils wieder verworfen, bis zuletzt drei übrig blieben. Das Paketpostamt, eine Fläche neben dem Mercedes-Benz-Museum in Bad Cannstatt sowie der Eckensee direkt vor dem Opernhaus.

Letzterer ist wieder aus dem Rennen – Naturschützer liefen gegen die Umwidmung Sturm, und auch in den politischen Gremien hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass man das Gewässer und die angrenzende Grünfläche  als wichtige Frischluftschneise in der Innenstadt erhalten muss. Die Akzeptanz für den Standort in der Öffentlichkeit sei nicht einhellig, sagte Hendriks. Mit Blick darauf, dass die durch den zeitweisen Umzug erwarteten Verluste so gering wie möglich gehalten werden sollen, ein entscheidendes Kriterium.

Außerdem sind die Kapazitäten an der Stelle begrenzt. Zum einen könnte man wohl nur 1200 statt, wie bislang, 1400 Sitzplätze schaffen, was weniger Einnahmen bedeuten würde. Zum anderen müssten Lager und Werkstätten aus Platzmangel im Littmann-Bau verbleiben, was dessen Sanierung erheblich erschweren und verzögern würde.

An Akzeptanz fehlt es auch dem Standort in Bad Cannstatt, den der OB lange bevorzugt hat. Beim Stammpublikum gebe es „massiven Widerstand“ dagegen – wegen der abgelegenen Lage, der verkehrlichen Anbindung und der Nähe zum Fußballstadion sowie dem Wasengelände. Die Besucher wollten nach der Oper eben nicht „in der verkotzten S-Bahn“ heimfahren, sagte Kuhn. Da ein Interimspielort immer ein wirtschaftliches Risiko sei, sei die Frage, wie viele am Ende vielleicht wegblieben, entscheidend. Der Daimler-Standort wäre, so Kuhn, nach Schätzungen zudem der teuerste. Die Ehmannstraße und der Eckensee spielten preislich in derselben Liga.

Wie viel die einzelnen Übergangsspielstätten kosten könnten, ist noch nicht bekannt. So lange keine Zahlen auf dem Tisch lägen, könne der Gemeinderat eigentlich keine Tendenz erkennen lassen, sagte Alexander Kotz, Fraktionschef der CDU. Die anderen Fraktionen ließen im Ausschuss mehr oder weniger durchblicken, dass sie die Ehmannstraße befürworten beziehungsweise zumindest damit leben könnten, darunter die Fraktionschefs von SPD und Grünen, Martin Körner und Andreas Winter, die neben Kuhn im Verwaltungsrat sitzen (siehe Infobox).

Sollte der Standort realisiert werden, müssten die Wege dorthin allerdings auf Vordermann gebracht und entsprechend ausgeschildert werden. Ausreichend Parkmöglichkeit gäbe es jedoch, auch eine Anbindung an die Stadtbahn ist gewährleistet. Wichtig sei eben, so Kuhn, dass man von Anfang an kommuniziere, dass es sich nur um ein Übergangsgebäude handle, welches abgerissen werde, wenn Stuttgart 21 fertig sei und das Rosensteinquartier entwickelt werde. Geplant ist an der Stelle eine Erweiterung der Parkflächen. „Da müssen wir klare Ansagen machen“, so Kuhn. Der finale Beschluss steht freilich noch aus: Hat der Verwaltungsrat erst entschieden, müssen der Gemeinderat und der Landtag noch ihre Zustimmung geben.

Der Verwaltungsrat der Stuttgarter Staatstheater ist paritätisch aufgebaut: Auf Landesebene setzt er sich aus zwei Ministern und sechs Mitgliedern des Landtags zusammen sowie auf städtischer Seite aus zwei Bürgermeistern und sechs Stadträten. Ihm gehören unter anderem die Ministerinnen Theresia Bauer und Edith Sitzmann sowie OB Fritz Kuhn, Bürgermeister Fabian Mayer und die Räte Martin Körner und Andreas Winter an.

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