Deutsch für EU-Diplomaten

Brüssel.  Um den neuen Europäischen Auswärtigen Dienst wird munter gestritten. Die Bundesregierung kämpft um Posten und Sprachhoheit.

Man spricht deutsch - in Brüssel immer seltener. Englisch im Internet, französisch bei den meisten Dokumenten - in den EU-Institutionen führt die deutsche Sprache bereits ein Schattendasein. Nun droht ihr im neuen Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) das gleiche Schicksal. Doch Deutschland und Österreich wehren sich.

In Brüssel wird eifrig am Konzept für die neue Behörde gefeilt. Gestern präsentierte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton den 27 Außenministern ihr Modell. Doch die Britin musste wieder einmal Kritik einstecken. "Für uns wäre es nicht akzeptabel, hier Deutsch einfach zu streichen", monierte der österreichische Außenminister Martin Spindelegger.

Auch sein Amtskollege Guido Westerwelle unterstrich, dass man hart bleiben will. Er hatte zuvor bereits in einem Brandbrief an Ashton Entschlossenheit demonstriert. Konkret fordert er, dass Deutsch neben Englisch und Französisch gleichberechtigte EAD-Arbeitssprache wird. Bei der Personalauswahl müssten Deutschkenntnisse zur Einstellungsvoraussetzung werden.

Berlin will ein Exempel statuieren. "Wenn wir beim Europäischen Auswärtigen Dienst akzeptieren würden, dass Deutsch keine Rolle mehr spielt, würden wir einen Präzedenzfall schaffen für die anderen Institutionen", sagt ein EU-Diplomat. Denn schon jetzt wird das Idiom Schillers und Goethes im Brüsseler Sprachenalltag vernachlässigt, auch wenn Deutsch in der EU eine von drei Arbeitssprachen ist.

Was beim Sprachen-Regime droht, zeichnet sich auch bei der Vergabe der Toppositionen ab. Längst haben Paris und London hinter den Kulissen ihre Leute in Stellung gebracht. Besonders geschickt agiert Frankreich. "Es gibt eine Linie bis in Ashtons Kabinett, die französisch dominiert ist", sagt der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff über die Pläne. Insbesondere soll der einflussreiche Posten des EAD-Generalsekretärs, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, an einen Franzosen gehen.

Info

Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) wurde im Lissabon-Vertrag beschlossen und befindet sich im Aufbau. Er soll rund 8000 Beamte umfassen.


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Autor: HANNA ROTH | 24.03.2010

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