Migranten im Nachteil

Berlin.  In Deutschland steigt der Anteil der Migranten konstant. Bei der Bildung haben Jugendliche mit ausländischem Hintergrund aber weiterhin deutlich schlechtere Chancen. Die Integration gelingt also ziemlich schlecht

Bildungs- und Arbeitsmarktforscher schlagen seit langem Alarm. Nicht erst der gestern vorgelegte Bericht der Regierung über die Lage der Ausländer in Deutschland deckt die Fehler und Versäumnisse schonungslos auf: Von den 20- bis 30-jährigen jungen Menschen mit Migrationshintergrund hat fast jeder Dritte keinen Berufsabschluss und befindet sich auch nicht mehr in der Weiterbildung. Bei jungen Frauen türkischer Herkunft sind es sogar fast die Hälfte.

Zugleich bahnt sich in Ballungsstädten wie Berlin, Hamburg, Köln, München oder Stuttgart ein demografischer Wandel an: Dort hat mehr als jeder zweite Jugendliche unter 15 Jahren ausländische Wurzeln. Der Bildungsforscher Jürgen Baumert sieht bei zugewanderten Eltern häufig grundsätzlich großes Interesse an einer guten Bildung für die eigenen Kinder, weil sie damit Aufstiegserwartungen verbinden.

Gleichwohl scheitern Schüler aus Migrantenfamilien weitaus häufiger im Bildungssystem, gehen im Schnitt deutlich seltener auf Gymnasien und sind überproportional häufig auf Hauptschulen. "Zu oft entscheidet Herkunft beziehungsweise die soziale Lage noch über den Bildungsweg und damit über die Zukunft von Kindern und Jugendlichen", stellt der Migrationsbericht der Bundesregierung dazu fest.

Dabei haben sich Bund und Länder auf einen Integrationsplan verständigt. Erste positive Ansätze sind zu berichten. Heute nehmen mehr Kinder aus Zuwandererfamilien an frühkindlicher Bildung und Sprachförderung teil als noch 2005. Viele Migrantenfamilien schicken ihre Kinder aber im Vorschulalter nicht in den Kindergarten.

2008 hatten 13,3 Prozent der 15- bis 19-jährigen Migranten keinen Schulabschluss. Bei den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund waren dies 7 Prozent.

Die Probleme junger Migranten, nach der Schule eine Lehrstelle zu finden, schlagen sich auch in den späteren Arbeitslosenquoten nieder. Laut Regierungsbericht ist die Arbeitslosenquote von Menschen mit Migrationshintergrund nach wie vor etwa doppelt so hoch (2008: 12,4 Prozent) wie von Einheimischen (2008: 6,5 Prozent).

Von Chancengleichheit bei der Bildung kann noch lange keine Rede sein, räumte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), bei der Vorstellung des Berichtes ein. Die CDU-Politikerin sprach von "Großbaustellen der Integration", die in den nächsten Jahren verstärkt angegangen werden müssten. "Wir brauchen Schulen, die besser ausgestattet sind", forderte sie. Die Länder verlangen dafür geschlossen mehr Geld vom Bund, um mehr in die Bildung zu investieren. Schnelle Abhilfe ist nicht zu erwarten. dpa/epd


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